Weihnachtsmärchen

Cinderella sorgt in Dortmund für viele Lacher

Dortmund.   Dortmund zeigt das bekannte Stück Cinderella einmal anders: Als Weihnachtsmärchen mit vielen Überraschungen

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Man muss sich nicht verstellen, um zu gefallen. Das trifft vor allem auf die „Cinderella“ aus dem Dortmunder Weihnachtsmärchen zu. Die Figur fällt genau deswegen dem Prinzen auf, weil sie wie ein Trampel die pompöse Schlosstreppe herunterstolpert, wie ein Derwisch beim Tanzen herumspringt und wie eine Irre mit dem Degen herumfuchtelt. Aber auch ansonsten bricht das Stück von Andreas Gruhn, dem Leiter des Dortmunder Kinder- und Jugendtheaters, mit den Erwartungen an das altbekannte Märchen „Aschenputtel“.

Keine Lichtgestalt

So ist das harsche Auftreten der Stiefmutter (Johanna Weißert) nicht nur Schikane, sondern auch eine Reaktion auf die ungebändigte Ella (später Cinderella). Die tanzt nämlich ihrem Vater (Harald Schwaiger) und dem Personal gehörig auf der Nase herum und springt buchstäblich über Tische und Bänke.

Auch der Prinz (Jan Westphal) ist nicht die perfekte Lichtgestalt aus den Märchen und Disneyfilmen, sondern eine ganz eigene Marke, die den ganzen Hofstaat zur Verzweiflung bringt.

Genau darin liegt der Reiz des Stückes: Die Reaktionen des jungen Publikums auf den Schabernack der beiden Hauptfiguren sind einfach goldig. Sei es das Entgleiten aller Gesichtszüge, als Ella zum ersten Mal die wohlerzogene, aber etwas verklemmte Stieftochter (Bianka Lammert) umarmt oder das Erstaunen der aufgestylten Prinzessinnen, als sie auf die schier endlose Gleichgültigkeit des gelangweilten und ungehobelten Prinzen stoßen.

Es gibt aber auch Momente, in denen ernst gemeintes Mitleid die Szene bestimmt. Selten, aber eindrucksvoll sind ebenfalls die kleinen magischen Augenblicke, die vielen Kindern im Publikum ein erstauntes „Ohh!“ hervorlocken. Hervorzuheben ist die Szene, in der das von der guten Fee herbeigezauberte prächtige Ballkleid gleich einer imposanten Tiefseequalle nach unten schwebt.

In der meisten Zeit spielt aber die Komik die erste Geige im Stück. Niemand dürfte den Prinzen bemitleiden, als er sich voller Liebeskummer fast zu Tode hungert, weil die erfrischende Unbekannte vom großen Ballabend einfach nicht zu finden ist. Die Tragikomik wird hier auf die Spitze getrieben, der Prinz versinkt unter einer weißen Decke in einem Rollstuhl und wird erst von einer, dann gleich von drei Krankenschwestern gepflegt. Solche Ideen funktionieren, weil das Stück an keiner Stelle verleugnet, dass es für alle gut ausgeht.

Aber auch an anderer Stelle nutzt Andreas Gruhn ein paar dramaturgische Tricks. Mit der Drehbühne von Oliver Kostecka ändert sich nicht nur der Ort des Geschehens – vom pompösen Goldsaal zum bürgerlichen Heim mit Blümchentapete – sondern auch die Stimmung. Wenn sich Die Heldin im tiefsten Kummer befindet, taucht überraschend ein dritter Schauplatz auf: der Pferdestall, der Cinderella seit dem Einzug der Stiefmutter als Schlafplatz dient.

Insgesamt ist „Cinderella“ so erfrischend wie die Hauptfigur des Stücks.

www.theaterdo,de

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