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„R2 Builders Club“: Warum Bochumer Star-Wars-Roboter bauen

Andreas Zveglic, Carsten Wirtz, Marcus Enk, Charlotte Zveglic, Bernd Pentrop und Thorsten Hundsdörfer bauen Droiden aus den Star-Wars-Filmen nach. Der bekannteste ist R2-D2.

Andreas Zveglic, Carsten Wirtz, Marcus Enk, Charlotte Zveglic, Bernd Pentrop und Thorsten Hundsdörfer bauen Droiden aus den Star-Wars-Filmen nach. Der bekannteste ist R2-D2.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Von wegen Made in Hollywood. Die schönsten Star-Wars-Droiden kommen mittlerweile aus dem Ruhrgebiet.

Natürlich weiß Bernd Pentrop (48) noch, wie und wo das alles angefangen hat. Jeder, der an diesem Abend an diesem Tisch in einem Bochumer Restaurant sitzt, weiß das noch. Vor einer langen Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis. Beim Krieg der Sterne, bei Star Wars. Im Kino sind sie dort zu Besuch gewesen oder vor dem heimischen Fernseher. Und dann wollten sie ein Stück vom Weltraum haben. Nicht irgendeines, sondern einen Roboter. So ist er entstanden, der „R2 Builders Club“, der sich nun einmal im Monat in wechselnder Besetzung zwecks Erfahrungsaustauschs zum Stammtisch im Ruhrgebiet trifft. Und der das Motto hat: „Bau dir einen Droiden“.

„Ist das schwierig“, fragt man und in der Runde wird gelächelt. Früher schwieriger als heute, erfährt man dann. Weil Star-Wars-Erfinder George Lucas die Baupläne und Skizzen der Roboter hütete, wie Coca Cola das Rezept für die schwarze Brause. Erst im Laufe der Jahre konnten Fans vernünftige Fotos machen, manchmal sogar nachmessen. „Es ist aber trotzdem noch immer nicht ganz einfach“, sagt Pentrop.

„Man muss sich erst einmal in die Thematik einlesen“

„Man muss sich erst einmal in die Thematik einlesen“, sagt Thorsten Hundsdörfer, der seit Oktober vergangenen Jahres im Club ist. Nicht ein paar Stunden oder Tage, sondern „Monate“. Das geht am besten im Internet. Weltweit, schätzt Pentrop, gibt es etwa 4000 Menschen, die einen großen Teil ihrer Freizeit damit verbringen, Droiden aus dem Star-Wars-Universum nachzubauen und auch darüber schreiben – in Deutschland auf der Seite www.astromech.de im Internet.

Rund 20 verschiedene Modelle sind in den Filmen aufgetaucht. Liebling der Fans ist R2-D2, „aber alle anderen werden auch gebaut“. Selbst den neuen Roboter, der bislang nur für Bruchteile einer Sekunde im Trailer zum im Dezember startenden neunten Teil zu sehen ist, haben Fans aus der weltweiten Interessengemeinschaft nachgebaut. Was er kann, weiß noch niemand. „Aber er sieht aus wie eine alte Nachttischlampe auf einem Reifen“, sagt Andreas Zveglic (44) aus Bottrop. Ehefrau Charlotte, auch Star-Wars-Fan, erinnert er an „einen Föhn“.

Nur fliegen kann der Roboter bisher noch nicht

Dann doch lieber R2-D2. Jeder am Tisch hat ein über einen Meter großes Exemplar zu Hause oder baut zumindest daran. Meistens bleibt es dann auch bei einem. Nicht nur, weil bis zur Fertigstellung bis zu drei Jahre vergehen können. So ein Droide für zu Hause ist auch nicht ganz billig. „Irgendwo zwischen 10.000 und 20.000 Euro“, sagt Pentrop. Es gibt nämlich keinen Bausatz. Die meisten Teile müssen gefräst oder gegossen werden. Ganz zu schweigen von all den Steuerungssystemen für Fahrwerk und diversen Klappen. Gut 1000 Stunden hat Pentrop an seinem Exemplar gesessen – obwohl er als alter Modellbauer geschickte Hände hat. Aber er hat seinen R2-D2 gemeinsam mit seinem Sohn gebaut. „Ich habe jede Sekunde genossen.“

Drei Motoren hat sein Droide und 20 sogenannte Servos. Er ist bis zu 25 Stundenkilometer schnell, kann sogar ein Laserschwert führen. „Nur fliegen kann er nicht“, sagt Pentrop. Aber wie er das sagt, klingt das wie „noch nicht“. Auch wenn 100 Kilo in die Luft steigen müssten.

„So ein Droide wird ja nie fertig“

Mehrmals im Jahr fahren die Tüftler auf Messen oder Fan-Treffen, wo das Gedränge rund um ihren Stand meist schnell am größten ist. Vor allem Kinder sind begeistert von dem Blechkameraden, der so herrlich blinkt und aufgeregt piept. „Sie sehen ihn nicht gar nicht als Roboter, sondern als Charakter“, hat Markus Enk (43), Ingenieur aus Mettmann, immer wieder festgestellt. Minutenlang reden sie mit ihm. „Und immer wieder kommt es vor, dass sie ihn auch füttern wollen.“

Zu Hause werden die Blechkameraden dann wieder auf Vordermann gebracht oder verbessert. „So ein Droide wird ja nie fertig“, sagt Pentrop.

Und dann gibt es auch noch anderes aus fernen Galaxien. Pentrop hat noch einen lebensgroßen „Chewbacca“ im Wohnzimmer stehen – „teilweise selbstgeknüpft“. Enk holt zu Fan-Treffen immer wieder mal die Stormtrooper-Uniform aus dem Schrank und Stammtischmitglied Carsten Wirtz (43), Ingenieur aus Krefeld hat sogar einen „X-Wing“, also ein Raumschiff in Originalgröße, in der Garage stehen. „Aber nicht zusammengebaut.“

Kinder können Fertigstellung kaum erwarten

Längst hat sich das Können der Droiden-Baugemeinschaft bis nach Hollywood herumgesprochen. Für den neuen Film hat ein Astrotech-Mitglied aus England den Roboter gebaut. „Bei uns haben sie auch nachgefragt“, erzählt Pentrop.

Auch Neuling Thorsten Hundsdörfer hat bereits Nachfragen. Noch nicht aus Hollywood aber zu Hause. Was nicht weniger wichtig ist, „Jeden Tag“, erzählt er und lacht, „wollen meine Kinder wissen, wann der Roboter endlich fertig ist. “

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