Heute darf Herr Meier das Salatblatt schneiden

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Arnsberg. Fettnäpfchen lauern überall. Und Fallstricke sowieso. Bei der Begrüßung geht's schon los - und endet längst nicht beim Nachtisch zum Geschäftsessen. "Benimm ist in", sagt die Arnsberger IHK und bietet Knigge-Kurse fürs Geschäftsle

Büro-Alltag. Da kommt der Vertreter zum Kundenbesuch - und sieht drei Personen vor sich. Zwei Männer, eine Frau. Wen begrüßt der Außendienstler zuerst? "Der Frau natürlich - ich bin doch höflich", sagt ein Mitarbeiter einer mittelständischen Firma im Sauerland. Falsch. "Im Geschäftsleben herrscht Gleichberechtigung.

"Ganz ohne Regeln geht es nicht", sagt die Trainerin

Wenn die Frau nicht die ranghöchste Person ist, wird sie nicht zuerst begrüßt, sondern in diesem Beispiel erst der Abteilungsleiter", sagt Gabriele Krischel. Sie ist Unternehmenstrainerin und hat einen Tag lang Zeit, 13 leitenden Angestellten und Unternehmern im Seminarraum der Industrie- und Handelskammer Arnsberg gutes Benehmen beizubringen.

Namen der Teilnehmer, so lautet die Verabredung, werden nicht genannt. Auch keine Fotos geschossen. Gutes Benehmen ist eine sensible Angelegenheit. "Da kann man sich ganz schön blamieren", weiß Max Meier (Name geändert). Über Jahre im Geschäft hat er manche Situation erlebt, die ihm einen hochroten Kopf bescherte. Das Seminar gibt ihm mittlerweile jedoch vor allem Sicherheit und Bestätigung.

Oder sogar Erleichterung. Denn die Sache mit dem Salat hat sich geändert. Das Protokoll - und Gabriele Krischel weiß wovon sie spricht, denn vor Jahren organisierte sie für die Bundes-CDU Empfänge auf internationalem Parkett - das Protokoll also schreibt jetzt nicht mehr zwingend vor, dass Salatblätter gefaltet werden müssen. "Stellen Sie sich so ein riesengroßes grünes Salatblatt vor. Voller Sahnesauce. Damit das in den Mund passt, musste ich es mit Messer und Gabel falten. Und konnte darauf warten, dass es knapp vor dem Mund plötzlich auseinanderplatzt. Der reinste Horror!" Heute darf Herr Meier das Salatblatt ganz einfach schneiden. Knigge hat nichts mehr dagegen.

"Seit etwa drei Jahren boomen diese Kurse", berichtet Gabriele Krischel. Wie kommt das bloß? "Die 68er haben damals alle Konventionen über Bord geworfen", erklärt sie. Deren Kinder fehlt die Sicherheit, was die richtigen Umgangsformen gerade im beruflichen Alltag angeht. "Ganz ohne Regeln geht es eben nicht", ist die Benimm-Trainerin überzeugt.

Und versucht, den Teilnehmern ihres Seminars Handwerkszeug zu vermitteln. Alle 13 Teilnehmer - sieben Frauen und sechs Männer - haben sich von ihren Stühlen erhoben, stehen in einem lockeren Kreis, den Gabriele Krischel zügig abschreitet. Dabei gibt sie jedem die Hand - der richtige Druck soll geübt werden. Bei Manfred zuckt sie zusammen. "Das war doch etwas sehr kräftig", stellt sie fest. Nichts neues offenbar für den dynamischen Unternehmer. "Ja, bei einem meiner Kunden knirschen immer die Knochen, wenn ich ihm die Hand gebe", lächelt er. Und erfährt, dass er dringend an der Dosierung seines Drucks arbeiten muss.

Thema Smalltalk. Immer wichtig - aber bitte nicht mit den falschen Themen. "Wetter ist o.k., man kann sich auch über die Anreise unterhalten oder Hobbys", doziert die Knigge-Kennerin. Tabu aber ist beim Smalltalk Politik, Krankheit, Religion. Da sind Probleme und peinliche Situationen abzusehen.

Hängt vom guten Benehmen Geschäftserfolg ab? Wie wichtig ist das wirklich im Alltag? "Absolut wichtig", sagt Thomas Schäfer, Verkaufsgruppenleiter eines großen deutschen Elektrogeräteherstellers. "Gerade bei Neukontakten ist es besser, eher ,overdressed' aufzutreten, sich enger an Konventionen zu halten als zu locker den neuen Kunden entgegenzutreten." Zwar seien Produktqualität und Preis die wichtigsten Kriterien - im Zweifelsfall bekomme aber eher der den Zuschlag, der einen besseren Eindruck mache.

Einen Manager, der für ein Kaufhaus arbeitete, hätte das Seminar vielleicht gerettet, erzählt die Benimm-Trainerin ihren Zuhörern. Beim Mittagessen mit der Vorstandsetage konnte der Mann das Essen gar nicht genug loben - und leckte dreimal genießerisch die Soße vom Messer ab. Dass er dabei seinen Vorgesetzten die Zunge herausstreckte, fanden die gar nicht lustig - und kündigten ihm noch in der Probezeit. Ihr vernichtendes Urteil: Der Mann hat einfach kein Benehmen . . . Das nächste Business-Knigge-Seminar der IHK-Arnsberg findet am 18. Oktober statt.

www.ihk-bildungsinstitut.de

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