Erstwähler

Politikverdrossenheit? Warum diese Abiturienten wählen gehen

Umfrage zur Landtagswahl am Rivius-Gymnasium Attendorn

Schüler beantworten Fragen zur Landtagswahl.
Fr, 31.03.2017, 17.01 Uhr

Umfrage zur Landtagswahl am Rivius-Gymnasium Attendorn

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Attendorn/Meschede.   840.000 Erstwähler entscheiden am 14. Mai über den neuen Landtag in NRW. Wir haben mit neun von ihnen über ihre Wünsche und Kritik gesprochen.

Die, die ihre Stimme nicht nutzen, schweigen auch hier. Mit Politikverdrossenheit will man sich nicht brüsten. 13,1 Millionen Wahlberechtigte entscheiden am 14. Mai über den NRW-Landtag; 840 000 sind Erstwähler. Wir haben mit neun von ihnen, Abiturienten am Rivius-Gymnasium in Attendorn und am Gymnasium der Benediktiner in Meschede, darüber gesprochen, ob sie zur Wahl gehen und warum. Darüber, welche Fragen für sie wahlentscheidend sind und was sie sich von Politikern wünschen.

Sophie Müller

Sie geht wählen, um ein gutes Beispiel zu geben und Freunde mitzureißen, die noch unentschlossen sind. Wahlentscheidend ist für Sophie Müller unter anderem das Thema Umweltschutz. „Unsere Städte müssen wieder grüner werden“, fordert sie. Was sich die Schülerin aus Attendorn von Politikern erhofft? „Dass sie nach der Wahl auch ihre Versprechen umsetzen.“

Alexander Tscholy

Der Schüler aus Attendorn freut sich bereits auf die Wahl, „weil sie neu für mich ist“. „Wenn wir nicht wählen gehen, entscheiden andere für uns. Wir Jungen sind aber diejenigen, die am längsten mit den Konsequenzen leben müssen.“ Wichtig ist ihm das Thema Bildung: „Schulen sollten besser ausgestattet werden mit Technik und Räumen.“ Aber auch das Thema Sicherheit: „Europa muss ein friedlicher Kontinent bleiben.“ Politik habe jungen Leuten eine Zukunftsperspektive zu geben: „Wir müssen sicher sein, später gute Jobs zu bekommen und unser Leben gestalten zu können, wie wir es möchten.“

Lisa Siepe

Lisa Siepe weiß, dass die Älteren eine größere Wählergruppe stellen als die Jungen. „Umso wichtiger ist, dass wir Jungen wählen gehen“, sagt die Attendorner Gymnasiastin. Neben der Bildungspolitik ist für ihre Wahlentscheidung das Thema Bürokratieabbau wichtig. „Zu viel Bürokratie kann Deutschland kaputt machen.“ Berührungsängste mit der Politik kennen die Jungen nicht: weniger Auftritte in Talkshows, dafür mehr direkte Gespräche mit Bürgern – das wünscht Lisa sich. „Man sieht sie nur im Fernsehen. Sie sollten lieber in Schulen kommen.“

Malek Omeirat

„Entscheidungen, die Politiker heute treffen, haben noch in Jahrzehnten Folgen für uns“, sagt Malek Omeirat. Den Ausstieg aus der Atomenergie nennt er als Beispiel. Deshalb geht der Schüler aus Attendorn zur Wahl. „Ich will dieses Privileg nutzen. Es gibt viele andere Länder, in denen man nicht wählen darf.“ Wichtig ist für ihn vor allem, wie sich die Parteien zu internationalen Fragen und zu Europa verhalten. „Das hat Auswirkungen für die Region“, sagt er. „Politiker sollten offen und ehrlich sein, das sagen, was sie wirklich denken, statt zu taktieren, um möglichst viele Wählerstimmen zu gewinnen.“

Rina Berisha

„Wenn man nicht wählen geht, dann stärkt das die rechten Parteien.“ Deshalb geht Rina Berisha (Attendorn) zur Wahl, auch wenn die einzelne Stimme vielleicht nicht entscheidend sei. Die Bildungspolitik, also die Frage, wie sich die Parteien zum Abitur nach acht oder neun Jahren verhalten, ist ihr wichtig. Für sie selbst spiele das zwar keine Rolle mehr, aber vielleicht irgendwann einmal für ihre Kinder: „Wir müssen zukunftsorientiert denken“, sagt sie. Mehr Wahlkampf wünscht sie sich von den Politikern, um sich zu informieren. „Bisher findet kaum etwas statt.“

Victor Falke

Er ist politisch engagiert, Mitglied in der Jungen Union – und geht wählen. „Es ist schließlich unsere Zukunft, über die entschieden wird.“ Bei der Wahl achtet Victor Falke (Meschede) darauf, „ob die Parteien bei den Themen, die uns Jugendliche betreffen, auf unserer Seite sind. G8/G9 nennt er als Beispiel. Doch müssten die Politiker Wahlprogramme „verständlicher für junge Leute herüberbringen“, wünscht er sich. „Und dass die Politik ehrlicher wird – gerade gegenüber jungen Menschen.“

Katharina Neufeld

Nur wer wählen geht, kann am Ende auch sehen, ob seine Stimme etwas bewirkt oder nicht, sagt sie. Deshalb ist sie dabei. Die Themen, die ihr bei der Wahlentscheidung am Herzen liegen: „Die Integration von Flüchtlingen. „Das wird uns auch in Zukunft noch beschäftigen – und in 20 oder 30 Jahren unsere Kinder“, ist sie überzeugt. Überhaupt: „Sozialpolitik ist das interessanteste Thema in der Politik.“ Auch Katharina Neufeld fordert, dass Parteien ihre Wahlprogramme für junge Leute verständlicher machen. Sie hat am Gymnasium der Benediktiner Sozialwissenschaften als Leistungsfach belegt: Obwohl sie sich viel mit Politik beschäftigt, hält sie die Unterschiede zwischen den Parteien und ihren Wahlprogrammen für unverständlich. Und sie hat Zweifel, wie viel am Ende von diesen Programmen tatsächlich umgesetzt wird.

Jason Inegbedion

Er geht wählen, damit nicht rechte Parteien – wie die AfD – gestärkt werden. Soziale Gerechtigkeit und Bildung – das sind die Themen, die für ihn bei der Wahl bedeutsam sind. „Politiker sollten zum Beispiel die Menschen dazu bewegen, sich mehr weiterzubilden“, so Jason Inegbedion (Meschede). Er wünscht sich, dass sie Jugendlichen deutlicher machen, dass manche Themen, die ihnen vielleicht heute uninteressant erscheinen, sie in wenigen Jahren etwas angehen werden. „Kindertagesstätten und die Frage der Gebührenfreiheit werden auch für uns irgendwann wichtig, wenn wir einmal Kinder haben.“

Rebecca Fischer

„Jede Stimme zählt“, sagt Rebecca Fischer (Meschede). „Man darf nicht zu faul sein, zur Wahl zu gehen, nur weil man gerade im Abitur steckt oder die überstandenen Klausuren feiern will.“ Sie blickt darauf, wie die Parteien sich zur Frage der sozialen Gerechtigkeit und der Flüchtlingspolitik verhalten, „ob die Willkommenskultur erhalten bleibt oder nicht“. Aber: „Die Unterschiede zwischen den Parteien kommen nicht richtig heraus.“ Ihre Themen und Ziele müssten sie deutlicher machen. „Und die Nähe zu Jugendlichen stärker suchen.“

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