Vermisstenfall

Erinnerung weg: Was tat vermisster Gladbacher in Dortmund?

Auch am Dortmunder Hauptbahnhof wollen Passanten Jürgen N. gesehen haben. Was er in Dortmund gemacht hat und wie er schließlich nach Hamburg kam, das weiß der 55-Jährige nicht.

Auch am Dortmunder Hauptbahnhof wollen Passanten Jürgen N. gesehen haben. Was er in Dortmund gemacht hat und wie er schließlich nach Hamburg kam, das weiß der 55-Jährige nicht.

Foto: Jakob Studnar/FUNKE Foto Services

Mönchengladbach/Dortmund.   Fünf Tage war ein 55-Jähriger aus Mönchengladbach vermisst, ohne Erinnerung tauchte er in Hamburg wieder auf. Offenbar war der Mann in Dortmund.

Fünf Tage im Januar war Jürgen N. aus Mönchengladbach verschwunden. Der 55-Jährige fuhr zur Arbeit, wie immer morgens um 6 Uhr – dort aber kam er nie an. Es war Donnerstag, der 24., am Montag erst wurde Jürgen N. gefunden: in Hamburg, verwirrt, mit Schmerzen in der Brust, einer Einkaufsquittung aus Dortmund in der Jackentasche, aber ohne Erinnerung. Nun sucht Sohn Patrick via Facebook nach Hinweisen. „Wir gehen von einem schlimmen Verbrechen aus.“

Was ist mit Jürgen N. passiert? „Mein Vater kann sich an nichts erinnern“, heißt es in mehreren Posts im sozialen Netzwerk. Die Familie versucht, die fünf Tage zu rekonstruieren, „hierfür sind wir auf eure Hilfe angewiesen“. Schon vor einer Woche erstatteten die Mönchengladbacher Anzeige: wegen Freiheitsberaubung und schwerer Körperverletzung.

Polizei: Keine Anhaltspunkte für ein Gewaltverbrechen

Auch die Polizei hat die Akte des Vermisstenfalls noch nicht geschlossen. Die Ermittler stehen im Kontakt mit den Hamburger Kollegen, bei denen N. „sehr verwirrende Angaben gemacht“ habe, sagte eine Sprecherin unserer Redaktion. Man habe Verständnis dafür, dass die Familie die Sache aufgeklärt wissen wolle, es gebe bislang aber „keine Anhaltspunkte für ein Gewaltverbrechen“.

Es ist ein Puzzleteilchen, dieser Kassen-Bon aus einem Rewe-Markt an der Rheinischen Straße in Dortmund, der in N.’s Jacke steckte. Was der 55-Jährige dort kaufte, weiß seine Familie nicht, wohl aber den Zeitpunkt: 15.55 Uhr, 24. Januar. Der Tag, an dem der Familienvater verschwand. Am vergangenen Samstag war Sohn Patrick dort, befragte das Personal im Supermarkt, im Blumenladen, in der Bäckerei: „Mehrere Personen konnten sich an meinen Vater erinnern.“ Auch am Bahnhof und in zwei Einrichtungen für Wohnungslose fanden sich demnach Menschen, die den 1,80 Meter großen Mann mit Brille gesehen haben wollen.

Passantin fand N. „total verwirrt und desorientiert“

Wie er nach Dortmund kam, warum, und weshalb ihn die Reise danach in den Norden führte, ist völlig offen. Sein Auto fand man im Rahmen einer großen Suchaktion später an der B 230 in Liedberg, einem Stadtteil von Korschenbroich. Der Autoschlüssel war noch darin, daneben lagen Handy und Aktentasche. N. selbst tauchte am Montag darauf an der Kielstraße in Hamburg auf, „total verwirrt und desorientiert“, schreibt der Sohn, fand ihn eine Passantin. Die Polizei brachte ihn ins Krankenhaus, informierte die Angehörigen.

„Wichtig ist, dass wir wieder vollzählig sind und vor allem für unseren Vater da sind“, schrieb Sohn Patrick auf Facebook, der Vater mache jeden Tag kleine Fortschritte. Doch in die Freude mischte sich alsbald wieder Verzweiflung. So viele offene Fragen, die noch nicht beantwortet werden können! „Jeder Hinweis und jeder Tipp kann für uns wichtig sein, nur so können wir den mysteriösen Fall klären.“ Wer Jürgen N. gesehen hat, irgendwo auf seinem Weg zwischen Mönchengladbach, Liedberg, Dortmund und Hamburg, möge sich bei der Polizei melden.

Telefon: 02161 - 290

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