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Rock am Ring - zwei Festival-Welten auf einem Gelände

Linkin Park war der Höhepunkt des ersten Festivaltags bei Rock am Ring.

Foto: Volkmar Kah

Linkin Park war der Höhepunkt des ersten Festivaltags bei Rock am Ring. Foto: Volkmar Kah

Nürburg.  Besucher vom Festival Rock am Ring am Nürburgring haben die Wahl zwischen zwei Bühnen: Der Hauptbühne und der Alternastage. In diesem Jahr ist die Bühne, die eine Alternative darstellen soll, aber mehr als das. Es ist die Bühne zu einem Parallel-Festival mit viel guter Stimmung.

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Ein Zwillingsfestival ist es ohnehin, seit vielen Jahren geht Rock am Ring eine Symbiose mit Rock im Park in Nürnberg ein. Die Sache mit dem Zwilling, sie muss im doppelten Wortsinn gelten. Denn Deutschlands größtes Festival ist im Begriff, sich zu teilen - im musikalischen, atmosphärischen Sinne. Diese Entwicklung ist besonders deutlich bei der 2012er-Auflage von Rock am Ring zu sehen. Besucher von Rock am Ring erleben zwei Festival-Welten auf einem Gelände.

Gut, viele wesentliche Neuerungen gibt es nicht bei Rock am Ring 2012. Wie gehabt steht die große Hauptbühne an der Zielgeraden, am anderen Ende die Alternastage. Die soll, wie der Name schon sagt, eine Alternative darstellen. Angesichts der Band-Besetzung in diesem Jahr ist es nicht nur eine Alternative, es ist die Bühne zu einem Parallel-Festival.

Alternastage rockt

Freitag Nachmittag. Die ersten Bands haben den Ring warmgerockt, entgegen der Wetterprognosen bleibt es trocken. Als die Hip-Hopper von Cyprus Hill die Bühne betreten, kommt sogar die Sonne heraus. Keine Frage, die Jungs aus L.A. machen einen guten Job und finden auch bei einem Festival, das mit Rock'n'Roll im Namen wirbt, genügend Fans. Das Areal vor der Bühne füllt sich.

Allerdings ist das kein Vergleich zu der Situation ein paar hundert Meter weiter. Vor der Alternastage ist es bereits brechend voll und mit Lamb of God wird das Gaspedal durchgetreten. Hardcore der sympathisch-aggressiven Sorte als Einstimmung für eine dreitägige Dauerbeschallung. Und genau so geht's weiter auf der alternativen Seite von Rock am Ring. Denn Killswitch Engage lassen ebenso Dampf ab, später auch Machine Head, noch später Evanescene, gefolgt von Motörhead.

Dazwischen, in den frühen Abendstunden, spielen die Guano Apes. Die Truppe um Sängerin Sandra Nasic hat nichts von ihrer faszinierenden Wirkung auf das Publikum verloren. Es ist ein großartiges Konzert, die Atmosphäre nahezu euphorisch. Zu diesem Zeitpunkt herrscht dichtes Gedränge vor der Bühne - gefühlt sind deutlich mehr Besucher vor der Alternatstage als noch vor ein paar Jahren. Ein Gefühl, das sich durch die zusätzlichen Wellenbrecher, die vor der Alterna aufgebaut worden sind, zu bestätigen scheint.

Andere Stimmung vor der Hauptbühne

Vor der großen Hauptbühne ist die Bewegungsfreiheit hingegen größer. Gossip spielen dort - doch die Bewegungsfreiheit bedeutet keineswegs, dass sie weniger Besucher anziehen. Nur ist eben mehr Platz vorhanden. Tatsächlich liegt es auch nicht zwingend an der Musik, dass ein Besucher sich plötzlich auf einem anderen Festival wähnt. Rock und massive, harte Töne sind selbstredend auch auf der Hauptbühne zu hören.

Das Publikum selbst spielt indes eine Rolle. Denn die Stimmung, obwohl auch hier durchaus ausgelassen, löst nicht diesen faszinierenden Kollektiv-Gedanken des Feierns und Zelebrierens der Musik aus. Darunter haben etwas später auch leider Soundgarten zu leiden. Den Helden der Grunge-Ära, erst seit kurzem wieder als Band vereint, gelingt es nicht, das gesamte Publikum vor der Hauptbühne mit ihrer in Härte verpackten Melancholie zu erreichen. Dabei haben Sänger Cris Cornell & co. Hits zu Hauf im Gepäck. Klassiker sind dabei, die ihre Wirkung auf Fans alles andere als verfehlen. Es ist ein denkwürdiges Konzert an diesem Freitagabend, die musikalischen Gefühle werden durch konsequente Schwarz-Weiß-Aufnahmen auf den beiden Großbildschirmen neben der Bühne noch verstärkt.

Besucher des Festivals sind jung

Doch der durchschnittliche Ring-Besucher ist jung. So jung, dass er Soundgarden vielleicht nur als Namen, als Impulsgeber für jüngere Bands kennt. Ihre Spuren haben Soundgarden mit Sicherheit auch bei Linkin Park hinterlassen - dem Höhepunkt des ersten Festival-Tags. Von Bewegungsfreiheit vor der Bühne kann nicht mehr die Rede sein, als die Vorreiter des Nu Metal am späten Freitagabend loslegen.

In der Zwischenzeit hat sich auch die Atmosphäre unter dem Publikum etwas verändert. Linken Park haben jede Menge Hits in ihrem Portfolio und geizen nicht damit. Sie hinterlassen deutliche Wirkung - und lassen eben dieses etwas vermisste Kollektiv-Gefühl vor der Hauptbühne aufleben.

Rund 80.000 Tickets hat der Veranstalter, die Marek-Lieberberg-Konzertagentur, im Vorfeld des Festivals verkauft. Schon Monate vor dem Termin waren alle Karten vergriffen. Für den Ansturm auf die Tickets hat wohl nicht nur der Bekanntheitsgrad des Festivals selbst gesorgt, sondern auch die Anzahl großer Bandnamen. Neben Linkin Park am Freitag spielen am heutigen Samstag Abend Metallica auf dem Nürburgring, am Sonntag endet das Festival mit dem lang erwarteten Jubiläums-Auftritt der Toten Hosen. Campino und seine Mannen werden bei Rock am Ring ihren 30. Bandgeburtstag feiern.

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