Meisterschaft

In Dortmund ist alles klar für die Titelfeier des BVB

Ein Bild, von dem viele Dortmunder bis heute träumen. 2012 feierten sie das Double am Borsigplatz. Zumindest die Meisterschaft würden sie auch am Wochenende gerne wieder bejubeln

Ein Bild, von dem viele Dortmunder bis heute träumen. 2012 feierten sie das Double am Borsigplatz. Zumindest die Meisterschaft würden sie auch am Wochenende gerne wieder bejubeln

Foto: Dieter Menne

Dortmund.   Theoretisch kann der BVB am Wochenende noch Fußballmeister werden. Praktisch bereitet sich die Stadt deshalb auch auf eine große Feier vor.

Anfangs ist Stadtsprecher Michael Meinders noch halbwegs realistisch. „Wir müssen“, stellt er vor Beginn des Gesprächs im Rathaus klar „den Konjunktiv deutlich betonen.“ Würde Dortmund gegen Mönchengladbach gewinnen und könnte Frankfurt den FC Bayern schlagen, wäre der BVB Deutscher Meister.

„Alles noch drin“, kommt als Antwort, wenn man in der Fußgängerzone fragt. Oder man bemüht die Floskel, dass die Hoffnung ja bekanntlich zuletzt stirbt. „Na ja“, räumt Marco (35) ein, „ein kleines Wunder wäre das schon, wenn wir noch Meister werden.“ Aber dann will er dabei sein. Dumm nur, dass der BVB auswärts spielt. „Stadion ist nicht“, sagt Kai (41). Deshalb richten sich die Kneipen zwischen Borsigplatz und Alter Markt auf einen Besucheransturm ein. „Es wird eng“, sagt Angelika Sierigk von der in schwarz-gelb gestrichenen „Ratsschänke“. Vor allem für Kurzentschlossene. „Die meisten Plätze sind schon reserviert.“

Umzug durch die Stadt soll über vier Stunden dauern

Richtig gefeiert werden soll im Fall der Fälle am Sonntag. Mit einem Korso, der sich laut Planung um 14.09 Uhr vom Gelände der Westfalenhütte aus in Bewegung setzt. Gegen 15.09 Uhr soll er den Borsigplatz passieren und dann weiter durch die Stadt ziehen. Ziel des rund zehn Meter langen Mannschafts-Trucks und seiner Begleit-Fahrzeuge wird nach mehr als vier Kilometern und rund vier Stunden der Bereich Hoher Wall/Ecke Grafenhof sein. Die Strecke ist ein wenig anders als nach dem Pokalsieg vor zwei Jahren, weil große Teile des Walls derzeit eine Baustelle sind.

Die Vorbereitungen dafür laufen seit Wochen und haben sich weder von der Derby-Niederlage noch dem Remis in Bremen durcheinander bringen lassen. Und die Verantwortlichen bei Polizei und Feuerwehr, Ordnungs- und Tiefbauamt oder DEW21 sprechen auch nicht im Konjunktiv. „Wir glauben an den BVB“, sagt der Städtische Branddirektor Oliver Nestler. Und selbst wenn sie das nicht tun würden, würde das auch nichts ändern. „Wir sind Profis, wir müssen planen.“

Falschparker werden rigoros abgeschleppt

Halteverbotsschilder hat das Tiefbausamt schon aufgestellt, und wer sich am Sonntag nicht daran hält, dessen Auto wird abgeschleppt. „Ab fünf Uhr morgens wird kontrolliert“, heißt es aus dem Ordnungsamt, das eine „autofreie Korsostrecke“ verspricht. Glasflaschen sind in der City und entlang der Korso­strecke am Sonntag verboten, Pyrotechnik ohnehin. Die Polizei, die mit mehreren Hundertschaften im Einsatz sein wird, rät davon ab, große Rucksäcke mitzubringen, Frank Schulz von der Dortmund Agentur empfiehlt dringend kleine Kinder und Haustiere nicht mit an die Korsostrecke zu nehmen. „Man tut ihnen keinen Gefallen.“

Eng werden dürfte es bei einem möglichen Korso aber nicht nur auf der Straße, sondern auch auf der Schiene. „Mit vollen Zügen und Bahnhöfen ist zu rechnen“, warnt die Bundespolizei. Besonders nach Beendigung der Feierlichkeiten könne es zu längeren Wartezeiten vor dem Hauptbahnhof in Dortmund kommen. Aus Sicherheitsgründen richtet die Bundespolizei vor den Eingängen Durchlassstellen ein, um den Zufluss der Reisenden steuern zu können. Man sollte auch nicht unmittelbar nach dem Korso zum Bahnhof eilen, sondern vielleicht noch ein wenig in der City verweilen, um später entspannter abreisen zu können.

Polizei mahnt „vernünftiges Verhalten“ an

Sollte Dortmund den Titel holen, dürfte allerdings bereits am Samstag gefeiert werden in der City. „Auch darauf sind wir vorbereitet“, sagt Edzard Freyhoff, Einsatzleiter der Polizei. Da der BVB aber nicht zu Hause spielt, erwartet er keine „kritischen Mengen“ in der Innenstadt. „Falls doch, sind wir in der Lage, schnell Bereiche zu sperren“, beruhigt Freyhoff, um gleichzeitig „vernünftiges Verhalten“ bei spontanen Auto-Korsi anzumahnen. Gegen Menschen auf Autodächern oder Feuerwerkskörper werfende Beifahrer werde man „konsequent vorgehen“.

Bayern Fans im Revier winken ab: Den Titel holen wir

Wird alles nicht nötig sein, sind sich die geschätzt 300.000 Bayern-Fans in Nordrhein-Westfalen fast völlig sicher. Weil es ihrer Einschätzung nach nichts zu feiern gibt für den BVB. „Wir sind sehr zuversichtlich, was die Meisterschaft angeht“, sagt Jörg Heeren vom FC Bayern München Fanclubverbund NRW, in dem 400 Clubs organisiert sind. Da kann Manuela Faber, Vorsitzende der „Ruhrpott-Bazis“, nur zustimmen. „Alle Vorteile liegen bei uns. Wir holen die Schale.“ Deswegen reist sie mit 52 Club-Mitgliedern auch nach München. „Spiel im Stadion gucken und dann feiern.“

Stadtsprecher Meinders lächelt bei solchen Sätzen. Zur Verabschiedung hat er den Konjunktiv längst aufgegeben. „Wir sehen uns“, sagt er. „Sonntag auf dem Borsigplatz.“

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