Ausstellung

Forum der Völker in Werl hat eine Zukunft

Pater Reinhard Kellerhoff mit südchinesischen Tempelschätzen im Museum Forum der Völker.

Pater Reinhard Kellerhoff mit südchinesischen Tempelschätzen im Museum Forum der Völker.

Foto: Kai Kitschenberg

Werl.   Pater Reinhard kann aufatmen: Das einzigartige Franziskaner-Museum in Werl bereitet den Neustart vor. Wir verraten, was passieren soll

Pater Reinhard Kellerhoff (84) kann erleichtert aufatmen. Sein Lebenswerk ist gerettet. Das Museum Forum der Völker mit seiner unschätzbar wertvollen Sammlung wird weiter bestehen, auch wenn die Franziskaner im September nach 170 Jahren Werl verlassen. Drei Jahre hat es gedauert, bis es einem Förderverein aus Wissenschaft und Wirtschaft um Prof. Dr. Klaus Zeppenfeld, Präsident der Hochschule Hamm-Lippstadt, gelungen ist, eine zukunftsfähige Lösung zu entwickeln.

14.000 Exponate aus aller Welt

Rund 14.000 Exponate beherbergt das Forum der Völker, die meisten davon befinden sich im Depot. Jährlich lockt die berühmte Krippenausstellung Gruppen aus dem weiten Umkreis an. Die Franziskaner haben die Artefakte aus Südamerika, Afrika und China mitgebracht. Sie erzählen in einzigartiger Weise vom Alltag ferner Gesellschaften – und sie dokumentieren den Wandel.

So wie die Sache mit China. Reinhard Kellerhoff, der als junger Pater in den 1960er Jahren im sozialen Brennpunkt in Dortmund-Scharnhorst wirkte, gehörte zu den Franziskanern, die Anfang der 1980er Jahre in Hongkong das Neue Testament auf Chinesisch für Rotchina drucken ließen. „In zwei Koffern habe ich die Bibeln über die Grenze geschmuggelt. Obwohl die meisten Leute dort Kommunisten waren, haben sie uns die Heilige Schrift aus den Händen gerissen.“ Viel wichtiger ist jedoch, dass chinesische Bürger den Missionaren Kulturgüter schenkten, um sie vor der Zerstörung während der Kulturrevolution zu bewahren. Auf diesem Wege hat auch ein 1000 Jahre alter Buddha nach Werl gefunden. „Wir Franziskaner haben diese Objekte gerettet, zum Beispiel die Münzsammlung“, hält Pater Reinhard fest.

Dorfstrukturen lösen sich auf

Am Beispiel der Krippen lässt sich ebenfalls erläutern, wie wertvoll die Sammlung ist. Denn die alten kunsthandwerklichen Traditionen, mit denen Krippen in Lateinamerika oder Afrika gefertigt wurden, geraten in Vergessenheit, sobald sich in Folge der Landvertreibung Dorfstrukturen auflösen und die Bewohner in die Slums ziehen müssen. In den Slums existiert eine globalisierte Plastikkultur – die ihrerseits wieder neue kreative Möglichkeiten bereithält. So werden Krippen dort zum Beispiel aus Fliegentod-Dosen gefertigt. „Aus 60 Ländern habe ich Krippen für das Museum zusammengetragen“, erinnert sich Pater Reinhard. „Erst vergangenes Jahr haben wir eine Krippe aus Vietnam erhalten.“

Landflucht und Vertreibung

Das Verarmen der Bevölkerung in Afrika, das Abholzen des Regenwaldes und dessen Auswirkungen auf das Klima, die Landflucht sind aktuelle Probleme, mit denen Pater Reinhard auf seinen zahlreichen Reisen konfrontiert worden ist, und die sich über die Exponate des Museums thematisieren lassen.

Ein Jahr lang soll das Museum nun geschlossen bleiben, wobei Gruppenführungen weiter möglich sein sollen. Das Projektteam um Prof. Zeppenfeld und den Warsteiner Infineon-Geschäftsführer Martin Obertrifter, beide sind Werler, hat den Kunsthistoriker Markus Richter engagiert, ein Konzept für die künftige Präsentation der Sammlung zu entwickeln. „Herr Richter ist im Moment dabei, einen Architektenwettbewerb auszuschreiben, unter Beteiligung von Baumeistern aus den Ländern, aus denen die Exponate kommen.“ Das Museum in der Werler Melsterstraße wird in jedem Fall erweitert. Ob durch einen Vorbau am jetzigen Standort oder ob auch die benachbarten Grundstücke einbezogen werden, wird sich zeigen. Die Übergangszeit dient ebenfalls dazu, eine Stiftung aufzubauen.

Ein bedeutender Schatz

Dass es sich bei der Sammlung um einen bedeutenden Schatz handelt, darüber sind sich alle Beteiligten einig. In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Museum wesentlich durch Pater Reinhard geprägt. Zukünftig sollen inhaltlich die Provenienzforschung und die Vermittlung eine größere Rolle spielen. Das Projektteam möchte natürlich auch das enorme Wissen von Pater Reinhard nicht verlieren. „Die wollen, dass ich hier im Museum wohnen bleibe. Doch das ist noch offen, das hängt auch davon ab, was die Ordensleitung entscheidet. Aber ich stehe jederzeit weiterhin mit Rat zur Verfügung.“

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