Integration

Diese Probleme gibt es beim Deutsch-Test für Zuwanderer

Dozentin Gina Wrobel (37) unterrichtet einen Integrationskurs der Volkshochschule Hagen.

Dozentin Gina Wrobel (37) unterrichtet einen Integrationskurs der Volkshochschule Hagen.

Foto: Lars Heidrich

Hagen.  Sechs Monate lernen Zuwanderer die deutsche Sprache in Integrationskursen. Zuletzt wurde Kritik an der Qualität des Unterrichts geäußert.

Die erste Messlatte für Integration heißt „DTZ“. Im sogenannten „Deutsch-Test für Zuwanderer“ werden die Teilnehmer auf ihre deutschen Sprachkenntnisse geprüft. Wer besteht, kann im Alltag ohne sprachliche Hilfe zurechtkommen. So die Theorie. Aber wie alltagstauglich ist der Unterricht?

Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bestehen nur 49 Prozent aller Zuwanderer diese Prüfung. Die Zahl ist zuletzt gesunken, 2016 waren es noch knapp 59 Prozent. Warum ist das so?

Teilnehmer aus der Türkei, Irak Iran, Rumänien und England sitzen zusammen im Deutschkurs

Seit sechs Monaten ist Yunus in Deutschland, seit drei Monaten sitzt er im Integrationskurs der Volkshochschule (VHS) Hagen. Fünf Tage die Woche, fünf Stunden pro Tag. „Wir lernen jeden Tag Deutsch. Manchmal verstehe ich nicht alles, aber wir helfen uns“, sagt der gebürtige Türke, weitgehend flüssig in der Aussprache und gut zu verstehen. Kein Wunder: Yunus ist seit zwei Jahren mit einer Frau aus Deutschland verheiratet.

„Deutsch zu sprechen war die erste Zeit sehr anstrengend, aber mit dem Kurs ist es besser geworden“, blickt der 25-Jährige zurück. Die Grundlagen hat er per Handy-App gelernt, auch deutsche Freunde haben beim Spracherwerb geholfen. Inzwischen hat Yunus gute Chancen, die DTZ-Prüfung zu bestehen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass er ein Paradebeispiel ist.

Mit ihm sitzen noch knapp zwanzig weitere Teilnehmer im Kurs, sie kommen etwa aus dem Irak und Iran, aus Rumänien und England.

Für manche ist das Tempo im Unterricht zu hoch

„Bei einigen Teilnehmern wissen wir nicht, ob sie die Prüfung bestehen“, sagt Gina Wrobel, eine Dozentin des Integrationskurses. Für manche reichen die 600 Unterrichtsstunden nicht aus, die zur Vorbereitung auf den DTZ für jeden Teilnehmer angesetzt sind. Wer nicht besteht, darf 300 Stunden wiederholen. Die Gründe für schlechtes Abschneiden sind vielfältig, reichen von Grammatik-Problemen bis zu schweren psychischen Traumata.

„In erster Linie sind es Menschen, die alle eine eigene Geschichte haben“, so Wrobel. Für ihr Unterrichtstempo orientiert sie sich an der Mitte. Gruppenarbeiten nutzt sie, um sich auf Einzelne zu konzentrieren.

Trotzdem fällt manchen Teilnehmern der Sprachgebrauch im Alltag schwer. „In den Büchern wird versucht, uns den Alltag in Deutschland zu erklären“, sagt Kursteilnehmerin Sogol, die aus dem Iran nach Deutschland gekommen ist. „Aber in der Realität ist die deutsche Sprache anders.“

Die Probleme mit den Lehrbüchern

Auch Uschi Lautenschlager hält die Lehrbücher für problematisch. „Viel zu viele Grammatikregeln“, stöhnt die 63-Jährige aus Burbach bei Siegen. Seit rund zehn Jahren lehrt sie Zuwanderern die deutsche Sprache. Angefangen mit ausländischen Mitarbeitern von Firmen, unterrichtet sie nun hauptsächlich in Integrationskursen und gibt daneben ehrenamtlich Sprachunterricht.

„Die Bücher zielen rein auf das Bestehen der Prüfung, lassen aber den natürlichen Spracherwerb außen vor.“, findet Lautenschlager. Sie plädiert für einen Unterricht, der mehr aufs Hören, Verstehen und Sprechen setzt, statt Grammatik zu pauken.

Kursleiter kostet 35 Euro pro Stunde

Wie wichtig der Spracherwerb für Zuwanderer ist, hat ihr der Bericht eines Rumänen verdeutlicht. „Er hat seine Arbeit verloren, weil er nicht richtig kommunizieren konnte“, so Lautenschlager. „Jetzt besucht er unseren ehrenamtlichen Sprachkurs, um die deutsche Sprache besser zu lernen.“

Abseits der Klassenräume gibt es weitere Baustellen. So trifft in Städten wie Hagen eine große Zahl an Kursträgern auf eine sinkende Zahl an Teilnehmern, die es zu verteilen gilt. „Es ist schwieriger geworden, nach Sprachniveau und Lernentwicklung zu sortieren.“, so Anna Feder. Sie ist eine der Koordinatorinnen für die Integrationskurse der VHS Hagen.

Zugleich müsse Personal für die Kurse vorgehalten werden. Ein Kursleiter kostet 35 Euro pro Unterrichtsstunde. Rund zehn Teilnehmer sind nötig, um die Kosten zu decken.

Was erwarten die Teilnehmer?

Neben zusätzlicher Sozialkräfte brauche es häufiger Perspektivwechsel, findet Dozentin Gina Wrobel. „Wir fragen die Zuwanderer zu selten, was sie selbst wollen.“ Die Teilnehmer hätten unterschiedliche Motive, Deutsch zu lernen. Einige wollten zurück ins Heimatland, andere schnell Fuß fassen. „Vielleicht sollten wir nicht allein einen Deutschtest als Maßstab für Integration nehmen.“

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