Handwerk

Wie virtuelle Welten das Handwerk verändern sollen

Wohin geht die Reise? – Rene Müller und Markus Rall (hinten rechts) zeigen Einsatzmöglichkeiten von VR-Brillen im Handwerk.

Wohin geht die Reise? – Rene Müller und Markus Rall (hinten rechts) zeigen Einsatzmöglichkeiten von VR-Brillen im Handwerk.

Foto: MATTHIAS GRABEN

Dortmund.   VR-Brillen können das Lernen und Arbeiten in etlichen Berufen grundlegend verändern. Die Handwerkskammer zeigt Anwendungsmöglichkeiten.

Internet der Dinge, Digitalisierung, Handwerk 4.0. Das sind die Schlagworte. Wie aus ihnen konkret Einsatzmöglichkeiten etwa beim Innenausbau, in der Garten- und Landschaftspflege oder bei Schulungen für das Arbeiten in Reinräumen werden (können), zeigte sich jetzt bei der Handwerkskammer Dortmund: echtes Arbeiten in unechter Umgebung.

Die Technik

Es ist der Blick durch die Brille. Die VR-Brille. VR: virtual Reality, künstliche Wirklichkeit. Eine animierte Umgebung, die ein Computer(-programm) erstellt und an den Bildschirm im Brillenformat sendet. Bilder, die auch tatsächliche Gegebenheiten mit computersimulierten Veränderungen verbinden können. Und bis hin zu einer 360-Grad-Panoramaansicht beeindruckend vor Augen führen. Soweit die Technik.

Eine Technik, „die inzwischen reif ist und funktioniert“, wie Markus Rall, Geschäftsführer der Dortmunder Ideenschmiede Viality, urteilt. Eine Technik, die auf eine Polarisations-Brille aus dem Jahr 1932 zurückgeht, und ihre Anwendung seien „aus dem Tal der Enttäuschung hinaus klar auf dem Weg hin zur Produktivität“. Also einsatzbereit, nicht nur in der Unterhaltung. Auch in der Arbeitswelt, wo es sinnvoll ist, mit einer 3-D-Simulation zu arbeiten.

Als Entscheidungshilfe

Konkrete Anwendungsmöglichkeiten sieht Markus Rall etwa bei allen Gewerken, die im Innenausbau oder einer Modernisierung von Räumen tätig sind. Der Kunde kann in der vorgeführten Sequenz aus einem virtuellen Regal verschiedene Bodenbeläge aussuchen; das Programm übernimmt die Wahl und zeigt das Zimmer bereits neu ausgelegt. Der Vorteil: „Der Kunde kann sehen, wie der Belag auf der Fläche wirkt“, zeigt Rall auf. Oder: Die Branche der Reiseveranstalter. Mit der VR-Brille kann sich der Kunde bereits am geplanten Urlaubsort umsehen und sogar schon sehenswerte Orte kennenlernen. Eine Entscheidungshilfe bei der Auswahl, die den Katalog ersetzt.

In der Mitarbeitersuche

Als „Job-Viewer“ sieht Rall in der VR-Brille ein wichtiges Instrument in der Gewinnung von Nachwuchskräften, also von Auszubildenden, die das Handwerk so händeringend sucht. „Die VR-Brille spricht die Zielgruppe an“, stellt Rall heraus; er ist sicher, dass diese Möglichkeit, Einblicke in den Job zu bekommen, „begeistert“. „Komm mit in die Welt des Garten- und Landschaftsbaus“, heißt ein Image- und Werbefilm, den der Dortmunder beispielhaft zeigt.

Bei der Fortbildung

Bevor es an den eigentlichen Arbeitsplatz geht, lassen sich Abläufe, wie etwa die Arbeitsvorbereitung in einem Reinraum, mit Hilfe der VR-Brille simulieren – und einüben: 30 Sekunden lang Hände waschen, anschließend desinfizieren, Schutzkappen und Handschuhe anziehen, etc. So können Abläufe eingeübt werden. „Orts- und zeitunabhängig“, wie Markus Rall feststellt. Auf Aus-, Fort- und Weiterbildung über die VR-Technik setzt auch Andreas Kohne, Diplom-Ingenieur bei der Dortmunder Materna-Tochter TMT, die Inhalte für VR-Beiträge in einer „Content Factory“ (Inhaltsfabrik) produziert. „Emotionen und Wissensvermittlung“ ließen sich dabei verbinden, und erlernte Inhalte, die mit Emotionen verbunden werden, speichere das menschliche Gehirn besonders gut ab. Ein großer deutscher Autobauer aus Sindelfingen etwa schule derzeit weltweit sein Personal in der Umstellung der Boliden auf Hochvoltbatterien. Die VR-Brille ersetzte Trainer und Schulungseinheiten - sie liefert die Bilder samt Anleitungen.

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