Missbrauchsfall

Polizei begleitet Abrissarbeiten auf Campingplatz in Lügde

Ein Kinderauto liegt unter dem Trümmern vor der zum Teil bereits abgerissenen Parzelle des mutmaßlichen Täters auf dem Campingplatz Eichwald im Ortsteil Elbrinxen.

Ein Kinderauto liegt unter dem Trümmern vor der zum Teil bereits abgerissenen Parzelle des mutmaßlichen Täters auf dem Campingplatz Eichwald im Ortsteil Elbrinxen.

Foto: Guido Kirchner

Lügde.   Die Polizei überwacht am Donnerstag die Abrissarbeiten auf einer Campingplatz-Parzelle nach dem Missbrauchsfall in Lügde.

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Die Abrissarbeiten im Missbrauchsfall auf einem Campingplatz in Lügde gehen unter der Aufsicht der Polizei weiter. Am Donnerstag wurde in Absprache mit den Angehörigen des zweiten Hauptbeschuldigten dessen Behausung geräumt, wie die Bielefelder Polizei mitteilte: «Die Polizei ist bei dem Abriss aus gefahrenabwehrenden Gründen vor Ort, um Gegenstände aus dem Besitz des Beschuldigten nicht in falsche Hände geraten zu lassen.» Die Arbeiten sollten noch am Donnerstag abgeschlossen werden.

SPD und Grüne im Düsseldorfer Landtag hatten am Wochenende Kritik und Rücktrittsforderungen in Richtung von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) geäußert. Nach dem Fund von weiteren Datenträgern bei Abrissarbeiten in der vergangenen Woche auf der Parzelle des Hauptbeschuldigten warfen die Oppositionsparteien Reul vor, die Lage nicht im Griff zu haben. Auch die Gewerkschaft der Polizei hatte hinterfragt, warum die Polizei die Abrissarbeiten bislang nicht begleitet hatte.

Letzte Funde besitzen keine Relevanz

Nach den erneuten Funden von Datenträgern auf einem Campingplatz bei Lügde hat die Staatsanwaltschaft Detmold Kritik an der Ermittlungsarbeit zurückgewiesen. Sämtliche dieser Funde seien als nicht beweiserheblich für das Verfahren um massenhaften Kindesmissbrauch einzustufen, teilte Oberstaatsanwalt Ralf Vetter am Mittwoch mit.

«Die letzten Funde überwiegend veralteter Datenträger ungeklärter Herkunft besitzen keinerlei Relevanz und haben das Ermittlungsverfahren auch in keiner Weise gefördert», heißt es in der Stellungnahme, und: «Nach wie vor gilt jedoch die Einschätzung, dass die vorhandenen Beweismittel für eine Überführung der Täter ausreichen werden.»

40 Opfer wurden vermittelt

Auf dem Campingplatz in Lügde soll ein 56-jähriger Dauercamper mit einem Komplizen (33) über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Die beiden Verdächtigen sowie ein 48-Jähriger aus dem niedersächsischen Stade sitzen in Untersuchungshaft. Bislang wurden 40 Opfer ermittelt. Nach dpa-Informationen stammen alle Kinder aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Dazu kommen noch 12 Verdachtsfälle.

Sichergestellt wurden bei wiederholten Durchsuchungen Festplatten und andere Datenträger mit rund 3,3 Millionen Bildern und fast 86 300 Videos. 155 CDs und DVDs waren dann aus der Obhut der Polizei verschwunden, woraufhin die Staatsanwaltschaft Detmold ein Strafverfahren gegen unbekannt eingeleitet hatte. Bei Abrissarbeiten auf dem Campingplatz in der vergangenen Woche wurden erneut Datenträger gefunden. (dpa)

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