Mops

Gepfändete Mopsdame wird Fall für den Staatsanwalt

„Das Wichtigste ist doch, dass es Wilma gut geht“ –  Polizeibeamtin Michaela Jordan mit ihrer bei Ebay-Kleinanzeigen erworbenen Mopsdame Wilma.

„Das Wichtigste ist doch, dass es Wilma gut geht“ – Polizeibeamtin Michaela Jordan mit ihrer bei Ebay-Kleinanzeigen erworbenen Mopsdame Wilma.

Foto: Guido Kirchner/dpa

Ahlen/Hagen.   Die Mopsdame Edda alias Wilma wurde gepfändet und von einem städtischen Vollziehungsbeamten bei Ebay verkauft. Jetzt ermittelt der Staatsanwalt.

Wenn man nicht wüsste, dass zum Wesen eines Mopses das geräuschvolle Atmen zählt, könnte man meinen, dass Wilma vor Wut schnaubt. Aus ihren Augen lese man womöglich ihre Erkenntnis heraus, dass die Menschen ganz schön komisch sein können. Wilma, eineinhalb Jahre alte schwarze Hündin aus Westfalen, ist als gepfändete und durch einen städtischen Vollziehungsbeamten über seinen privaten Ebay-Account verkaufte Mopsdame Edda weltweit bekannt wie ein bunter Hund.

Selbst die „New York Times“ oder die russische Nachrichtenagentur „Sputnik“ berichteten von dem Hundeleben. Mittlerweile ist Wilma alias Edda zur Hauptfigur in einem realen Krimi geworden. Mit staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen Betruges gegen den Beamten und Schadenersatzforderungen gegen die Stadt Ahlen in Westfalen.

Besitzerin möchte die Mopsdame nicht mehr hergeben

Michaela Jordan (52) möchte Wilma nicht mehr hergeben. „Mein schwarzes Mädchen wartet jeden Tag darauf, dass ich nach Hause komme und setzt sich gerne auf meinen Schoß“, sagt die Polizeibeamtin aus Wülfrath im Niederbergischen Land und beschreibt ihren jüngsten von drei Möpsen: „Wilma ist eine Hexe, die zwischen Teufelchen und Engelchen schwebt.“ Mal sei sie die Friedfertigkeit in Person, mal der freche Wirbelwind, der das Zepter in der Hand halten will.

Die Geschichte begann rund um Nikolaus 2018. Eine Freundin hatte die Kleinanzeige bei Ebay („süße Mopsdame mit Stammbaum“)gesehen. Ein Inserent habe neben Badelatschen auch einen angeblich gesunden, geimpften und entwurmten Mops angeboten, erzählt Michaela Jordan. Dazu ein Foto: ein Mops mit einem Plüsch-Tier spielend.

Für 690 Euro gekauft

Michaela Jordan wollte nicht glauben, dass ein gepfändetes Haustier bei Ebay auftauchte. „Mein Ermittler-Instinkt sagte mir, dass ich der Sache nachgehen sollte.“ Sie rief in der Telefonzentrale der Stadt an, wurde zielgerichtet an den Vollziehungsbeamten verbunden, der wegen der fehlenden Stammbaum-Unterlagen 60 Euro vom Kaufpreis nachgelassen habe. Für 690 Euro erwarb Michaela Jordan die Hündin. Die Polizistin taufte ihre Neuerwerbung auf den Namen Wilma und erfuhr später, dass sie eigentlich „Edda vom Cappenbergersee“ heißt.

Über die Züchterin ließ Michaela Jordan der verschuldeten Vorbesitzerin ausrichten, dass es dem Mops gut geht. Was sich als vorschnell herausstellte. „Ich bemerkte, dass ein Auge tränte und eitrig war.“ Nur in einer Not-OP an Weihnachten und drei weiteren Operationen konnte das Auge gerettet werden. Zudem stellte sich nach Michaela Jordans Angaben heraus, dass Wilma weder geimpft, noch entwurmt und womöglich noch nie bei einem Tierarzt war – wie in der Anzeige und im Kaufvertrag angegeben.

