Schifffahrt

Kapitän am Biggesee: Der schönste Sommerjob Südwestfalens

Carsten Finke steuert die MS Westfalen über Biggesee. Der Schiffführer fährt die Rundfahrt auf dem Biggesee. Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Carsten Finke steuert die MS Westfalen über Biggesee. Der Schiffführer fährt die Rundfahrt auf dem Biggesee. Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Foto: Julia Tillmann / Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Olpe.  Carsten Finke war Krabbenfischer auf der Nordsee. Jetzt fährt er die MS Westfalen auf dem Biggesee – für ihn der schönste Job der Welt.

Es beginnt mit einer Enttäuschung. Da hatte man an einem heißen Tag die Idee für eine Reportage über einen erfrischenden Sommerjob, und dann empfängt einen bei 18 Grad leichter Nieselregen. Der Himmel ist grau über dem Biggesee.

Carsten Finke allerdings, der Kapitän auf der MS Westfalen, der Mann um den es geht in dieser Geschichte, ist dennoch guter Dinge. Weil er das meistens ist. Und weil es an sehr sonnigen Tagen in seiner Steuerkabine auf der Brücke auch ziemlich heiß werden kann. Nächstes Jahr gibt es vielleicht eine neue Klimaanlage.

Auf Fischerbooten auf der Nordsee gearbeitet

Der 32-Jährige macht aber in jedem Fall den Eindruck, am richtigen Ort zu sein: auf dem Wasser. „Ich hatte auch mal einen Job an Land“, erzählt er. „Aber nur kurz. Das war nichts.“ Wasser ist seine Welt. Eigentlich größeres. Die Nordsee. Aus Neuharlingersiel kommt er. Sein Vater war Krabbenfischer. Und seit er als Fünfjähriger zum ersten Mal mit rausgefahren ist, war ihm klar: „Das mache ich auch.“ Dann aber starb der Vater früh, der Kutter wurde verkauft.

Carsten Finke hat trotzdem den Beruf gelernt, das Patent für Hochsee- und Küstenfischerei gemacht und hat auf Fischerbooten gearbeitet. Doch es ist schwierig geworden, die Krabben machen sich in manchen Monaten rar, Arbeitskräfte sind schwer zu finden, im Hafen an der Küste liegen nur nur sechs Kutter, die auch zum Fischen fahren. Die anderen schippern Touristen über die Nordsee.

MS Westfalen deutlich größer als ein Krabbenkutter

Und deshalb schippert er nun Touristen durchs Sauerland? Auch. In erster Linie steckt aber eine Frau dahinter. Seine Freundin. Die kommt aus Eckenhagen. Und eine Fernbeziehung ist ja auch nicht das Wahre. So kam Carsten Finke von der Hochsee auf die Talsperre. Das war 2015. Seit 2016 ist er fest im Team. Erst als Matrose, dann als Schiffsführer. So heißen die Kapitäne hier.

Eine theoretische Prüfung zum Bootsführerschein für die Binnenschifffahrt musste er noch machen – und sich natürlich ans Schiff gewöhnen. Die MS Westfalen ist mit 55 Meter Länge und 11,60 Meter Breite deutlich größer als ein Krabbenkutter, und sie fährt sich anders: „Das Schiff liegt wie eine Ente auf dem Wasser“, meint der Ostfriese, „kein Tiefgang und eine große Angriffsfläche für den Wind. Das muss man mit einberechnen.“

Zwei Mal 300 PS bringen Schiff auf 11 Knoten

Heute bläst nichts, der See ist spiegelglatt. Die Passagiere tröpfeln langsam ein, an der Anlegestelle Sondern. Am Sonntag war mehr los. 500 Gäste. Gut fürs Geschäft. Da dauert das Ein- und Aussteigen in Sondern, an der Talbrücke/Seesicht und am Biggedamm länger. Aber das macht nichts. 15 Minuten kann der Schiffsführer locker aufholen, um im Fahrplan zu bleiben. Die beiden 300-PS-Motoren bringen die MS Westfalen bis auf 11 Knoten. Aber normal ist gemächlicher. Alle 90 Minuten eine Runde. Fünfmal am Tag.

Das Publikum wächst, die Ufer sind grün, die Ruhe himmlisch. Aber ist es nicht langweilig für einen Mann, der die Hochsee gewohnt ist? „Die Herausforderungen sind hier andere“, sagt Carsten Finke. Er muss die Augen aufhalten, wenn Tretbootfahrer, Segler, Angler, Schwimmer und Stand-up-Paddler vergessen, dass der Linienverkehr Vorfahrt hat. „Manchmal ist wirklich viel los“, berichtet der Käpt’n. „Aber es macht Spaß. Hohen Seegang brauche ich wirklich nicht.“

Noch einmal eine Nacht auf Krabbenfang

Und dann folgt das schlagende Argument: „Ich bin jeden Abend zu Hause bei der Freundin und der Tochter.“ Die ist zweieinhalb und mag das Wasser auch. Am Wochenende will er sie an die Nordsee mitnehmen, um ihr die Seehunde zu zeigen. Und um selbst noch mal eine Nacht auf Krabbenfang zu gehen. Das reicht ihm.

Dann kehrt er zurück als Schiffsführer an den Biggesee. Von Ostern bis Ende Oktober. Mit ein paar Sonderfahrten im Winter. Und Wartungsarbeiten von Januar bis März. Arbeit fürs ganze Jahr. Und als kleiner Ersatz für die Seehunde ziehen gerade 40 Kormorane vorm Schiff vorbei. Die Wolken reißen auf. Stimmt also doch: kein ganz schlechter Sommerjob.

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