Für den guten Zweck

Unterwegs im (L)Auftrag des Herren: Pater Tobias

Siegerpose: Marathon-Pater Tobias in seinem Element.

Siegerpose: Marathon-Pater Tobias in seinem Element.

Foto: privat

Duisburg.  Er ist der Marathon-Mann in Ordenstracht: Pater Tobias aus Duisburg läuft für die Kinder der Welt – Sonntag startet er im italienischen Ravenna.

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Bei einem Jubilee-Club denkt man eher an Cheerleaderinnen als an Ausdauersport und bestimmt nicht an einen Geistlichen. Und doch gehört der Duisburger Pater Tobias zu den Auserwählten – weil er mehr als zehn Mal den Berlin-Marathon absolviert hat. Und viele andere Langstrecken-Rennen mehr, insgesamt über 80. Der 56-Jährige läuft und läuft und läuft für den guten Zweck. Auch Sonntag wieder, im italienischen Ravenna. Da bekommt das gerade zum Advent hin oft strapazierte Wort „Spenden-Marathon“ seinen ursprünglichen Sinn zurück.

1 Euro für jeden Kilometer kann man dem Pater mit auf den Weg geben, „gerne mehr“, dafür macht er sich zehn Mal im Jahr auf die 42,195 Kilometer Distanz, dazu kommt immer eine Extremstrecke – die lohnt sich natürlich noch mehr. Für wen? Pater Tobias, mit bürgerlichem Namen Tobias Breer, im Gespräch mit unserer Sonntagszeitung: „Kleidung, Heizung, Nahrung, Schulmaterial. Bei den Hilfsprojekten geht es auch um Bildung. Die Bedürftigen sind benachteiligt genug.“ Menschen, die in Zelt-Camps leben im Libanon. „Kinder, die im Winter erfrieren.“

Die Bedürftigen sind auch die Flüchtlinge und sie kamen im Jahr 2015. Selbst wenn sie zunächst in der Turnhalle lebten, war darin nicht an Sport zu denken. Also nahm Pater Tobias die jungen Männer an die Hand und die Beine unter die Arme.

Mit einem „Zehner“ rund um den Innenhafen hat es angefangen, im Oman durch die Wüste ging es irgendwann weiter und noch lange ist kein Ziel in Sicht. Pater Tobias, Seelsorger in einer Gemeinde von 5000 Katholiken: „Aus dem Sport hat sich etwas ergeben, damit kann man Begeisterung entfachen und Leute mitreißen.“ Seine erste Laufgruppe für Flüchtlinge bekam den Integrationspreis, auch den Engagementpreis.

„Das ist eine Erfolgsgeschichte“

„Das ist eine Erfolgsgeschichte“, sagt der Duisburger, und meint auch das eigene Restaurant seiner syrischen Schützlinge. „Sham“ heißt es, was Damaskus meint, „die leuchtende Stadt“, und im Norden Duisburgs liegt, wo die Sonne wahrlich nicht jedermann aus allen Poren scheint. Es entstanden richtige Arbeitsplätze um Küchenchef Yamen Kadour – in seiner Heimat war er Jurist, hier serviert er freitags und samstags abends Spezialitäten wie Tabouleh oder Maklube. Werktäglich bekommen Alleinstehende, Rentner und Hartzer im Hilfsprojekt „Lebens-Wert“ Speisen, auch Obdachlose besuchen das „Café offener Treff mit Herz“.

Das gefällt nicht jedem und es überrascht kaum, dass in besagtem Stadtteil Neumühl die AfD über 30 Prozent der Wähler auf sich vereinigt. „Wir arbeiten dagegen“, sagt Pater Tobias. Und muss doch zugeben, manchmal Angst um seine dunkelhäutigen Mitstreiter zu haben. Wie in Halle, ausgerechnet Halle, als die Streckenführung genau auf den von einem Kerzenmeer beschienenen Tatort des Anschlags auf die Synagoge führte. Was Mut macht, die wärmende Herzlichkeit der Bürger: „Die helle Seite von Halle.“

Das Handy läuft immer mit

Mal etwas gottesfürchtig gefragt: Erscheint einem eigentlich irgendwann während eines solch anstrengenden Unterfangens wie einem Ultratrail (72 km) so eine Art göttliche Erleuchtung? Da lacht der Pater, der früh seine Mutter und vorübergehend seinen Glauben verloren hatte: „Das sind für mich die leuchtenden Kinderaugen, die ich immer vor mir sehe, für die wir das doch alles tun. Das Geld geht hundertprozentig in meine Kinder. Und glauben Sie mir, wenn man weiß, wofür man rennt, dann gehen die Schmerzen weg.“ Stets mit auf der Strecke: das Handy – um ja immer für seine Schäfchen auf Empfang zu sein.

Als praktischen Tipp gibt er Hobbyläufern noch auf den Weg, „immer in kleinen Etappen denken“. Doch wie hält er sich selbst fit für dieses intensive Pensum, bei dem er sich tatsächlich täglich (!) seine 30 Kilometer abverlangt? „Gute Ernährung ist ganz wichtig.“ Der Mann weiß, wovon er spricht, wenn er die Ordenstracht gegen Funktionskleidung tauscht: Als der Mentalcoach und Ernährungsberater bei einem Seminar den Führungskräften empfahl, mal abzunehmen, um dynamischer zu werden und wirken, das war mit 43 Jahren, da wog er selbst 92 Kilo und packte sich an die eigene Nase. Heute sind es noch athletische 77.

Ein Pro-Tipp vom Ausdauer-Ass: „Langsam abgehen lassen – Power machen, das geht nur aufs Herz.“ Um die vier Stunden ist seine Zeit; bei den 300 Kilometern von Dubai, die der Prediger im (L)Auftrag des Herrn für Dezember 2020 anpeilt, kann es schon mal etwas länger dauern: sechs Tage brennend heißer Wüstensand! Aserbaidschan, Armenien, Georgien schafft man auch in drei Tagen. Berlin, Halle und Toronto lautete das Oktober-Programm.

Die Sinnfrage stellt sich nicht. Pater Tobias: „Je spektakulärer die Herausforderungen, desto höher sind die Spenden.“ Ganz nach dem Motto des Gottesmanns: Jeder Kilometer hilft helfen. Und Humor kann auch nicht schaden: „Jesus ist 40 Tage durch die Wüste gelaufen, da werde ich wohl sechs Tage aushalten...“

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Spendenmarathon

Jedes dritte Kind in Duisburg ist langfristig von Armut bedroht. Ferienfreizeiten und Schwimmkurse sind für viele einfach nicht bezahlbar. Angebote wie eine Kinderlernküche sind interkulturell und unabhängig von Herkunft oder Religion. KiPa-cash-4-kids gehört zum Projekt LebensWert. Und hier geht’s direkt zur Kinderpatenschaft für Duisburg und für die ganze Welt.

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