Modellbau

Dortmunder Feuerwehr baut immer neue Miniaturwelten

Die Miniatur-Feuerwehr ist Immer zur Stelle, wenn es mal „brennt“ auf der Eisenbahnanlage der Dortmunder Feuzerwehr.

Die Miniatur-Feuerwehr ist Immer zur Stelle, wenn es mal „brennt“ auf der Eisenbahnanlage der Dortmunder Feuzerwehr.

Foto: Fabian Strauch

Dortmund.   Seit mehr als 30 Jahren trifft sich die Modellbaugruppe der Dortmunder Feuerwehr. Was sie dort basteln, hilft den Kollegen bei der Ausbildung.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit wird es eng im Rau, kann man kaum noch zurücktreten an der Bahnsteigkante. Weil sie fast alle in den „Clubraum“ gekommen sind an diesem Abend, die Mitglieder der Modellbaugruppe der Feuerwehr Dortmund. Obwohl Marc Glauer (52) im Vorfeld mehrfach klar gestellt hat. „Es ist kein Fahrtag.“ Stattdessen soll geplant werden für die Intermodellbau. Was wird aufgebaut? Wer steht wann am Stand? „Es gibt viel zu besprechen“, sagt Glauer.

Dortmund-Marten, Feuerwache 5, ein Raum hinter den Werkstätten. Historische Fotos an den Wänden, Modellautos in gläsernen Vitrinen, viele Schränke und Schubladen, ein Tisch mit ein paar Stühlen, stapelweise Kataloge und rechts an der Wand die Eisenbahnanlage der Dortmunder Feuerwehr. 16 Meter lang, 1,65 Meter tief. Sie könnte noch viel größer sein, aber „wir haben hier nicht mehr Platz“. Vorausschauend haben sie deshalb ihre kleine Welt in Modulbauweise errichtet. „Das macht es einfacher, die Anlage zu transportieren, erklärt Rudolf Schneider, der LKW-Experte der Gruppe.

„Beim Basteln kommt man zur Ruhe

Natürlich ist die Dortmunder Feuerwehr nicht die einzige mit einer Modellbaugruppe. „Die meisten großen Wehren haben eine“, weiß Glauer. Aber die Dortmunder ist mit rund zwei Dutzend festen Mitgliedern eine der größten, wenn nicht die größte im Land. Nicht alle Bastler kommen aus der Stadt, nicht jeder ist oder war bei der Berufs- oder Freiwilligen-Feuerwehr aber fast jeder „kommt aus der Branche“. „Wir haben auch Leuten aus Datteln, Dorsten oder Essen“, zählt Schneider auf. Und manche, die hier kleben, löten oder verdrahten, arbeiten beim DRK oder den Johannitern im Rettungsdienst.

Warum nun ausgerechnet Feuerwehrleute so gerne kleine Welten erschaffen, lässt sich nicht genau sagen. Glauer spricht von einem „fließenden Übergang zwischen Beruf und Privatleben“. „Unser Job ist psychisch sehr aufwühlend“, weiß der Rettungssanitäter. „Jeder von uns hat Einsätze, die ihn nicht loslassen“, bestätigt Stefan Bodynek, Feuerwehrmann im aktiven Dienst. Manchmal, erzählen mehrere aus der Gruppe, haben sie Situationen nachgebaut, die sie kurz zuvor erlebt hatten – tragische Unfälle, grauenvolle Morde. „Das kann helfen, Dinge zu verarbeiten“, glaubt Glauer. Selbst wenn man die dabei entstandenen Dioramen nie der Öffentlichkeit zeigt. Und überhaupt: „Man kommt beim Modellbau einfach zur Ruhe, weil man sich auf Kleinigkeiten konzentrieren muss, in Gedanken versinkt.“

14 Planspiele für die Ausbildung der Kameraden gebaut

Sie bauen aber nicht nur für sich, sie bauen auch im Auftrag. „Wir haben für die Weiterbildung von Führungskräften bisher 14 Planspiele zusammengestellt“, sagt Glauer. Einsatz am U-Bahn-Abgang, Unglück im Hafen, Brand im Tunnel – alles auf jeweils 80 x 80 Zentimeter großen Platte in Szene gesetzt und – anders als die Modellbahn – gebaut der Realität entsprechend.. „Natürlich gibt es Computer“, weiß Schneider. „Aber Modelle sind viel näher an der Realität“. Klaus Massole, Hauptbrandmeister A.D. nickt. „Man fühlt sich, als ob man darin stehen würde.“ Auch weil viele Einsatzfahrzeuge mit kleinen Kameras ausgestattet sind.

Regelmäßig treffen sich die Mitglieder der Dortmunder Modellbaugruppe in ihrem „Clubraum“. Um an der Anlage im Maßstab 1:87 zu bauen, Teile zu reparieren, anderes auszutauschen. Aber auch, um sich zu erzählen, was sie zwischen den Treffen so gemacht haben in Sachen Modellbau, denn: „Es gibt keinen von uns, der nicht zu Hause auch was bastelt“ weiß Glauer. Gerne in rot und mit Martinshorn, am liebsten in historischer Ausführung. Feuerwehrautos, die man nicht im Laden kaufen kann – nicht mal als Bausatz.

Korrekt bis zum Nummernschild

Lösch- oder Kranwagen aus den 50er, 60er oder 70er-Jahren – längst nicht mehr im Dienst aber auf vielen Fotos verewigt und nun als Miniatur original nachgebaut bis zur letzten Schraube, korrekt bis zum Nummernschild und der mit der Leiter auf der richtigen Seite des Daches. „Da sind wir alle Nietenzähler“, sagt Schneider. Was unter Modellbauern ein Kompliment ist.

Aber es geht nicht? nur um Loks und Schienen, nicht ausschließlich um rote LKW mit Blaulicht. „Autos, Schiffe, Flugzeuge, wir machen alles“, sagt Schneider. „Und in fast allen Maßstäben“. Deshalb nehmen sie in diesem Jahr auch nicht wie üblich ihre Eisenbahnanlagen mit sondern viele ihrer anderen Modelle – die meisten davon ferngesteuert. Deshalb geht es später am Abend auch nicht darum, wer am Messestand (Halle 6 A22) in Dortmund zwecks Vorführung stehen MUSS, sondern wer dort stehen DARF.

Dann wird geklönt. Fast jeder in der Gruppe hat sich spezialisiert. Einer sammelt alte Industrieanlagen en miniature, der andere kann wie kein zweiter Landschaften modellieren. In einem aber, sagt einer von ihnen zum Abschied, seien alle Modellbauer gleich. „Am Ende rutschen wir alle auf dem Teppich herum und suchen nach den Kleinteilen, die heruntergefallen sind.“

Info Intermodellbau

Die INTERMODELLBAU in Dortmund findet von Donnerstag, den 04. - Sonntag, den 07. April 2019 statt.

Öffnungszeiten:

Am Donnerstag bis Samstag von: 09:00 - 18:00 Uhr

Am Sonntag von: 09:00 - 17:00 Uhr

Eine Tageskarte für einen Erwachsenen kostet im Vorverkauf 12 Euro, ermäßigt 9,50. Kinder ab 6 Jahren zahlen 5 Euro. An der Tageskasse kostet eine Karte 14 Euro, ermäßigt 11. Kinder zahlen hier 6 Euro. Weitere Informationen im Internet unter www.intermodellbau.de

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