Schulwechsel

Wechsel zur weiterführenden Schule ist eine große Umstellung

Bryan Pfeifer lernt in seinem Zimmer in Bochum.

Bryan Pfeifer lernt in seinem Zimmer in Bochum.

Foto: Lukas Schulze

Bochum.   Rund 750.000 Kinder wechseln jedes Jahr nach Klasse vier auf eine weiterführende Schule. Für viele Familien bedeutet das eine große Umstellung.

Bryans Schicksal ist kein Einzelschicksal. Im Gegenteil. Jedes Jahr wechseln bundesweit rund 750.000 Jungen und Mädchen auf eine weiterführende Schule. Nichts Besonderes, Alltag eigentlich. Bryans Mutter nickt. „Aber trotzdem hat sich das Leben in unserer Familie durch diesen Schulwechsel ganz schön verändert“, sagt Susan Kuriewicz. Und dass nun 19 Mädchen, aber nur sieben Jungen in die Klasse des Elfjährigen gehen, regt Bryan zwar auf, ist aber das mit Abstand kleinste Problem.

Es beginnt schon mit dem Schulweg. Die Grundschule, sie liegt quasi um die Ecke im Bochumer Stadtteil Querenburg. So wie die Kindertagesstätte, in die der kleine Bruder Leo (5) noch geht. „Das war sehr bequem“, sagt Vater Johannes Kuriewicz. Vor allem wenn, wie in diesem Fall, beide Eltern berufstätig sind. Er als Großhandelskaufmann, der frühestens am späten Nachmittag zu Hause ist, sie als Steuerfachangestellte mit Feierabend um 15 Uhr, aber dem Arbeitsplatz in Dortmund. „Ein großer Stau und der Zeitplan ist hoffnungslos durcheinander“, weiß die 38-Jährige aus Erfahrung.

Mit dem Roller zur Bushaltestelle

Dabei ist Bryan nicht der erste aus der Familie, der auf eine weiterführende Schule gewechselt ist. Seit drei Jahren schon geht sein Bruder Anthony auf die Gesamtschule. „Aber die ist nicht ganz so weit weg wie das Gymnasium von Bryan“, erklärt seine Mutter. „Zehn Minuten, wenn man gemütlich geht“, sagt der 14-Jährige. Der Neu-Pennäler dagegen greift seit dem neuen Schuljahr jeden Morgen um kurz nach sieben zu seinem Roller, fährt damit zur Bushaltestelle und von da aus weiter zum Gymnasium. Nicht ideal, aber es hätte noch schlimmer kommen können. „Er hätte auch einen Platz in Wattenscheid kriegen können“, erzählt Vater Johannes. „Das wäre dann richtig weit weg gewesen.“

Bryan zählt zum ersten Jahrgang seiner Schule, der wieder nach 13 Jahren Abitur macht. Deshalb muss er in den ersten Jahren wahrscheinlich nicht mit besonders viel Unterricht am Nachmittag rechnen. „Wir sind sehr froh, dass Bryan auf ein G9-Gymnasium geht“, sagt Susan Kuriewicz. Lang sind die Tage des Jungen dennoch. Nach dem Mittagessen geht Bryan in die OGS, die Offene Ganztagsschule. Bis 15 Uhr, zumindest aber, bis er seine Hausaufgaben erledigt hat. Sein älterer Bruder ist dreimal in der Woche noch länger unterwegs, dann geht die Gesamtschule bis 16 Uhr.

Wenig Zeit für Hobbys und spontane Treffen mit Freunden

Feierabend ist dann längst noch nicht. Denn beide machen Sport im Verein. Der Große spielt Basketball, der Kleine kickt. „Irgendeiner hat immer Training“, weiß Anthony. An langen Schultagen kann es dann zeitlich schon mal eng werden, obwohl die Vereine die Trainingszeiten schon nach hinten geschoben haben. „Zum Glück sind die Jungen sehr selbstständig“, lobt ihr Vater. Kurz geht es nach Hause, wo Schul- gegen Sporttasche getauscht wird, und dann schon wieder los. Anthony ist manchmal erst gegen 20.30 Uhr wieder zu Hause. „Und ziemlich kaputt.“

Für andere Hobbys oder spontane Treffen mit Freunden bleibt da wenig Gelegenheit. Zum Glück gibt es ja das Internet. „Die Jungs regeln viel über WhatsApp“, weiß Susan. Oder beim Chatten, während gemeinsam online gezockt wird, wie Anthony einräumt.

Sport und Lernen – auch am Wochenende ist nicht viel Zeit

Auch das Wochenende ist verplant. Fußballspiele am Samstag, Korbjagd am Sonntag. „Wir sind eigentlich immer unterwegs“, sagt Johannes Kuriewicz. Und wenn mal Zeit ist, dann setzt sich Susan hin mit Bryan. Mathe üben, Vokabeln abfragen. Begeistert ist der Junge nicht, aber: „So nebenbei wie die Grundschule lässt sich das Gymnasium eben nicht absolvieren“, sagt seine Mutter. Sie hat das schon bei der Begrüßung zu Schuljahresbeginn gemerkt. Wo der Direktor sie alle willkommen geheißen, aber auch klargestellt hat, was alle Gymnasial-Direktoren bei dieser Gelegenheit klar stellen: dass man keinem Kind hinterherlaufen, sich nicht um jedes Problem kümmern könne.

„An der Gesamtschule war der Start irgendwie sanfter“, erinnert sich die Bochumerin. Aber auch für Anthony weht mittlerweile ein anderer Wind. In Klasse 8 werden die Ergänzungskurse immer wichtiger, die für die Qualifikation zum Abitur wichtig sind. „Da werden die Weichen für die Zukunft gestellt“, erklärt Susan. Deshalb sitzt Anthony oft nicht weit weg, wenn seine Mutter mit seinem Bruder übt. Auch er muss mehr lernen. „Die Anforderungen sind höher geworden“, hat Susan festgestellt und ihre Kinder nicken. Die Mutter lächelt. „Besonders für die Eltern.“

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