Fußball-Bundesliga

BVB-Fans aus Südwestfalen fordern freie Fahrt zum Stadion

BVB-Fans auf dem S-Bahnbahnsteig auf dem Dortmunder Hauptbahnhof: Anhänger aus dem Ruhrgebiet können mit dem Kombiticket kostenlos anreisen, aus Südwestfalen nicht.

BVB-Fans auf dem S-Bahnbahnsteig auf dem Dortmunder Hauptbahnhof: Anhänger aus dem Ruhrgebiet können mit dem Kombiticket kostenlos anreisen, aus Südwestfalen nicht.

Foto: Blossey

Hagen/Arnsberg.   BVB-Fans können im Gebiet des VRR mit Bus und Bahn umsonst zu Heimspielen fahren. Anhänger aus Südwestfalen wollen das auch. Aber der BVB blockt.

Tausende BVB-Anhänger aus Südwestfalen werden am Samstag wieder zum Derby nach Dortmund pilgern. Für die Fans aus dem Ruhrgebiet ist die Tour zum Stadion mit öffentlichen Verkehrsmitteln des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) kostenlos – wie bei jedem Heimspiel. Ihre Eintrittskarte berechtigt zur freien An- und Abreise. Die Fans aus dem Sauer- und Siegerland fordern nun das gleiche Recht. Sogar die Politik schaltet sich ein. Doch der BVB winkt ab.

Bundestagsabgeordnete schalten sich ein

„Jeder weiß doch, dass eine große Zahl an Fans des BVB aus Südwestfalen regelmäßig zu den Heimspielen fährt“, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese aus Brilon. In der Tat: Allein der Fan-Club Oeventrop-Freienohl hat mehr als 1000 Mitglieder. Auch in Soest, Lippstadt, Brilon, Finnentrop, Lennestadt, Medebach und vielen anderen Städten im Sauer- und Siegerland gibt es organisierte Fans. Ihre Anreise mit Bus und Bahn ist allerdings erst ab Hagen, Schwerte, Holzwickede oder Unna – also sobald sie das Gebiet des VRR erreichen – durch das Stadionticket abgegolten. Deshalb kommen viele mit Bussen oder mit dem eigenen Auto über meist verstopfte Straßen.

„Viel sinnvoller wäre es, dass die kostenlose An- und Abreise auch auf das gesamte Gebiet des Nahverkehrs Westfalen-Lippe, zumindest in einem ersten Schritt auf das Gebiet des Zweckverbands Ruhr-Lippe, ausgeweitet wird“, fordert Wiese. Das sehen viele BVB-Anhänger aus Südwestfalen auch so. „Wir wünschen uns schon seit Jahren, dass wir so behandelt werden wie die Fans aus dem Ruhrgebiet“, sagt Eugen Kraas, Vorsitzender des Fan-Clubs Oeventrop-Freienohl. Bisher seien die Forderungen jedoch immer im Sande verlaufen. Auch Stefan Moeschke, Vorsitzender von Powerland ‘86 Arnsberg (200 Mitglieder), unterstützt die Forderung: „Das wünschen sich viele. Vor allem für die nicht organisierten Fans wäre das eine gute Sache.“

Auch ökologisch sinnvoll

Am Ende geht es natürlich ums Geld. „Die Umlage auf den Ticketpreis wäre moderat und vor dem Hintergrund der verkehrlichen Entlastung auf der Straße ein richtiger Weg“, sagt Dirk Wiese. Wie hoch die Pauschale ist, wollen allerdings weder der BVB noch der VRR verraten. Der Zweckverband Ruhr-Lippe hat gerade den Auftrag für eine Berechnung erteilt, schließlich würde der Verband bei Einführung eines Kombitickets auf Einnahmen verzichten, die der BVB ausgleichen müsste.

Klar ist auch, dass die sogenannten Stadionverkehre eine harte Belastungsprobe für die eingesetzten Fahrzeuge zur Folge haben. Nicht alle Fußball-Fans können sich benehmen. Auch dieser Aspekt müsste in die Kalkulation des Zweckverbandes einfließen.

Politischer Druck soll helfen

Verbandsvorsteher des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe ist übrigens gerade Andreas Müller, Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein und – wie Dirk Wiese – SPD-Politiker. „Ich persönlich finde die Idee, das Kombiticket auf Südwestfalen auszudehnen gut“, sagte er auf Anfrage dieser Zeitung. Die Anreise per Bus und Bahn sei nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern könne auch die Verkehrsbelastung auf den Straßen verringern. „Aber entscheiden muss am Ende der Verein. Der Ball liegt im Feld des BVB.“

Dort will ihn allerdings niemand aufnehmen. „Einen übergreifenden Verbundtarif für alle Tickets, also eine vergleichbare Regelung auch für die Fans aus dem Sauer- und Siegerland auszuhandeln, würde für alle Ticketinhaber außerordentlich teuer“, teilte die Medienabteilung des Bundesligisten knapp auf Anfrage dieser Zeitung mit. Soll wohl heißen: An eine Ausdehnung des Kombitickets auf Südwestfalen ist nicht gedacht.

Schalke 04 ist ein anderes Thema

Dirk Wiese gibt das Spiel aber noch nicht verloren. Er will nun den Druck im politischen Raum verstärken. Rückendeckung bekommt der Sauerländer von den SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Freitag (Märkischer Kreis), Nezahat Baradari (Kreis Olpe) und Wolfgang Hellmich (Kreis Soest). Und der ehemalige NRW-Ministerpräsident und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (ebenfalls SPD) sitzt im Aufsichtsrat von Borussia Dortmund. Dass sich diese Politiker in ähnlicher Weise auch für Schalke-Fans einsetzen werden, ist nicht zu erwarten: Sie alle sind eingefleischte BVB-Fans.

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