Kirchentag

Evangelischer Kirchentag eröffnet: Glückauf und Halleluja

Dortmund ist jetzt grün. Gläubige sitzen bei der Eröffnungsveranstaltung des Deutschen Evangelischen Kirchentags auf der Straße.

Dortmund ist jetzt grün. Gläubige sitzen bei der Eröffnungsveranstaltung des Deutschen Evangelischen Kirchentags auf der Straße.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Dortmund.  40.000 Menschen eröffnen in Dortmund den evangelischen Kirchentag. Fünf Tage feiern sie bis Sonntag das „Vertrauen“, wollen es auch „bebeten“.

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Mancher hat das göttlich gefunden, ein Zeichen des Himmels: Kein Hagel, kein Blitz und kein Donner störten die Eröffnungsfeier des 37. Evangelischen Kirchentages am Mittwoch. 40.000 feierten in Dortmund, die meisten in allen vier Richtungen einer Kreuzung, was schließlich von „Kreuz“ kommt. „Lobe den Herren“, sangen sie, „der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet“ – und sonst mit nichts.

Dortmund ist jetzt grün. Politisch auch, aber darum geht es nicht (zumal Kirchentagspräsident Hans Leyendecker sagt, für ihn sei die Veranstaltung „noch nie eine linke“ gewesen, sondern eine konservative). Für fünf Tage ist die größte Stadt in Westfalen „die grünste Stadt in Deutschland“; die Zeiten, in denen Kirchentage lila waren, sind offenkundig vorbei. Jeder Mast und jede Kirche trägt eine von 1400 grünen Fahnen, die Eintrittskarte ist grün, das 600 Seiten dicke Programm mit seinen 2399 Veranstaltungen und natürlich der Schal; selbst den Puppe gewordenen BVB-Helden im Stadion haben sie ihn umgehängt. Die Farbe verdeckt, dass Dortmund, das sich die Großveranstaltung fast drei Millionen Euro kosten lässt, nicht ganz fertig geworden ist mit seinen Vorbereitungen, manche Baustelle musste es grob übertünchen.

„Der Kirchentag gehört hierher, mitten ins Leben“

Das aber meint Leyendecker nicht, als er sagt: „Der Kirchentag wird die Stadt verändern.“ Das meint auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nur ein bisschen so: „Der Kirchentag gehört hierher, mitten ins Leben, wo noch nicht alles sauber ist und noch nicht alle Probleme gelöst sind.“ In Dortmund ist das Protestanten-Treffen zum dritten Mal, die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, sagt, es sei „ein Glück, ein Geschenk, ein Segen, hier Gastgeber zu sein“.

118.000 haben die Einladung angenommen. Ein Drittel sind Tagesgäste, viele von ihnen brauchten keine Unterkunft. Die Organisatoren hat das gewundert, aber die kennen das Ruhrgebiet nicht: 42.000 Teilnehmer kommen allein aus den Landeskirchen Rheinland und Westfalen, wer davon aus dem Revier stammt, wird zuhause schlafen. Die Anderen kommen mit Bussen aus Großrössen, dem Emsland und von der Weinstraße, aber auch, wie die Kindernothilfe, aus Duisburg zu Fuß, oder, wie evangelische Studenten, aus Karlsruhe mit der Straßenbahn. Sie schlafen privat auf dem Sofa oder auf der Isomatte in Klassenzimmern der Dortmunder Schulen. 253.000 Brötchen und Schnitten sind bestellt, 600 Pfefferstreuer und 4641 Gläser Aufstrich (nur vegetarisch!).

Vertrauen auf die Kirche und auf den Staat

Alle wollen, dass es ein Fest wird, sie vertrauen darauf, so heißt ja auch das Motto: „Was für ein Vertrauen“, ein halber Vers aus dem 2. Buch Könige, Kapitel 18. Vertrauen also auf das Wetter, auf die Organisation, auf Trompeten und Posaunen, die den Ton der nächsten Tage angeben. Vertrauen auf die Kirche und auf den Staat, wie Ministerpräsident Armin Laschet es sich wünscht in seiner Rede, obwohl er weiß, dass das schwierig ist. Vertrauen auf die Demokratie, wie der Bundespräsident: „Unser ganzes Land ist auf Vertrauen gebaut. Es ist kostbar, dieses Vertrauen, und es ist nicht selbstverständlich.“

Steinmeier deutet das Vertrauen vor allem politisch. „Vertrauen verdienen alle Bürgerinnen und Bürger unseres Landes“, in Ost und West, egal, welcher Religionszugehörigkeit, auch die Politiker: An Tag eins ist viel die Rede vom Mord in Kassel, von der Bedrohung durch Rechtsextremismus. „Dass ein Politiker hingerichtet wird, der fürs Menschsein ist“, hatte Kirchentagspräsident Leyendecker schon am Morgen als undenkbar bezeichnet, Steinmeier nennt es am Abend „furchtbar und unerträglich“.

Bis Sonntag werden sie das Vertrauen trotzdem und gerade deshalb feiern in Dortmund, diskutieren und „bebeten“, wie Präses Kurschus sagt. Was dabei heraus kommt? Hans Leyendecker haben sie das gefragt, und der sagt dazu dies: „Wir haben Hoffnung.“ Oder, wie Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau es ausdrückt: „Glück auf und Halleluja!“

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