Kontakt zu Bürgermeister gesucht

Die Beamtin fühlte sich betrogen und wollte sich an die Stadt Ahlen wenden. „Ich bin kein Mensch, der schnell mit Klagen bei der Hand ist“, sagt die 52-Jährige. Also bat sie Bürgermeister Alexander Berger in einer „langen und netten“ Mail um Hilfe. „Aber er hat sich nicht gemeldet.“ Mehrmals habe sie im Rathaus angerufen, „aber ich wurde immer vertröstet. Es kam nichts.“ Sie nahm sich einen Anwalt. Dessen Schreiben sei „frech“ beantwortet worden, sagt sie. „Sinngemäß, dass es keine Zusage gab, dass das Tier entwurmt und geimpft sei. Und wenn es etwas hätte, könnte es daran liegen, dass es mir aus der Hand gefallen sei.“

Nachdem die Lokalpresse auf die Geschichte aufmerksam geworden war, nahm der öffentliche Wirbel seinen Lauf. Mit Folgen für Michaela Jordan, die nach eigenem Bekunden doch nur wollte, dass Wilma nicht unter die Räder kommt: „Es begann eine Hetzjagd, als habe ich einer jungen Familie mit drei Kindern und einem gelähmten Vater den Hund entrissen.“ Michaela Jordan richtete eine Facebook-Seite ein und ließ den Mops zu Wort kommen. „Das hat die Leute erreicht.“ Die Beschimpfungen hörten auf.

Sie sei froh, sagt sie, wenn die Sache irgendwann ein Ende hat. Aber es wird noch Zeit ins Land gehen: „Die Ermittlungen dauern an“, sagt Stefan Lechtape von der Staatsanwaltschaft Münster, „fragen Sie in der 2. Mai-Hälfte wieder nach.“

Rechtsanwalt wundert sich

Derweil wundert sich Michaela Jordans Anwalt Wolfgang Kalla darüber, dass die Stadt Ahlen den Wirbel zugelassen habe. „Meine Mandantin und ich wollten nicht in die Öffentlichkeit.“ Er geht davon aus, dass die Zivilklage (u.a. Erstattung von Tierarztkosten) wegen des erhöhten Streitwertes bald vom Amtsgericht Ahlen zum Landgericht Münster wechselt. „Es würde auch die Frage geklärt, ob die Pfändung eines Haustieres rechtmäßig war.“

„Sie war wohl unzulässig“, findet Anwalt Christian Solmecke. Der gebürtige Hagener sieht noch einen zweiten Rechtsbruch. Edda alias Wilma hätte – wie es die Internetversteigerungsverordnung NRW vorsieht – nicht bei Ebay verkauft werden dürfen, sondern über das landeseigene Portal justiz-auktion.de.

Bürgermeister verteidigt Vorgehen

Ahlens Bürgermeister Berger zufolge ist der „für eine Behörde happige Vorwurf, rechtswidrig gehandelt zu haben, aus der Welt“. Die Pfändung des Mopses und dessen „Verwertung“ über ein Anzeigenportal sei „nach erfolgter Interessenabwägung sowie unter Berücksichtigung des Schuldnerverhaltens“ rechtmäßig gewesen. Allerdings: „Die Kaufanbahnung über Ebay war eine Idee zu viel“, so Berger auf Anfrage dieser Zeitung. Daher habe er eine Anweisung erteilt, damit sich ein solcher Fall nicht wiederhole.

Man habe keinen öffentlichen Wirbel veranstaltet, betont Berger. Ohne Prüfung der Forderungen der Mops-Erwerberin könne er nicht einfach das Geld der Bürger „rausrücken. Das hätte mir den Vorwurf der Untreue eingebracht.“

„Außergerichtliche Mediation abgelehnt“

Derweil wünscht sich Michaela Jordan, „dass sich beide Seiten an einen Tisch setzen und es zu einer Einigung kommt.“ Einen solchen Wunsch, „ein Angebot zur außergerichtlichen Mediation“, erwidert Bürgermeister Berger, habe der Anwalt der Gegenseite am 23. Februar „ausdrücklich abgelehnt“: „Er wollte sofort auf den Klageweg“, so der Vorwurf. Und weiter: „Es geht gar nicht um einen Mops, sondern um Möpse, also um Geld. Und das Tierwohl war ohnehin nie gefährdet.“

Was würde wohl Wilma alias Edda zu der ganzen Geschichte sagen? Womöglich würde sie sich auf Michaela Jordans Schoß setzen, ein wenig schnauben und eine Redensart dieser manchmal ganz schön komischen Menschen übernehmen: „Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt.“

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