Extinction Rebellion

Warum sich die „Ruhrgebietsrebellen“ fürs Klima tot stellen

Beim „Die-In“ legen sich die Demonstranten auf den Boden und stellen sich tot. Die Ruhrgebietsgruppe von Extinction Rebellion hat dies bisher zwei Mal auf dem Westenhellweg in  

Beim „Die-In“ legen sich die Demonstranten auf den Boden und stellen sich tot. Die Ruhrgebietsgruppe von Extinction Rebellion hat dies bisher zwei Mal auf dem Westenhellweg in  

Foto: Privat

Dortmund.   Noch ist der Dortmunder Ableger der weltweiten Protest-Gruppe „Extinction Rebellion“ klein. Bisher gab es zwei „Die-Ins“ in der Innenstadt.

Iris Simmler kennt den Asphalt der Einkaufsstraße Westenhellweg in Dortmund mittlerweile gut. Schon zwei Mal hat sich die 39-Jährige mit der Ruhrgebiets-Gruppe der Bewegung „Extinction Rebellion“ (Rebellion gegen die Auslöschung) zu einem sogenannten „Die-In“ getroffen. Dabei legt man sich an zentralen Orten auf den Boden – als wäre man tot. Die Gruppe will damit auf den Klimawandel aufmerksam machen.

Ursprünglich stammt die Bewegung aus Großbritannien. Dort engagieren sich Tausende für den Klimaschutz, blockieren Straßen und Brücken oder protestieren nackt im britischen Parlament. Auch für den Ruhrgebiets-Ableger sieht Iris Simmler eine ähnliche Zukunft. „Der Blick geht nach Großbritannien. Da kann man schon sehen, wo es hingehen soll“, sagt sie. Bisher steht „Extinction Rebellion“ – zumindest im Ruhrgebiet – noch in den Startlöchern.

Unterschiedliche Reaktionen auf den Protest

Etwa 30 Mitglieder treffen sich regelmäßig, so Simmler, im Langen August, einem Kulturzentrum in der Nordstadt. Im Januar diesen Jahres wurde die Gruppe gegründet. Beim ersten „Die-In“ seien rund 15 Leute dabei gewesen. Eine knappe Viertelstunde haben sich die „Ruhrgebietsrebellen“ auf den Westenhellweg gelegt.

Klimaschützer nehmen Finanzviertel ins Visier

Die Gruppe „Extinction Rebellion” sorgte am vorerst letzten Aktionstag in London für Unterbrechungen im Londoner Finanzviertel. Demonstranten blockierten einen Zug und den Eingang der Börse.
Klimaschützer nehmen Finanzviertel ins Visier

„Um uns herum hat sich alles gestaut, die Leute sind mit den Blicken hängen geblieben“, erinnert sich Iris Simmler. Teilweise habe es Zustimmung für die Aktion gegeben, manchmal aber auch andere Äußerungen. Simmler erinnert sich, dass ein paar Leute sich regelrecht mit Aufträgen an die Gruppe gewendet haben. „Macht doch lieber etwas anderes“, hat sie bei der Aktion öfters vernommen – zum Beispiel für den Vogelschutz oder anderen umweltpolitischen Angelegenheiten.

Beim zweiten „Die-In“ schreitet die Polizei ein

Susanne Edgington war ebenfalls bei den Protesten anwesend. Auch sie spricht von sowohl positiven als auch negativen Reaktionen auf die „Die-Ins“. „Schon wieder Weltverbesserer“, hat sie unter anderem auf den Boden des Westenhellwegs gehört. Einige Passanten sollen auch mit ihrem Handy Fotos von der Aktion geschossen haben. Zudem habe sie viel Desinteresse bemerkt. Dies sei aber genau der Grund, warum die 59-Jährige bei Extinction Rebellion mitmacht. „Ich möchte Aufmerksamkeit und Bereitschaft zum Wandel erreichen. Es ist wichtig, ein Bewusstsein zu schaffen“, erklärt sie.

Beim zweiten „Die-In“ im April sollte die Dortmunder Gruppe eigentlich 20 Minuten den Westenhellweg vor der Buchhandlung Mayersche blockieren. Nach gut zehn Minuten wurde der Liege-Protest aber durch die Polizei unterbrochen. Da die Versammlung nicht angemeldet war, mussten die „Ruhrgebietsrebellen“ das Feld räumen und leisteten, das bestätigt die Polizei, keinen Widerstand. „Das war ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz“, sagt Polizeipresssprecherin Nina Vogt. Die Personalien der Demonstranten wurden aufgenommen. Die Polizei spricht von fünf Teilnehmern, laut Iris Simmler sollen rund 10 Teilnehmer dabei gewesen sein.

Ableger in Bochum und Essen geplant

„Die Situation ist so dringlich, dass man Strafen eigentlich in Kauf nimmt. Das ist aber noch nicht vorgefallen“, erklärt Iris Simmler. Respekt gegenüber der Polizei gehöre ihrer Meinung nach zu den Protesten dazu. „Wir richten uns an die Mitte der Gesellschaft und nicht an das typisch linke Publikum“, sagt sie.

Die Bewegung Extinction Rebellion soll noch wachsen. Und das werde sie auch, davon ist Iris Simmler überzeugt. Neben der Dortmunder Gruppe sollen auch bald Ableger in Bochum und Essen entstehen. Bisher ist aber noch nicht klar, wann und wie dies geschehen soll.

Bisher reicht die Mitgliederzahl für „Die-Ins“, Simmler möchte aber auch Straßen blockieren – durch sogenannte Swarmings. Menschenmengen stellen sich strategisch auf, um Straßen zu blockieren und den Verkehr zu behindern. Alles, um auf die Dringlichkeit des Klimawandels aufmerksam zu machen. „Ich möchte später nicht sagen wollen: Ich habe nichts gemacht“, begründet Simmler ihren Protest.

>>>Info: Rebellion gegen die Auslöschung

  • Die international aktive Protestbewegung Extinction Rebellion (Rebellion gegen die Auslöschung) hat ihre Ursprünge in Großbritannien und wurde 2015 gegründet.
  • In Deutschland existieren mehr als 30 Ortsgruppen. In Berlin blockierten Mitglieder der Gruppe die Oberbaumbrücke, in Frankfurt hielten Demonstranten den Verkehr auf und blockierten mit „Flashmobs“ für kurze Zeit die Straßen.
  • Drei Forderungen stehen im Mittelpunkt der Bewegung: 1. Die Regierungen legen die Wahrheit über die tödliche Bedrohung durch die ökologische Krise offen und revidieren alle Gesetze, die ihrer Bewältigung entgegenstehen.
  • 2. Die anthropogenen Emissionen von Treibhausgasen werden über alle Sektoren hinweg bis 2025 auf Netto-Null reduziert. Der ökologische Raubbau wird mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln eingedämmt und – wenn möglich – wieder rückgängig gemacht.
  • 3. Die Regierungen rufen Bürgerversammlungen ein, die auf Basis partizipatorischer Demokratie ausarbeiten, wie die oben genannten Ziele verwirklicht werden.

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