Luftverkehr

Fliegen Flugzeuge über dem Ruhrgebiet so tief wie noch nie?

Gerade im Hochsommer herrscht Hochbetrieb am Himmel über dem Ruhrgebiet

Gerade im Hochsommer herrscht Hochbetrieb am Himmel über dem Ruhrgebiet

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Düsseldorf.  Viele Menschen im Ruhrgebiet sind überzeugt, dass Flugzeuge beim Anflug auf Düsseldorf derzeit tiefer und auf anderen Routen fliegen. Stimmt das?

Sie starten den ganzen Tag und landen manchmal bis in den späten Abend. Gerade im Sommer herrscht am Flughafen Düsseldorf Hochbetrieb. Das merken auch die Menschen im Ruhrgebiet. „So tief wie noch nie kommen die Flieger rein“, sagen viele in den vergangenen Wochen. „Und auf ganz anderen Routen als üblich“, sind andere überzeugt. Ute Otterbein, Sprecherin der Deutschen Flugsicherung in Offenbach kennt solche Sätze. „Das ist oft ein Wahrnehmungsphänomen“, sagt sie. „In der Regel stimmt das nicht.“ Es gibt allerdings Ausnahmen von dieser Regel.

Normalerweise kommt der Wind aus Westen. „Bei uns am Düsseldorfer Flughafen zu gut 80 Prozent“, bestätigt Flughafensprecher Thomas Kötter. Deshalb landen die Flieger an den meisten Tagen auch aus Richtung Osten kommend. „Denn wie Vögel landen und starten Flugzeuge am besten gegen den Wind“, sagt Otterbein. Viele fliegen über das Sauerland heran, um dann über Bochum in Richtung Essen „abzubiegen“. „In Spitzenzeiten“, weiß ein erfahrener Pilot, „ist da einiges los.“ So viel, dass einige Maschinen auf Anweisung der Fluglotsen schon mal ein wenig nach links oder rechts ausweichen müssen.

Ab Essen beginnt der Endanflug für den Airport in Düsseldorf

Erreichen die Maschinen Essen, ist alles vorgegeben. In 1000 Meter Höhe und 18 Kilometer vor der Landebahn beginnt der Endanflug mit Hilfe des Instrumentenlandesystem (ILS), das die Piloten sicher zur Landebahn führt. Der Sinkwinkel in Düsseldorf beträgt – wie an fast allen großen Verkehrsflughäfen - drei Grad. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht sinken die Flieger mit der jeweils für sie vorgeschriebenen Geschwindigkeit dem Aufsetzpunkt entgegen. Wann immer es geht, versuchen die Lotsen einen „kontinuierlichen Sinkflug“ zu ermöglichen. „Das ist für Piloten wie Passagiere am angenehmsten“, erklärt Otterbein. „Und es spart auch Kerosin.“

Wenn es vor dem Endanflug Abweichungen von der üblichen Route gibt, „dann kann das nur am Wetter liegen“, sagt die DFS-Sprecherin. Zum Beispiel an einem der im Sommer nicht selten tobenden Unwetter, um das das Flugzeug herum geleitet wird. „Das kann Hunderte Kilometer entfernt gewesen sein, so dass sie im Ruhrgebiet nichts von der Schlechtwetterzone mitbekommen haben, erklärt Otterbein.

Hochdruckgebiete sorgen für Wind aus Osten

Manchmal aber ist es nicht schlechtes, sondern extrem gutes Wetter, das Flugzeuge zu mehr oder weniger langen Umwegen zwingt. Gerade in Sommern wie in diesem oder letzten Jahr, wenn es heiß und trocken ist, kann die Windrichtung relativ schnell drehen. Dann, so sagen die Lotsen, wird auch „die Bahn gedreht“. Das heißt, Anflug- und Abflugrichtung wechseln entsprechend der Windverhältnisse. Und damit müssen auch die Flugzeuge anders an- und abfliegen. „Dadurch kann es für kurze Zeit über manchen Städten zu veränderten oder verstärkten Flugbewegungen kommen.“

Das ist wochen- oder monatelang nicht der Fall, „das kann aber auch ein paar Mal an einem Tag passieren“. Wie oft der Wind und damit die Landebahn sich dreht, wird bei der Flugsicherung nicht gezählt. „Für Lotsen und Piloten ist das Routine“, nichts, über das sie sich Gedanken machen würden. Anders als viele Menschen am Boden. „Schon wenn die Flugzeuge über einem Gebiet starten, über dem sie sonst zur Landung ansetzen, kann das die Leute manchmal durcheinander bringen“, weiß Otterbein.

Vor allem im Sommer fallen die Flieger mehr auf

Viele Eindrücke der Bürger aber, stimmt sie mit Flughafen-Sprecher Kötter überein, seien „subjektiv“. Vor allem im Sommer, einer Jahreszeit, in der die Menschen öfter und länger im Freien sind, würden die Flieger am Himmel mehr auffallen.

Zumal ihre Zahl ja tatsächlich nie höher ist, als in der Urlaubszeit. Allein der Düsseldorfer Flughafen fertigt in diesen Sommerferien fast 3,9 Millionen Fluggäste ab. Das sind etwa 3,5 Prozent mehr als im Vergleich zum Vorjahr. Die prognostizierten Flugbewegungen liegen mit über 30.500 sogar knapp 4,6 Prozent im Plus. „Da ist“, sagt Kötter, einfach sehr viel los am Himmel.“

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