Cyberkriminalität

Hacker greifen System der Diakonie Mark-Ruhr an

Auf bis zu 80 Milliarden Euro jährlich schätzt der Mendener IT-Forensiker Karsten Zimmer den Schaden, den Hacker in Deutschland anrichten.

Auf bis zu 80 Milliarden Euro jährlich schätzt der Mendener IT-Forensiker Karsten Zimmer den Schaden, den Hacker in Deutschland anrichten.

Foto: Silas Stein

Hagen/Iserlohn.   Die Diakonie Mark-Ruhr wurde Ziel eines Hacker-Angriffs. Die Einsatzpläne der mobilen Pflege wurden nicht übermittelt. Die Polizei ermittelt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Diakonie Mark-Ruhr ist Ziel eines Hacker-Angriffs geworden: Alle 18 Diakoniestationen und sechs der 14 Pflegeheime des Unternehmens in evangelischer Trägerschaft waren davon betroffen. „Patientendaten sind nicht abgegriffen worden“, beteuerte Fabian Tigges, Sprecher des Unternehmens, auf unsere Nachfrage. Die Diakonie Mark-Ruhr hat die Polizei eingeschaltet und Strafanzeige erstattet. Es soll sich um eine „neue Form von Cyberkriminalität“ handeln, zu der „auch auf Bundesebene kaum Erfahrungswerte vorliegen“, so die Diakonie Mark-Ruhr.

Bereits in der Nacht auf Donnerstag hat die Cyberattacke stattgefunden, wie das Unternehmen erst gestern mitteilte. „Die Mitarbeiter haben morgens festgestellt, dass keine Zugriffe mehr auf die Systeme möglich waren“, berichtet Tigges. Die Hacker hatten den Zugriff auf die Server (Großrechner) blockiert; die Sperre konnte erst in der Nacht zu Freitag durch Fachleute der eigenen IT-Tochtergesellschaft aufgehoben werden. Ob darüber hinaus eine Art Lösegeld an die Hacker gezahlt wurde, ist unklar; dazu mochte sich Unternehmenssprecher Tigges mit Verweis auf die „laufenden polizeilichen Ermittlungen“ nicht äußern.

Einsatzpläne wurden nicht übermittelt

Während die Auswirkungen des Hackerangriffs in den Heimen eher gering waren, sei es in der mobilen Pflege der Diakoniestationen dazu gekommen, dass Patienten nicht zur gewohnten Uhrzeit versorgt werden konnten: Die Daten für ihre Einsätze bekommen die Schwestern und Pfleger in aller Regel auf ihre Dienst-Smartphones; genau das funktionierte aber eben offenbar nicht. Auf eine Summe konnte der Unternehmenssprecher den Schaden nicht beziffern.

Die Diakonie Mark-Ruhr ist als Einrichtung der Wohlfahrtspflege in Hagen, im Märkischen Kreis und in Teilen des Ennepe-Ruhr-Kreises tätig.

Laut Karsten Zimmer, IT-Forensiker aus Menden, nehmen die Cyberangriffe in Deutschland zu. Den Schaden, den Hacker anrichten, schätzt der Sauerländer auf bis zu 80 Milliarden Euro jährlich. „Tendenz steigend.“ Im Darknet fänden sich Spezialisten und gründeten kriminelle Netzwerke, die man durchaus als kriminelle Unternehmen bezeichnen könne. „Alles, was wir digitalisieren, wird angreifbar.“ 90 Prozent der Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen in Südwestfalen seien ihnen mit ihren veralteten Virenschutzprogrammen ausgeliefert.

Dass keine Patientendaten der Diakonie Mark-Ruhr nach draußen gelangt sind, sei nicht sicher, so der 52-Jährige: „Viele halten sich eine eingeschleuste Hintertür offen.“

Im vergangenen Jahr waren die Verwaltung des Märkischen Kreises und das Klinikum in Arnsberg Ziele von Hacker-Angriffen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben