Meinungen und Einstellungen in der Region

Der Südwestfale: Das (nun) bekannte Wesen

Foto: Julian Stratenschulte

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Naturverbunden sind sie. Pflichtbewusst und fleißig. Sie sind Leute, für die Treue und Zuverlässigkeit noch eine Bedeutung haben. So denken die Menschen in Südwestfalen über die Menschen in Südwestfalen.

Das hat das Institut für Demoskopie Allensbach in der Südwestfalen Studie 2007 herausgefunden. Auftraggeber der Studie ist die Südwestfalen AG. Der Zusammenschluss von Hochsauerlandkreis, Märkischem Kreis sowie den Kreisen Siegen-Wittgenstein, Soest und Olpe möchte in Zukunft verstärkt als Region auftreten und darum die „Marke Südwestfalen” etablieren.

Im Kaiserhaus in Arnsberg präsentierte Dr. Rüdiger Schulz vom Allensbacher Institut am Montag das, was im Sommer bei 1106 Telefoninterviews herausgekommen ist. 300 zufällig ausgewählte Menschen im Märkischen Kreis sowie je rund 200 in den übrigen Kreisen gaben Auskunft über „Lebensqualität und Regionalbewusstsein”, wie der Untertitel der Studie verheißt.

„Uns hat die breite Zustimmung der Menschen zu der Kooperation überrascht”, sagt der Olper Landrat Frank Beckehoff. 75 Prozent der Befragten finden den Ansatz laut Studie gut. Beckehoff: „Wir haben uns sehr gefreut. Bisher wussten wir nicht, wie die Menschen darüber denken, wenn wir uns als Region präsentieren und positionieren wollen.”

Schulter an Schulter marschieren die fünf Kreise seit Frühjahr 2006 voran. Im Verbund haben sie sich für das nordrhein-westfälische Strukturförderprogramm Regionale beworben, und zwar für die Jahre 2013 und 2016. Sollte das Quintett den Zuschlag bekommen, kommen für die gemeinsam geplanten Projekte verstärkt Fördermittel aus dem Landestopf. Das bringt aber nur dann etwas, wenn die Menschen auch aus einem Topf zu essen bereit sind.

Wer dunkel in Erinnerung hat, dass es etwa zwischen Sieger- und Sauerländern, nun, sagen wir mal, eine Tradition der Animosität gibt, der wird nach 48 Seiten Studien-Lektüre um ein Vorurteil ärmer sein. „Klischees halten sich zwar lange, aber bei diesen ,Feindschaften' ist vieles überzeichnet”, erläutert Rüdiger Schulz. „Auch wenn das über Generationen tradiert wird – es ist völlig überholt.”

In manchen Köpfen scheinen diese Unterschiede noch zu bestehen: 40 Prozent der Befragten haben nach eigener Angabe nicht den Eindruck, dass die Menschen hier viel verbindet. Die Ergebnisse sprechen aber eine andere Sprache: 99 Prozent der Befragten finden, dass naturverbundene Menschen gut in die Region passen. Pflichtbewusst, bodenständig, heimatverbunden, das alles halten deutlich über 90 Prozent für typisch. Religiosität, Bescheidenheit und Weltoffenheit betrachten mehr als 80 Prozent als charakteristisch. Und 87 Prozent sind überzeugt, dass „Menschen mit viel Humor” in Südwestfalen perfekt aufgehoben sind.

Nachtschwärmer und Disco-Fans wähnt demgegenüber nur ein Fünftel an der richtigen Adresse. Dazu passt, dass die Hälfte der 16- bis 29-Jährigen beim Wort „Südwestfalen” an Langeweile denkt. „Gerade denen müssen wir in der Region was bieten, nicht in jedem kleinen Dorf”, so die Soester Landrätin Eva Irrgang. „Die jungen Leute sind heute alle mobil.” Für die dünne Diskotheken-Landschaft gibt es als Entschädigung die „reizvolle Umgebung” (sagen 87 Prozent) und das „gesunde Klima” (93 Prozent).

Die Bevölkerung ist sympathisch (finden 86 Prozent), mit der wirtschaftlichen Lage sind 63 von 100 zufrieden. Nicht zu vergessen: 60 Prozent sind Mitglied in Vereinen, 38 Prozent haben ein Ehrenamt. Bei allen Gemeinsamkeiten, ein paar Unterschiede gibt es natürlich. Niedrige Arbeitslosigkeit und sichere Arbeitsplätze etwa sehen im Kreis Olpe 75 Prozent realisiert, in Südwestfalen insgesamt aber nur 37. Unterschiede sind aber völlig in Ordnung, findet Rüdiger Schulz: „Es steht nicht im Vordergrund, eine einzige Südwestfalen-Identität zu schaffen. Jeder soll seine Identität behalten. Die Zusammenarbeit ist die Aufgabe, und dass die Kreise voneinander lernen.”

Das werden sie übrigens auch, falls aus der Regionalen 2013/16 nichts wird. „Wir gehen diesen Weg auf jeden Fall weiter”, versichert Eva Irrgang. „Die Studie gibt uns Rückendeckung.”

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