Bahnverkehr

Graffiti: Zustand der Revier-Haltestellen immer schlechter

Graffiti überall. Vor allem an den S-Bahnstationen wie hier in Essen wird viel gesprüht. Den meisten Fahrgästen gefällt das nicht.

Graffiti überall. Vor allem an den S-Bahnstationen wie hier in Essen wird viel gesprüht. Den meisten Fahrgästen gefällt das nicht.

Foto: André Hirtz

Essen.   Auf den Zug zu warten ist nicht schön im Revier. Denn der Zustand der knapp 300 Bahnhöfe und Haltepunkte ist laut VRR 2018 schlechter geworden.

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Sitzgelegenheiten kaputt, überall Graffiti und manchmal regnet es sogar rein, wo Fahrgäste eigentlich trockenen Fußes auf ihren Zug warten sollen. Genau 296 Bahnhöfe und Haltepunkte hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) für seinen „Stationsbericht“ im Jahr 2018 bewertet. Leider, heißt es darin, habe sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr erneut verschlechtert. Deutlich mehr Stationen seien in einem „inakzeptablen Zustand“. „Wir sehen die Entwicklung mit Sorge“, sagt VRR-Sprecher Dino Niemann.

Viermal im Jahr gehen die „Profitester“ des VRR los und schauen sich an wie es aussieht, dort wo die Kunden des Verbundes auf ihre Verbindung warten wo sie ein und aussteigen. Sie bewerten das Gesamt-Erscheinungsbild, überprüfen aber auch, ob die Ausstattung der Stationen funktionstüchtig ist.

Auf den Hauptbahnhöfen gibt es kaum Probleme

Das ist sie längst nicht immer. Waren es 2017 noch 54 Bahnhöfe oder Haltepunkte, die „erhebliche Mängel“ aufwiesen, sind es ein Jahr später 61 - davon allein 44 S-Bahn-Haltestellen. Auch die Anzahl an Stationen mit einem „noch akzeptablen“ Erscheinungsbild ist im Vergleich zum Vorjahr von 93 auf 110 angestiegen.

Die Hauptbahnhöfe im Revier sind dabei kein Problem. Ob Essen, Bochum, Dortmund, Gelsenkirchen, Duisburg oder Oberhausen – alle leuchten grün auf der vom VRR erstellen Karte und sind damit völlig akzeptabel. „Es gibt immer wieder S-Bahn-Stationen, die besonders schlecht abschneiden“, sagt Ronald Lünser, Vorstandssprecher des VRR. „Haltepunkte, an denen es wenig soziale Kontrolle gibt“, erklärt Niemann. „Weil dort zeitweise nur wenig los ist.“

Da ist dann schnell mal eine Sprühdose zur Hand, um die Wände zu besprühen. Die dabei entstandenen Graffitis im Zugangsbereich und an den Bahnsteigen waren dann auch entscheidend für viele der schlechten Bewertungen. „Sie tragen erheblich dazu bei, dass Fahrgäste einen negativen Eindruck von einer Station gewinnen“, sagt Niemann.

Ändern kann der VRR das nicht, denn ihm gehört kein Bahnsteig, erst recht kein Bahnhof. Da sind manchmal Privatleute, oft die Städte und Kommungen, meistens aber die Deutsche Bahn als Besitzer eingetragen. „Die Unternehmen selbst sind verpflichtet, sich ihrer Verantwortung zu stellen“, sagt Lünser. „Denn für einen leistungsstarken Schienenpersonennahverkehr sind attraktive und funktionstüchtige Bahnhöfe besonders wichtig.“

Erstmals wurden auch Bahnhofsgebäude bewertet

Die Bahn sei dankbar für die Hinweise des VRR. Hat Niemann festgestellt. Was nicht heißt, dass alle Missstände sofort beseitigt würden. „Das ist ja auch eine Frage der Möglichkeiten“, gibt er zu bedenken und betont, dass er da nicht nur vom Geld rede. Manche Graffitis etwa ließen sich nur wieder entfernen, wenn man ein Gerüst aufstelle, das in die Gleise hineinrage. „Dann muss die Strecke gesperrt werden. Und das überlegt man sich zweimal.“

Lesen Sie mehr zu dem VRR-Bericht

Im Jahr 2018 verschafften sich die VRR-Profitester erstmals auch einen Überblick über die 115 Bahnhofsgebäude an den Stationen im Verbundgebiet. Denn Kunden nehmen eine Station immer als Ganzes wahr. Sind die Gebäude beispielsweise wegen Umbau- oder Modernisierungsmaßnahmen nur eingeschränkt nutzbar oder in keinem guten Zustand, dann schmälert das den Gesamteindruck einer Station.

94 Bahnhofsgebäude werden genutzt und bieten beispielsweise Einkaufsmöglichkeiten für Reisende. In 50 Fällen gelangen Fahrgäste durch die Bahnhofsgebäude zu den Bahnsteigen. An 76 Gebäuden registrierten die VRR-Profitester Verunreinigungen durch Graffiti, an 67 bemängelten sie die Sauberkeit.

Da die Bahnhofsgebäude in der Regel viele Jahrzehnte alt sind, kam es in 54 Fällen zu Abwertungen beim baulichen Zustand. Dennoch sind die meisten Gebäude baulich in Ordnung. Baumaßnahmen gab es im Jahr 2018 an elf Immobilen. Fahrgäste mussten deshalb auf ihrem Weg zum Bahnsteig über einen befristeten Zeitraum Umwege und Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen.

Den Stationsbericht 2018 mit detaillierten Informationen zu den 296 Bahnhöfen im VRR und den verschiedenen Qualitätsparametern finden Interessierte im Bürgerinformationssystem des VRR.

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