Demographie

Schon 39 Menschen in Hagen sind 100 Jahre oder älter

Katharina Hagemeyer (109) ist die älteste Hagenerin. Bürgermeister Fischer gratuliert.

Katharina Hagemeyer (109) ist die älteste Hagenerin. Bürgermeister Fischer gratuliert.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Die Zahl der hochaltrigen Menschen nimmt in Hagen zu. 39 Bürger können auf stolze 100 Lebensjahre oder mehr zurückblicken. Eine Herausforderung.

Eine 109-Jährige, eine 108-Jährige, ein 106-Jähriger – Hagen hat eine beachtliche Zahl von sehr alten Mitbürgern aufzuweisen. Insgesamt leben 39 Menschen in der Stadt, die 100 Jahre oder älter sind. Für Politik und Verwaltung stellt diese Seite des demographischen Wandels eine Herausforderung dar. „Es vergeht keine Sitzung, in der wir nicht über die wachsende Zahl hochaltriger Menschen diskutieren“, berichtet Ruth Sauerwein, Vorsitzende des Seniorenbeirates.

Schon in den 90er Jahren gab es in Hagen mehrere Versammlungen, die sich mit der Wohn- und Pflegesituation älterer Mitbürger beschäftigten. Ein Ergebnis dieses Prozesses war die Einrichtung der Wohn- und Pflegeberatung im Rathaus, deren Mitarbeiter mit allen Lebenslagen hochbetagter Menschen vertraut sind. In der Konferenz Alter und Pflege sind neben städtischen Politikern und Verwaltungsmitarbeitern auch Wohlfahrtsverbände, Altenheime, Pflegekassen und Wohnungsgenossenschaften vertreten. Sie entwickeln Konzepte für die Einbindung der Hochaltrigen in die Stadtgesellschaft.

Heim- und Pflegeplätze

Doch die Bereitstellung von Heim- und Pflegeplätzen ist nur die eine Seite der Medaille. „Auch sehr alte Menschen haben Potenziale, die es zu nutzen gilt“, betont Ruth Sauerwein. Da ist etwa Brunhilde Neumann, die mit ihren 93 Jahren beim Stadtsportbund Seniorentanzkurse gibt: „Die Schrittkombinationen zu lernen, ist ein hervorragendes Gedächtnistraining“, sagt die agile Rentnerin, die zudem in der St.-Josef-Gemeinde Altenhagen Sitztanz unterrichtet: „Auch das trägt zur Gesundheit bei.“

Auch Ursula Werkmüller (81) ist ein Beispiel dafür, dass man im Alter aktiv sein kann. Sie gibt zwar keine Kurse mehr, ist aber noch ehrenamtlich im TSV Hagen und im TV Hohenlimburg tätig. Wie man sich im Alter fit halten kann? „Mit Tanzen, Schwimmen, Yoga und Gymnastik“, empfiehlt sie.

Um jeden Cent ringen

Tatsächlich aber müssen auch Seniorenverbände hart um jeden Cent ringen, um ihr Angebot aufrechtzuerhalten. Derzeit liegt ein Antrag der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege in Hagen auf dem Tisch, die sich um den Erhalt der Altenbegegnungsstätten sorgen.

Die Arbeitsgemeinschaft (AG), der AWo, Caritas, Paritätischer Wohlfahrtsverband, DRK, Diakonie und Jüdische Gemeinde angehören, will die Förderung der acht Altenstuben in der Stadt um zwei Prozent pro Jahr erhöhen. „Wir denken, dass eine solche Steigerung zu verantworten ist“, so Mechthild Weickenmeier, Vorsitzende der AG.

Förderung seit 2004 nicht erhöht

Seit 2004 ist die Förderung der Begegnungsstätten nicht erhöht worden, die Stadt steuert jährlich 340 800 Euro bei. Frau Weickenmeier weist auf die Wichtigkeit der Einrichtungen hin, die für alte Menschen oft den einzigen sozialen Anlaufpunkt darstellen: „Gerade in einer Stadt wie Hagen, in der der Anteil der Älteren weiter ansteigt, sind nahe Begegnungsangebote für Senioren unverzichtbar.“

Auch ein Gratis-Busticket soll der alten Generation die Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglichen. Rentner, die bereit sind, ihren Führeschein abzugeben, erhalten im Gegenzug von der Straßenbahn AG für drei Monate ein Gratis-Ticket 1000 der Preisstufe A 2 (64,44 Euro im Monat).

Und die Freiwilligenzentrale hat die Initiative „Senioren helfen Senioren“ ins Leben gerufen. Hier können Seniorenhandwerker sich ehrenamtlich im Haushalt alter Mitbürger einbringen. Je höher der Anteil der Hochaltrigen wird, desto wichtiger sind solche Angebote.

>>> INTERVIEW Bürgermeister Fischer besucht Senioren

Wer in Hagen 100 oder älter wird, erhält Besuch von Bürgermeister Hans-Dieter Fischer. Der altgediente Politiker, inzwischen selbst 75 Jahre alt, gilt als idealer Repräsentant für solche Anlässe, da er Herzlichkeit verströmt und Respekt gegenüber der Lebensleistung alter Menschen zeigt. Er bringt eine Urkunde der Stadt und einen Blumenstrauß mit. Früher gab es auch ein Geldgeschenk in Höhe von 60 Euro, das jedoch im Zuge der Spardiskussion gestrichen wurde. Fischer will sich nun dafür einsetzen, dass dieser Brauch wieder aufgenommen wird.

Wie reagieren die Alten auf Ihren Besuch?

Hans-Dieter Fischer: Sie freuen sich sehr, nicht wenigen stehen Tränen in den Augen. Ich glaube, die Freude ist deshalb so groß, weil sie ja oft keine Angehörigen mehr haben. Selbst ihre Kinder haben sie überlebt. Da ist die Freude groß, dass die Stadt an sie denkt.

Worüber unterhalten Sie sich mit den Geburtstagskindern?

Fischer: Über die Gesundheit natürlich, wobei ich sagen muss, dass viele dieser sehr alten Menschen recht fit sind. Manchmal setze ich mich neben sie, halte ihre Hand und spreche ihnen direkt ins Ohr. Viele erzählen mir, wie es früher war in Hagen.

Wie lange dauert so ein Besuch?

Fischer: Ich nehme mir Zeit, obwohl ich mich nach einer halben Stunde wieder verabschiede, weil ich die alten Leute nicht überfordern möchte. Einmal ist eine alte Dame in meiner Gegenwart eingeschlafen. Ihr Betreuer wollte sie wecken, davon habe ich ihn abgehalten. Man muss den alten Menschen doch ihr Schlafbedürfnis gönnen.

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