„Hawala-Banking“

Reul: Geldschieber überwiesen 212 Millionen ins Ausland

Polizisten beim Einsatz am Dienstag vor einem Juweliergeschäft auf der Weseler Straße in Duisburg. Bei einer bundesweiten Razzia gingen das Landeskriminalamt, die Staatsanwaltschaft Düsseldorf und die Polizei gegen international agierende Geldschieber vor.

Polizisten beim Einsatz am Dienstag vor einem Juweliergeschäft auf der Weseler Straße in Duisburg. Bei einer bundesweiten Razzia gingen das Landeskriminalamt, die Staatsanwaltschaft Düsseldorf und die Polizei gegen international agierende Geldschieber vor.

Foto: Stefan Arend / FUNKE Foto Services

Düsseldorf/Duisburg.  212 Millionen Euro soll eine Gruppe Geldschieber ins Ausland überwiesen haben. NRW-Innenminister Herbert Reul gab im Ausschuss Details bekannt.

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Eine kriminelle Vereinigung mutmaßlicher Geldschieber soll über Monate Geldsummen in Höhe von 212 Millionen Euro illegal ins Ausland überwiesen haben. Nach Angaben von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) wurden sieben Haftbefehle vollstreckt. Der Drahtzieher und Hauptverdächtige kommt nach Informationen der Süddeutschen Zeitung aus Duisburg.

Zunächst hieß es, dass sich der Innenminister erst am Mittwochnachmittag gemeinsam mit NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) im Detail zu den Ermittlungsergebnissen äußern wolle. Reul verriet jedoch bereits am Mittag im Innenausschuss des Landtages, dass es sich um Vermögenswerte in Höhe von 212 Millionen Euro handle. Bei dem quer durch Europa transferierten Geld handelt es sich mutmaßlich um illegal erworbenes Vermögen.

Geldschieber brachten täglich bis zu einer Million Euro ins Ausland

Die Ermittler hätten bereits Vermögenswerte von 5,3 Millionen Euro in Form von Bargeld, Gold und Edelmetallen beschlagnahmt. Edelsteine und Schmuck mit Wert in vergleichbarer Millionenhöhe seien ebenfalls sichergestellt worden. „Das ist aber nur eine Zwischenbilanz, denn es wurden auch Tresore mitgenommen, die noch geöffnet werden müssen“, so Reul.

Allein bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf liefen bereits Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs in Zusammenhang mit dem Handel wertloser Aktien gegen 51 Beschuldigte, sagte Reul im Innenausschuss des NRW-Landtags. Der tägliche Umsatz läge zwischen 700.000 und einer einer Million Euro.

Zeitgleich laufe noch eine zweite Ermittlung wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Eine Tätergruppe stehe im Verdacht, ein organisiertes und gewerbsmäßiges Geldwäsche- und Hawala-Bankingsystem betrieben zu haben. Dabei soll unter anderem ein Netzwerk kooperierender Juweliergeschäfte genutzt worden sein, das vom Ruhrgebiet über den Mannheimer Raum bis nach Rotterdam reiche.

Razzia wegen „Hawala-Banking“: Duisburg im Fokus

Bei der Razzia war die Polizei am Dienstag in mehreren Bundesländern im Einsatz. Wie der Minister weiter mitteilte, seien in Deutschland und dem europäischen Ausland insgesamt 105 Objekte durchsucht worden. Davon befänden sich 50 in Nordrhein-Westfalen.

So wurden neben Privatwohnungen auch Juweliergeschäfte und Metallfirmen durchsucht worden. In Duisburg standen Juweliergeschäfte in Marxloh im Fokus der Ermittler. Durchsuchungen gab es laut LKA auch in Hessen, Hamburg, Berlin, Baden-Württemberg und in den Niederlanden.

Die Gruppe machte sich das so genannte Hawala-Banking zunutze. Dabei wird Geld am legalen Bankensystem vorbei in andere Staaten transferiert. Im vorliegenden Fall sei das mutmaßlich illegal erworbene Vermögen über Zypern, die Türkei, Dubai und Polen geschleust worden und zum Teil über das „Hawala-Banking“ wieder in Deutschland angekommen.

„Mit dem Hawala-System kann Geld schnell, vertraulich und sehr kostengünstig transferiert werden“, erklärte Reul. In Deutschland sei das ohne Genehmigung strafbar. Das weltweit eingesetzte, informelle Überweisungssystem habe seine Wurzeln in der frühmittelalterlichen Handelsgesellschaft des vorderen und mittleren Orients. „Es ist nicht Teil des islamischen Bankwesens“, sagte Reul. Aus dem Arabischen kann „Hawala“ mit „Wechseln, Überweisen“ übersetzt werden. (red/dpa)

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