Interview

Kriminalbeamte: Nationalität von Straftätern offen nennen

Sebastian Fiedler ist stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK))und Landeschef dieser Polizeigewerkschaft in NRW.

Sebastian Fiedler ist stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK))und Landeschef dieser Polizeigewerkschaft in NRW.

Foto: imago/Müller-Stauffenberg

Düsseldorf.   Der NRW-Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedler, setzt sich für Transparenz im Sprachgebrauch ein.

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Der NRW-Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler, fordert angesichts der Ereignisse in der Silvesternacht in Köln und der Banden-Kriminalität in Düsseldorf, in Polizeimeldungen die Herkunft von Tatverdächtigen klarer zu benennen. Sein Stellvertreter Oliver Huth kennt die Probleme mit nordafrikanischen Banden. Er arbeitet beim Landeskriminalamtin Düsseldorf.

Herr Fiedler, in Polizeibehörden, aber auch und unter Journalisten wird nach den Übergriffen in Köln diskutiert, ob man die Nationalität von Tatverdächtigen häufiger oder sogar immer nennen sollte. Wie stehen Sie dazu?

Sebastian Fiedler: Die Leitlinien der NRW-Polizei zum Schutz nationaler Minderheiten vor Diskriminierung ähneln sehr dem Pressekodex. Wir sollten aber darüber neu diskutieren. Ich plädiere hier intensiv für einen anderen Sprachgebrauch.

Warum?

Sebastian Fiedler: Die Frage nach der Nationalität von Tatverdächtigen ist in doppelter Hinsicht wichtig. Einmal für die Polizei. Denn wenn wir wissen und darüber reden, woher die Täter kommen, können wir besser klären, wie Taten zustande kommen.

Es geht um mehr Transparenz

Für wen ist die Nennung der Nationalität noch wichtig?

Sebastian Fiedler: Für die Öffentlichkeit. Wenn wir den Bürgern offen sagen, wer welche Taten begeht, kann niemand argumentieren, dass man ihm etwas vorspiele. Außerdem: Wenn wir, aufgehängt am Fall Köln, darauf hinweisen, dass offenbar viele der Verdächtigen Nordafrikaner sind, dann heißt das ja, dass es nicht Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak sind, die uns solche Probleme bereiten. Das ist sehr wichtig, damit Flüchtlinge nicht pauschal verurteilt werden. Ich glaube auch, dass die aktuellen Zuwanderer aus Marokko oder Tunesien im engeren Sinne gar keine Flüchtlinge sind. Jedenfalls unsere Täterklientel mit dieser Herkunft flieht nicht vor politischer Verfolgung oder gar Bürgerkrieg.

Herr Huth, was sind das für Täter?

Oliver Huth: Oft sind es junge Leute, die schon in ihren Heimatländern zur Unterschicht gehörten. Sie haben kaum Schulbildung, häufig auch keine Familienbindung und wenig moralischen Halt. Sie fallen hier durch Drogenkonsum und -handel auf, begehen Diebstähle. Viele wollen sich nicht integrieren, Recht und Gesetz interessieren sie nicht.

Wo leben diese Menschen?

Oliver Huth: In Metropolen. Vor allem im Rhein-Main-Gebiet: in Frankfurt, Wiesbaden, Köln, Düsseldorf, auch in den großen Städten des Ruhrgebiets. In städtischen Umgebungen, in denen es Shisha-Cafés, eine Kaffeehaus-Kultur gibt.

Mehr Polizisten für mehr Ermittlungen

Herr Fiedler, die Landesregierung will mit einem 15-Punkte-Plan bei der inneren Sicherheit nachbessern. Geht sie nun also die wichtigsten Probleme konsequent an?

Sebastian Fiedler: Sie bringt viel Gutes auf den Weg. Diese klare Kurskorrektur überrascht. Aber wir müssen auch deutlich sagen, dass es nicht reicht, mehr Uniformierte auf die Straße zu schicken. Das stärkt das Sicherheitsempfinden der Bürger. Aber Straftaten kann man nur mit intensiven Ermittlungen aufklären, und die Ermittler gehen auf dem Zahnfleisch.

Wie viel Verstärkung braucht die Kriminalpolizei in NRW?

Sebastian Fiedler: Wir, der BDK, haben im Jahr 2009 mal sehr konservativ gerechnet. Damals fehlten 2000 Kripo-Beamte. Und das war, bevor die aktuellen Themen dazukamen: Terror, Einbrüche, Cyber-Crime, Banden aus dem arabischen Raum.

Hat es sich NRW-Innenminister Ralf Jäger mit der Polizei verdorben, als er auf die Fehler der Kölner Beamten bei den Silvester-Übergriffen abzielte?

Sebastian Fiedler: Das kam zunächst sehr schlecht an. Man muss Jäger aber zugute halten, dass er nicht in Schönrederei verfiel und die Fehler, die gemacht wurden, klar benannte. Wir haben lange darauf gewartet, dass Jäger auch die politische Verantwortung für die Ereignisse übernimmt. Aber das hat er ja nun getan.

Die Landesregierung hat viele öffentlichkeitswirksame Kampagnen durchgeführt: Blitzer-Marathon, Kampf gegen Rocker-Kriminalität, „Riegel vor“ gegen Einbrecher. Ist das vor allem Show, oder hat das Substanz?

Sebastian Fiedler: Das ist nicht nur Show. Die Rocker wurden empfindlich getroffen. Bei „Riegel vor“ bin ich etwas skeptisch. Natürlich ist es gut, Tipps zum Vermeiden von Einbrüchen zu geben. Aber es darf nicht der Eindruck bei den Bürgern entstehen, sie seien für ihren Schutz selbst verantwortlich. Jeder zahlt Steuern dafür, dass ihn der Staat schützt.

Was fehlt Ihnen im 15-Punkte-Plan der NRW-Regierung?

Sebastian Fiedler: Unsere wichtigste Forderung neben der personellen Aufstockung wird nicht berücksichtigt: Die Kripo in NRW verdient endlich wieder eine eigene Ausbildung. Kriminelle Strukturen zerschlagen wir nur mit Spezialisten, die gezielt auf diesen Job vorbereitet werden. Wenn wir das nicht machen, werden wir noch viele Desaster erleben.

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