Heimat-Serie: Literatur

Regio-Krimis – Ein Buch kann ein Zuhause sein

Kathrin Heinrichs vor ihrer Heimat - das ist das Dorf Langenholthausen, ein Ort, der zu Balve gehört. Heute lebt die Autorin in Menden.

Foto: R. Hahne

Kathrin Heinrichs vor ihrer Heimat - das ist das Dorf Langenholthausen, ein Ort, der zu Balve gehört. Heute lebt die Autorin in Menden. Foto: R. Hahne

Menden.   Kathrin Heinrichs schreibt Sauerland-Krimis. Die Leser freuen sich, wenn sie ihre Heimat wiederfinden – aber nur, wenn es gut geschrieben ist.

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Hinter dem Idyll lauert das Grauen. Das Verbrechen gedeiht dort am besten, wo man es am wenigsten erwartet. Zumindest in der Fiktion. Der Gegensatz zwischen lieblicher Landschaft, dörflicher Gemeinschaft und Mord und Totschlag ist ein Grund dafür, dass Heimatkrimis so populär sind. Aber längst nicht der einzige, meint Kathrin Heinrichs. Sie muss es wissen: Seit 20 Jahren schreibt sie erfolgreich Sauerland-Krimis.

Was also ist noch wichtig? „Das Heimatphänomen zeigt sich doch überall“, erklärt die 47-Jährige. Werbung für regionale Produkte funktioniere gut, weil das Vertraute gerade in der globalisierten Welt wieder besonders begehrt sei. Das ist sogar Thema in ihrem Krimi „Heimatrausch“ von 2013. „Egal ob du Joghurt verkaufen willst oder Lederhandschuhe“, erklärt da ein Marketing-Experte, „umgib das Ganze mit Landleben, und du wirst das Zeug los.“

Marketing und Qualität

Der Heimatkrimi ist also ein Marketing-Phänomen? Auch. Als Kathrin Heinrichs begonnen hat, war Jacques Berndorf mit seinen Eifel-Romanen schon erfolgreich. „Und ich wollte den ersten Sauerlandkrimi schreiben“, erinnert sich die Autorin. Aber erstens hilft das Etikett alleine wenig – „Wenn das Landbier nicht schmeckt, nützt auch der Verweis auf Tradition und Region nichts“, bringt die Sauerländerin den Qualitätsaspekt ins Spiel – und zweitens ist ihr Verhältnis zur Heimat und zum Schreiben darüber ein wenig komplizierter.

Kathrin Heinrichs ist 1970 in Langenholthausen, das gehört seit 1975 zu Balve, geboren. Hier hat sie bis zum Abitur gelebt. Dann ging sie zum Studium noch Köln. Sie freute sich darauf, herauszukommen, selbstständig zu werden. Während des Studiums lernte sie einen Rheinländer kennen, einen Kölner, und bekam das erste Kind. Und ihr Mann bekam dann eine Lehrerstelle in Menden. Sie ging mit. Dann kam das zweite Kind. Da bot sich Heimarbeit an. „Und schon als Kind hatte ich die Idee, Schriftstellerin zu werden“, erinnert sie sich. Später schien ihr das als Beruf unrealistisch.

Karriereplan B

1997 wurde der alte Traum zum Karriereplan B. Und seit 1999 der erste Roman erschienen ist, läuft es immer besser. Auch dank der Auftritte, die eine Mischung aus Lesung und Kabarett-Abend bieten. Und das funktioniert sogar außerhalb des Sauerlandes, auch wenn dort natürlich die treuesten Leser sitzen. „Die Leute wissen es zu schätzen, dass sie sich wiederfinden, dass die Region in den Fokus gerät“, sagt die Autorin. Und für sie selbst ist die literarische Beschäftigung mit der Heimat naheliegend: „Hier kenne ich mich aus. Die Welt ist mir vertraut wie ein Paar Schuhe, das man schon lange trägt.“

Natürlich könne auch ein Blick von außen reizvoll sein. „Gerade schreibe ich einen Roman, der zur Hälfte auf einer ostfriesischen Insel spielt. Da muss ich mich erst einfinden.“ Aber für den Blick von außen ist ja teilweise ihr Protagonist in mittlerweile zehn Romanen zuständig: Kölsch-Trinker Vincent Jakobs, der als Lehrer ins fremde Sauerland geschickt wird. Das klingt so ähnlich wie im realen Leben. Kathrin Heinrichs will das nicht im Detail kommentieren, sagt nur: „Beide leben sich immer besser ein.“

Heimat nichts Selbstverständliches

Dass Heimat nichts Selbstverständliches ist, wusste sie immer schon: „Der Vater war ein Dorfmensch, hat seinen Ort nie verlassen. Das hat ihm Halt gegeben. Die Mutter wurde als Kind aus Schlesien vertrieben. Das war ihr Lebensthema.“ Sie sieht die Veränderungen: „Früher musste man keine Nachbarschaftsforen bilden, sondern ging nach nebenan. Auch auf dem Dorf ist die Gemeinschaft nicht mehr selbstverständlich.“

Dass Heimat immer schön sein muss, hält die Mutter dreier Kinder auch für einen Irrglauben: „Jeder Ort ist doch für irgendjemand Heimat.“ Auch sie selbst ist nicht in einem idyllischen Fachwerkhaus aufgewachsen: „Der Vater hatte einen Baustoffhandel. Das Material lagerte rund um unser Haus.“ Entscheidend seien Wärme, Vertrautheit, Geborgenheit.

Menschen und Landschaft

Kathrin Heinrichs fühlt sich dem Sauerland zugehörig: „Ich mag die Menschen und die Landschaft. Und ich merke immer mehr, dass ich eine typische Sauerländerin bin. Nicht so offen wie ein Rheinländer, eher zurückhaltend. Und früh bereit, mich selbstständig zu machen mit dem eigenen Verlag.“ Und ihren Kindern, die alle auswärts studieren, geht es offenbar ähnlich: „Als unser jüngster Sohn in den USA war, hat er den Wald vermisst, obwohl er sonst nicht gerade gerne darin spazieren geht.“

In Romanen zählt aber vor allem eine andere Heimat, meint die Autorin: „Man kann sich in einem Buch zu Hause fühlen, wenn man Gelebtes, Gefühltes, Erahntes wiedererkennt.“

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