Fußballmuseum

Fußballmuseum macht Miese - was die Stadt nun machen will

Vor fast genau vier Jahren eröffnet: das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund dpa-Bildfunk +++

Vor fast genau vier Jahren eröffnet: das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund dpa-Bildfunk +++

Foto: Bernd Thissen / dpa

Dortmund.  Leuchtturm oder ein finanzielles Fass ohne Boden? Das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund macht Miese. Was die Stadt nun machen will.

Früher sind hier mal die Fernbusse abgefahren. Heute aber steht gegenüber des Hauptbahnhofs in Dortmund das Deutsche Fußballmuseum. Groß, kastenförmig, nicht zu übersehen. Mit Mario Götzes Schuh aus dem WM-Endspiel von 2014 und dem Finalball von 1954. Um nur mal zwei von mehr als 1600 Exponaten zu nennen. „Ein Glücksfall für die Stadt“, nennt Museumsdirektor Manuel Neukirchner sein Haus. Der Bund der Steuerzahler (BdSt) spricht dagegen schon seit Jahren vor einem „finanziellen Abenteuer“ mit ungewissem Ausgang. Nach knapp vier Jahren nun schreibt das Museum absehbar erstmals rote Zahlen. Und die muss überwiegend die Stadt übernehmen.

Begeisterung für die Nationalmannschaft hat nachgelassen

Erwartet wird – Stand jetzt – für die Jahre 2020 und 2021 ein Verlust von rund 1,1 Millionen Euro, wie die Stadt bestätigt. Ein Minus bis zu 500.000 Euro pro Jahr teilen sich die Stadt und der Deutsche Fußball Bund (DFB), alles was darüber hinausgeht, trägt die Stadt alleine. Deshalb hat sie im Entwurf für einen Doppelhaushalt 20/21 auch 660.000 Euro Verlustausgleich veranschlagt. „Und möglicherweise“, fürchten Ulrich Langhorst und Ingrid Reuter, Fraktionssprecher der Grünen-Ratsfraktion, „droht hier im nächsten Jahr eine weitere Belastung.“ Zumal die Begeisterung für den DFB und die Nationalmannschaft nach Korruptionsvorwürfen und frühem WM-Aus stark zurückgegangen ist. „Auf die Besucherzahlen hat das aber bisher keinen Einfluss gehabt“, beteuert Neukirchner.

„Höchst dubios“, findet BdSt-Sprecherin Andrea Defeld diesen Vertrag zwischen DFB und der Stadt Dortmund. Mit der Haushaltslage der Stadt – laut BdSt rund 2,7 Milliarden Euro Schulden – seien solche Absprachen jedenfalls nicht vereinbar. „Wir warnen schon seit vielen Jahren.“

Bloß nicht gegen Gelsenkirchen verlieren

Es hat nur niemand darauf gehört. Als erste Pläne für ein Deutsches Fußballmuseum bekannt werden, träumt Deutschland gerade das Sommermärchen von 2006. Zwei Jahre später, kurz vor der Vergabe des Standortes, übernimmt Jürgen Klopp den BVB. Über die Stadt schwappt eine Euphoriewelle, immer weiter getragen von zwei deutschen Meisterschaften der Schwarz-Gelben und dem WM-Titel von 2014. „Dortmund“, sagt ein Kenner der politischen Szene in der Stadt, „hätte damals alles getan, um das Museum zu bekommen.“ Erst recht, als nur noch ein Mitbewerber im Rennen ist: Gelsenkirchen.

Am Ende vergibt der DFB das Fußballmuseum in die Heimat des BVB. 40 Millionen Euro kostet der Bau, der DFB übernimmt mit acht Millionen Euro nur etwa ein Fünftel davon. Zehn Millionen kommen von Sponsoren wie Adidas und Mercedes, der Rest vom Land NRW. Die Stadt unterschreibt die Schuldenteilung mit dem DFB und spendiert das Bau-Grundstück in 1A-Lage am Wall. „Warum auch nicht“, fragt Manuel Neukirchner. „Besser können sie die Besucher der Stadt doch gar nicht empfangen.“

„Wir stehen glänzend da“

Überhaupt ärgert sich der Museumsdirektor über das Gerede von roten Zahlen und „Miesen“. „Ich kenne keine Kultureinrichtung, die so glänzend dasteht wie wir.“ Der Selbstfinanzierungsgrad habe 2018 bei 94 Prozent gelegen, die Kosten des laufenden Betriebes seien angesichts von rund 200.000 Besuchern pro Jahr auch weiterhin gedeckt. Nur die Substanzerhaltung des Gebäudes – etwa neue Technik, weitere Ausstellungstücke – die könne das Museum nicht stemmen. „Aber ich kenne kein Museum, das das kann.“

Deshalb kann Neukirchner die ganze Aufregung auch nicht verstehen. 100 Millionen Euro betrage der Etat der Stadt Dortmund für Kultur - und Freizeit. „Davon würden dann 0,2 Prozent zu uns fließen.“ An eine Einrichtung, die mehr Besucher anlocke, als die meisten anderen Sehenswürdigkeiten in der Ruhrmetropole – von Museen ganz zu schweigen. „Welche Diskussion führen wir hier eigentlich?“ Er würde sich jedenfalls wünschen, „genauso behandelt zu werden, wie andere kulturelle Einrichtungen auch.“

DFB sieht Stadt in der Pflicht

Positive Signale kommen von der Stadt. „Wir wollten das Museum, und wir wollen es immer noch“, sagt Stadtsprecher Michael Meinders. Und man dürfe nicht vergessen, dass die Besucher auch im Rest der Stadt noch Geld ausgeben. Wie viel das ist, soll demnächst ein Gutachten herausfinden. Nichtsdestotrotz will die Stadt gegensteuern und mit dem DFB neu über die anteilige Übernahme von Verlusten verhandeln. Viel Erfolg wird sie nach Informationen dieser Zeitung damit wohl nicht haben. Im Gegenteil: Der Deutsche Fußball-Bund, so ist zu hören, weist intern schon darauf hin, dass er über 17 Millionen Euro mehr als die Stadt in das Museum gesteckt habe. Jetzt sei Dortmund selbst in der Pflicht

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