Alters-Serie

Wie Senioren ihren neuen Partner im Internet finden

Die Rentner Volker B. und Helga S. beim Spaziergang in Wuppertal.

Foto: Volker Hartmann

Die Rentner Volker B. und Helga S. beim Spaziergang in Wuppertal. Foto: Volker Hartmann

Hagen/Wuppertal.   Online-Vermittlungsbörsen für Senioren boomen. So ist sich ein Rentner-Paar aus Wuppertal und Dortmund im Netz näher gekommen.

Warum warten? Das Leben ist zu kurz. Gut ein Jahr nach dem Tod ihres elf Jahre älteren Mannes Robert will Helga S. nicht länger allein sein. Die Witwe aus Wuppertal ist 63 Jahre alt und sucht einen neuen Partner. Wo und wie ihn finden?

Die Rentnerin traut sich was. Nur wer sich bewegt, kommt voran, denkt sie. Ihr nächster Schritt: Parship. Bei der Online-Partnervermittlung schließt sie einen Vertrag für ein halbes Jahr ab, bezahlt 51 Euro im Monat – und behält dieses Geheimnis erst einmal für sich.

Am Anfang ist der Reibekuchen

Die Suche im Herbst 2014 beginnt zögerlich. Zwei Treffen mit einem älteren Herrn aus Dortmund verlaufen wenig hoffnungsvoll. „Er wollte in die Berge nach Süddeutschland ziehen. Ohne mich.“ Ein Malermeister aus Baden-Württemberg will sie ins Ländle locken. „Das war mir auch zu weit weg.“ Zwei, drei Telefonate und Tschüss.

Bis, ja bis sich Volker B. aus Dortmund-Hörde bei ihr meldet. Der gelernte Sanitärinstallateur lebt alleine. Seine Frau Sabine war drei Jahre vorher im Oktober 2011 im Schlaf gestorben. „Ein Aneurysma. Sie war 54 Jahre alt. Ich wollte sie morgens wecken, da war sie schon kalt.“

Er glaubt nicht daran, dass er über Online-Kontakte alsbald eine Partnerin findet. „Ich habe einen Zwei-Jahres-Vertrag abgeschlossen. Das war auch billiger, 21 Euro im Monat. Dass es so schnell geht, damit habe ich nicht gerechnet.“

Vier Wochen später sitzen sich die beiden in den „Bergischen Stuben“ in Wuppertal gegenüber. Freitag, 17. Oktober, 18 Uhr. Beide haben das Datum nicht vergessen. Aufgeregt? Sie: „Ein bisschen.“ Er: „Wir hatten sofort einen Draht.“ Sie: „Ich habe gedacht, er hat einen ganz schönen Bauch.“ Er: „Ich wusste im ersten Moment: mit ihr, das passt.“ Sie: „Man flirtet so, als wenn man jung ist.“ Er: „Sie war sehr offen.“

Beide strahlen sich im Rückblick ihres ersten Treffens an. Weiter? Bei Reibekuchen erzählen sich die beiden ihr Leben. Und beide essen für ihr Leben gern Reibekuchen. Liebe geht auch durch den Magen. Ein Jahr später löst Volker B. seine Wohnung auf und zieht zu ihr.

Nicht alles ist rosarot

Das klappt bis heute? Er: „Es ist super.“ Sie: „Denken Sie nicht, alles ist rosarot. Wir streiten auch.“ Die Kostprobe für den Besuch folgt prompt. So wie Pärchen frotzeln, wenn sie sich schätzen und lieben. Er: „Sie hat so gar keine Ahnung vom Fußball. Ich habe bis 45 beim VfR Sölde gespielt, zuletzt als Libero.“

Samstags verfolgt er die Spiele der Fußball-Bundesliga im Fernsehen. „Nicht, dass ich das zur Bedingung vor meinem Einzug gemacht habe, aber das ist gesetzt.“ Sie: „Leider hat er keine Lust zu Gesellschaftsspielen. Selbst Kartenspiele wie Canasta sind nicht sein Ding. Kniffeln geht gerade so. Das finde ich wirklich schade.“

Gemeinsame Interessen? Ja. Beide tanzen leidenschaftlich gern, besuchen regelmäßig Auftritte von Bands, die Musik der 1960er- und 1970er-Jahre spielen. Nicht zuletzt reisen sie gern. Nächste Ziele sind mit Freunden im Mai die Mosel, später im Sommer geht es nach Cuxhaven an die Nordsee.

Ein Wort zu den Angehörigen darf nicht fehlen. Er hat eine Tochter, 40 Jahre alt, zwei Söhne, Zwillinge, 38 Jahre alt und zwei Enkel, 12 und 14 Jahre alt. Sie hat keine Kinder, aber viele Geschwister und Großnichten. Was nicht immer gelingt, bei ihnen klappt es. „Beide Familien haben den neuen Partner gut aufgenommen“, sagt Helga S.. „Meine ältere Schwester hat diesen netten Satz gesagt: Es ist nicht gut, wenn Menschen alleine sind.“

Spätere Heirat ausgeschlossen

Ob sie später mal heiraten wollen? Beide sind heute 68. Einhellige Antwort: „Wozu? Da geht ja eine Rente flöten.“ Und Helga S. ist sicher: „Pflegen am Ende deiner Tage tue ich dich nicht.“ Seine Antwort: „Brauchst Du auch nicht, du stirbst vor mir.“

Ernst schwingt an dieser Stelle mit. Sie: „Ich habe meinen ersten Mann jahrelang gepflegt. Das ist an die Substanz gegangen, das geht nicht noch einmal.“ Das ist die Ehrlichkeit im Alter. Er: „Brauchst du auch nicht. Wir haben uns ja auch nichts wie Eheleute versprochen.“

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