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Züge in der Werkstatt - Hitze macht der Bahn zu schaffen

Archivbild. Ein Zug der Linie S6 in „Doppel-Traktion“. Auf manchen Linien musste die Deutsche Bahn jüngst Züge kürzen - weil Fahrzeuge wegen defekter Klimaanlage in die Werkstatt mussten.

Archivbild. Ein Zug der Linie S6 in „Doppel-Traktion“. Auf manchen Linien musste die Deutsche Bahn jüngst Züge kürzen - weil Fahrzeuge wegen defekter Klimaanlage in die Werkstatt mussten.

Foto: Dagobert Ernst

Düsseldorf.  Auch am Donnerstag sind auf einigen S-Bahnlinien kurze Züge unterwegs. Folge der jüngsten Sahara-Hitze. Unternehmen sehen sich aber gut gerüstet.

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Die ‘Sahara-Hitze’ der vergangenen Tage hat bei Bahnunternehmen in NRW zu Ausfällen von Fahrzeugen geführt. Auf mehreren S-Bahnlinien an Rhein und Ruhr sind auch aktuell noch Züge kürzer sein als gewohnt - weil Fahrzeuge in der Werkstatt sind. Der Grund: Bei ihnen müssen Klimaanlagen repariert werden.

„Wir können nach und nach Entwarnung geben“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Donnerstag auf Nachfrage. Aber auch am Donnerstag waren auf einigen S-Bahnlinien „vereinzelt“ Züge statt in „Doppel-Traktion“ nur mit einem Zugteil auf der Strecke. Für Reisende hießt das, es gibt nur halb soviel Platz wie üblich.

DB-Werkstatt arbeitet „rund um die Uhr“

„Das ist natürlich nicht schön bei der Hitze“, räumt man bei der DB ein. „Rund um die Uhr“ werde in der zentralen S-Bahnwerkstatt in Essen an den Fahrzeugen gearbeitet, „damit sie schnell wieder im Einsatz sind“, erklärte der Sprecher. Insgesamt 84 S-Bahnzüge vom Typ ET 422 hat Bahn an Rhein und Ruhr im Einsatz. In wie vielen davon die Klimaanlagen durch die Hitze überlastet waren, mochte man bei der Bahn nicht sagen

„Seit Dienstagnachmittag, nachdem die Temperaturen teilweise bis auf 37 Grad angestiegen sind, gab es bis in die Abendstunden einige Zugausfälle, die unter anderem durch Ausfälle von Klimaanlagen in Zügen bedingt waren“, hieß es bei der Bahn. Mit Blick auf das kommende Wochenende sollen die Züge wieder auf der Strecke sein, sagte der Sprecher. Dann steht laut Meteorologen eine neue Hitze-Welle an.

Deutsche Bahn stellt sich auf noch heißere Sommer ein

Im Regionalzugverkehr der DB gab es laut Bahn nur sehr vereinzelt Probleme mit Klimaanlagen. Am Dienstag hatten zwei Regionalzüge mit gestörter Klimaanlage wegen einer Signalstörung in Düsseldorf in der prallen Sonne halten müssen. Vorsorglich hatte die DB-Leitstelle Rettungskräfte zum Düsseldorfer Flughafen-Bahnhof gerufen. Die Reisenden konnten die Züge dort aber selbständig verlassen. Verletzt wurde niemand. In den Fahrzeugen mit Doppelstock-Waggons würden die Klimaanlagen laut Bahn „sehr stabil laufen“, sagte der Sprecher. Waggons würden vom Zugpersonal gesperrt, sollte dort die Klimatisierung ausfallen, erklärte der Sprecher: „Jeder Waggon hat seine eigene Klimaanlage“.

Die Bahnunternehmen haben sich nach eigenen Angaben im Frühjahr besonders auf die Sommerhitze eingestellt: „Nach dem extrem heißen, trockenen Sommer 2018 wappnen wir uns seit Monaten organisatorisch, technisch und personell für mögliche neue Hitzeperioden“, teilte etwa die Bahn mit. Zumal davon auszugehen sei, „dass Temperaturen im Sommer noch extremer werden.“

Eurobahn reagiert bei Ausfall von Klimaanlage sofort

Beim Unternehmen Eurobahn, das an Rhein und Ruhr mehrere Regionalbahn- und Regionalexpresslinien betreibt, räumte eine Sprecherin in den vergangenen Tagen „Teil-Ausfälle auf Linien“ ein. Im Großen und Ganzen aber hätten sich die Probleme in Grenzen gehalten. „Alle vier bis sechs Wochen sind unsere Fahrzeuge zum Check in der Werkstatt“. Beim Ausfall von Klimaanlagen würden Züge unverzüglich repariert, müssten dazu aber stets in die Werkstatt. Folge für Reisende: „Auch bei uns werden Züge dann verkürzt“, sagte die Sprecherin.

Auf der Linie RE3 war das auch am Donnerstag der Fall, gab die Eurobahn bekannt, allerdings nicht wegen Klimaproblemen: „Wir mussten einen Zug aus dem Verkehr ziehen wegen Vandalismus“. Bei Bielefeld seinen Fahrzeuge mit Steinen beworfen und beschädigt worden.

Abellio NRW teilte auf Nachfrage mit, die Hitze habe „zu nicht mehr Ausfällen geführt als wir normalerweise haben“. Grund dafür kann aber auch sein, dass Abellio mit Blick auf die RRX-Linien und das Ende 2016 gestartete neue Niederrhein-Netz sehr junge Fahrzeuge hat.

Nordwestbahn hat Problem mit vereisten Klimaanlagen

„Klima-Anlagen in Zügen stoßen bei solch heißem Wetter an ihre Grenzen“, erklärte eine Sprecherin der Nordwestbahn: Vor allem weil ein Fahrgastraum nicht geschlossen sei, wie etwa ein Büro, sondern „weil sich immer wieder Türen öffnen und dann warme Luft in den Innenraum strömt“.

Bei der Nordwestbahn waren zwischen Montag und Mittwoch „vereinzelt“ Züge ausgefallen, wegen Problemen mit den Klimaanlagen, sagte die Sprecherin auf Nachfrage. Zudem seien Züge gekürzt worden, wenn Fahrzeuge kurzfristig aus dem Linienbetrieb gezogen werden mussten. Grund seien dabei vereiste Klimaanlagen gewesen, erklärte die Sprecherin. In die Werkstätt hätten die Fahrzeuge nicht gebracht werden müssen: „Um dieses Problem zu beheben, reicht eine Fahrt in die Waschanlage“, sagte die Sprecherin.

Am Düsseldorfer Flughafen hatte der Deutsche Wetterdienst am Dienstag mit 36,8 Grad die NRW-weit höchste Temperatur gemessen. Die Deutsche Bahn betonte, dass sie seit dem Start der jüngsten Hitzeperiode am vergangenen Wochenende die ersten zwei Tage „keine nennenswerten Probleme mit Klimaanlagen an Zügen“ hatte. Die Bahn wertete das durchaus als Erfolg. So hatte man im Frühjahr unter anderem die Fahrzeugwartung- und Überwachung nach eigenen Angaben deutlich verstärkt. (dae)

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