Brandkatastrophe

„Ein kleiner Funke kann eine verheerende Wirkung haben“

Ein Feuer verwüstete am Montag die Pariser Kathedrale Notre-Dame.

Ein Feuer verwüstete am Montag die Pariser Kathedrale Notre-Dame.

Foto: Thibault Camus/dpa

Hagen/Paris.   Der Paderborner Dombaumeister Björn Erik Kastrup leidet mit seinen Kollegen in Paris. Auch der Paderborner Dom wird seit Jahren saniert.

Seit September 2013 wird der Paderborner Dom umfassend saniert. „Meine Kollegen in Paris waren in den vergangenen Jahren in einer ähnlichen Situation wie ich“, sagt Dombaumeister Björn Erik Kastrup. Jetzt leide er mit ihnen, habe „extrem großes“ Mitgefühl – „schließlich muss befürchtet werden, dass die Feuer-Katastrophe in Zusammenhang mit den Bauarbeiten steht“.

Substanz unwiederbringlich zerstört

Die Betroffenheit bei Kastrup ist durch das Telefon zu hören: Es sei Substanz aus dem 13. Jahrhundert unwiederbringlich zerstört worden, klagt er und springt gleichzeitig seinen Kollegen in Frankreich zur Seite. „Bei keiner Baumaßnahme kann man irgendetwas ausschließen. Man kann nur bestmögliche Sicherheitsvorkehrungen treffen.“ Letztlich reiche ein kleiner Funke, um eine verheerende Wirkung zu entfachen, so Kastrup. „Der Funke muss noch nicht einmal von einem offenen Feuer, zum Beispiel bei Schweißarbeiten, herrühren. Es genügt schon ein Schlag auf Metall.“

Aber: Bei Sanierungen von Kirchenbauten werde getan, was getan werden muss, stellt der Dombaumeister klar. „Es fängt schon damit an, dass bei der Vergabe von Aufträgen Handwerker in den Verträgen auch Passagen zum Thema Sicherheit unterschreiben müssen.“ Sicherheitsauflagen zielten beispielsweise darauf, dass man bei kniffligen Arbeiten im Gebäudeinnern immer Feuerlöscher und Wassereimer parat habe. „Und die Arbeiten dürfen nur bis zu einer bestimmten Uhrzeit durchgeführt werden, damit noch anschließend kontrolliert werden kann, ob Brand- oder Glutnester vorhanden sind.“

„Herz“ des Brandschutzes im Paderborner Dom ist ein Warnsystem im Dachstuhl. „Wir nennen dies Schnüffel-System. Wenn sich leichter Rauch entwickelt, springt die Signalschaltung zur Feuerwehr an.“ Weiteres Beispiel: Kabel sind im Dom nicht endlos miteinander verbunden. „So vermeiden wir einen Zündschnur-Effekt“, so Kastrup.

Dachkonstruktion aus Stahl

Die Dachkonstruktion der Kathedrale Notre-Dame aus dem 13. Jahrhundert bestand aus 1300 Eichen. Das Holz fing sofort Feuer und brannte anschließend lichterloh. Der Dachstuhl in Paderborn ist – wie der im Kölner Dom – aus Stahl. „Von der Brandentwicklung her ist das natürlich kein Vergleich zu einer Holzkonstruktion wie der in Paris“, sagt Kastrup. Aber: „Auch Stahl ermüdet bei großer Hitze und verformt sich.“

Bleibt die Frage, wie es generell im Erzbistum Paderborn um den Brandschutz in Kirchen bestellt ist? Der Dombaumeister beruhigt: „Der Brandschutz ist immer dem Stand der Technik angepasst.“

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