Gesundheit

„Die Ursachen für Hautkrebs liegen oft in der Kindheit“

Hausarzt Sven Jansohn blättert in einem Fachbuch – Interview mit dem Bad Berleburger Facharzt für Innere Medizin über das Thema Hautkrebs und die große Bedeutung der Früherkennung.

Foto: Lars-Peter Dickel

Hausarzt Sven Jansohn blättert in einem Fachbuch – Interview mit dem Bad Berleburger Facharzt für Innere Medizin über das Thema Hautkrebs und die große Bedeutung der Früherkennung.

Bad Berleburg.   Der Arzt Sven Janson spricht im Interview über die Krebs-Früherkennung und warum ein längst vergessener Sonnenbrand schlimme Folgen haben kann.

Es begann mit einem Fleck am Fuß, unter dem Nagel. Später stellte sich heraus, dass es Hautkrebs war. Dieses maligne Melanom streute in Leber, Lunge, Gehirn und tötete die Musiklegende Bob Marley. Der Reggaemusiker ist eines der prominentesten Opfer von Hautkrebs.

Zu viel Sonne: Sensor soll vor Hautkrebs schützen

Kalifornische Wissenschaftler haben einen UV-Sensor entwickelt, der Sonnenbadende warnt, sobald sie die empfohlene Höchstdauer erreicht haben.
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Die Zahl solcher Erkrankungen nimmt verschiedenen Statistiken zufolge stetig zu. So verzeichnet man in Deutschland allein etwa 200 000 neue Fälle jedes Jahr. Wir haben mit dem Bad Berleburger Mediziner Sven Janson über die Bedeutung der Früherkennung gesprochen und dabei auch erfahren, warum ein längst vergessener Sonnenbrand aus Kindertagen schlimme Folgen haben kann.

Eigentlich ist der Winter die falsche Jahreszeit, um sich über Hautkrebs zu unterhalten, finden Sie nicht auch Herr Janson?

Sven Janson: Nein, das finde ich nicht. Das Thema Hautkrebs bezieht sich auf das gesamte Jahr, es hat nichts mit einer Saison zu tun. Eigentlich ist es im Winter sogar aktueller, weil die Menschen mehr Zeit haben, um zum Arzt zu gehen. Im Sommer fahren sie häufiger in den Urlaub.

In der letzten Zeit häuft sich die Zahl der Menschen, die mir von Hautkrebsbehandlungen berichten. Stimmt diese Beobachtung, steigt die Zahl der Erkrankungen an?

Es steigt die Zahl der Fälle, die aufgrund des Screenings gefunden werden.

Kann man das Erfolg verbuchen?

Ja.

Sie sind Allgemeinmediziner und Internist, kein Hautarzt, aber eben oft der erste Ansprechpartner Ihrer Patienten. Wann raten Sie zu einer genauen Untersuchung?

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen ab dem 35. Lebensjahr in der Regel alle zwei Jahre ein Hautkrebs-Screening beim Hausarzt. Es gibt aber auch Sondervereinbarungen mit einzelnen Krankenkassen, dass sie solche Untersuchungen auch schon früher bezahlen – allerdings dann bei Dermatologen.

Wie funktioniert das Screening-System?

Das Screening selbst ist zweistufig. In der ersten Stufe kontrolliert der Hausarzt die Haut. Und wenn er etwas Auffälliges findet, schickt er den Patienten gleich weiter zum Dermatologen. Der ist der Fachmann und kontrolliert das nochmals. Durch dieses Prozedere haben wir im letzten Jahr sieben oder acht maligne Melanome, also den gefürchteten schwarzen Hautkrebs, entdeckt.

Aber es gibt ja nicht nur den schwarzen Hautkrebs?

Nein! Es gibt noch weitere, wie das Basaliom, auch als weißer Hautkrebs bekannt. Der wächst zerstörend ins Gewebe ein und muss im Ganzen entfernt werden. Das Problem ist: Er tritt an lichtexponierten Stellen wie zum Beispiel am Nasenflügel oder im Gesicht auf. Das ist nicht einfach dort zu operieren. Aber er streut nicht, bildet keine Metastasen und hat keinen Einfluss auf die Lebenserwartung, wie das maligne Melanom.

Welche weiteren Arten gibt es?

Das Plattenepithel-Karzinom ist aktuell ein großes Thema. Der klassische Fall sind Menschen, die in ein Nagelstudio gehen. Konkret geht es um diese UV-Licht-Lampen. Diese Lampen sind oft nicht geeicht. Eine Professorin in meinem Hautkrebskurs berichtete, dass es viele Klagen und viele Neuerkrankungen wegen dieser Lampen gebe. Das betrifft aber nur das Plattenepithel-Karzinom.

Zurück zum malignen Melanom. Wie sehr ist das Veranlagungssache?

Die Ursachen liegen oft in der Kindheit. Das wissen viele nicht. Gerade die 50er, 60er, 70er Geburtsjahrgänge sind da betroffen, weil deren Eltern noch nicht so auf Sonnenschutzcreme geachtet haben.

Also ist der Sonnenbrand das große Risiko?

Ja, das verursacht Schäden an der DNA der Haut. Und kurioser weise ist es so, dass man sich am Kopf verbrennt, und dann später am Fuß Krebs auftreten kann. Entscheidend ist nicht die Stelle, die der Sonne ausgesetzt war.

Wie kommt das?

Entscheidend sind die Melanozyten. Das sind Zellen, die aus der Neuralleiste stammen und in den Muttermalen enthalten sind. Die wandern offenbar. Deshalb können maligne Melanome auch an anderen Stellen und in allen möglichen Schleimhäuten auftreten, auch im Mund, im Darm und den Augen.

Das ist der Grund warum man sich und vor allem auch Kleinkinder vor der Sonne schützen muss...

So ist es!

Was ist mit Solarien? Gerade im Winter tanken viele hier ihre Portion Sonne. Sind Solarien weniger gefährlich als die echte Sonne?

Nein. Das ist genau so wenig gesund wie ungeschützt in die Sonne zu gehen. Es ist eine UV-Strahlung. Die mag in Solarien zwar besonders gefiltert sein, aber wie immer gilt: Die Dosis macht das Gift. Wer sich häufiger der Strahlung aussetzt, hat auch ein erhöhtes Risiko.

Gilt das auch für Menschen, die aus sonnigeren Ländern kommen?

Diese Leute haben oft einen anderen Hauttyp. Aber auch Farbige können Melanome bekommen. Das beste Beispiel ist der Musiker Bob Marley, der hatte ein malignes Melanom am Fuß und ist daran gestorben.

Gibt es weitere Faktoren, die die Gefahr von Hautkrebs beeinflussen?

Der Hauttyp spielt eine wichtige Rolle. Helle Hauttypen haben ein höheres Risiko, weil sie schneller Verbrennungen bekommen und damit auch schneller DNA-Schäden. Und je mehr Muttermale jemand hat, umso höher ist das Risiko.

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