WAZ-Sommerserie

Der Silbersee ist selbst sein größter Schatz

Der beliebteste Strand des Ruhrgebiets: Der Silbersee II in Haltern hat eine Wasserfläche von fast 65.000 Quadratmetern und ist damit so groß wie etwa neun Fußballfelder zusammen.

Der beliebteste Strand des Ruhrgebiets: Der Silbersee II in Haltern hat eine Wasserfläche von fast 65.000 Quadratmetern und ist damit so groß wie etwa neun Fußballfelder zusammen.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Haltern.  Weißer Strand, glasklares Wasser: Der Silbersee im Norden von Haltern lockt bis zu 10.000 Besucher am Tag an. Selbst Australier wurden gesichtet.

„Caaaarlooo, komm jetzt bitte endlich mal raus aus dem Wasser“, ruft Birgit Münstermann ihrem Enkelkind zu. Sie sitzt auf einem Handtuch und beobachtet den kleinen Sprössling. „Dir muss doch schon ganz kalt sein“, sagt sie weiter. Der Sechsjährige schüttelt grinsend mit dem Kopf und taucht dann schnell wieder unter.

Resignierend zuckt Birgit Münstermann mit den Schultern: „Ich bekomme ihn einfach nicht mehr raus aus dem Wasser.“ Carlo hat „Oma-Ferien“ und die verbringen die beiden heute zusammen am Silbersee. „Wir waren noch nie hier, aber sind echt ganz begeistert“, sagt sie. So begeistert, dass Birgit Münstermann direkt Nachrichten an ihre Familie und Freunde verschickt hat, dass sie unbedingt noch einmal hierher kommen müssen. „Da haben aber einige geantwortet, dass es hier oft total überfüllt ist.“

Viele Besucher an Spitzentagen

Und da ist etwas dran, weiß Helmut Kuchel, Inhaber der Strand-Gastronomie „Treibsand“. „In der Spitze haben wir 10.000 Besucher am Tag hier“, erklärt der 61-Jährige. Kein Wunder: Weißer Sandstrand, glasklares Wasser, Surfer, Sandburgen und Sonnenschirme. „Das ist für unsere Besucher wie ein Tag Urlaub. Nur dass sie nicht so weit fahren müssen“, meint Helmut Kuchel.

Beim „Wikinger-Schach“ bietet sich gerade Nils Rupprath ein heißes Duell gegen seine Familie. Er ist heute zum ersten Mal am Silbersee – statt eines Urlaubs wird in diesem Jahr der Garten renoviert. „Und hier können wir wenigstens für einen Tag mal abschalten“, freut sich der 33-Jährige. Er ist überrascht, wie sauber das Gelände des Silbersees ist „und vor allem wie groß.“ Das Duell gewonnen, schnappt er sich Schnorchel und Taucherbrille und geht zum Wasser.

Vor zehn Jahren habe es hier schon fast genauso ausgesehen wie heute, weiß Helmut Kuchel. „Nur unser Restaurant hat da halt noch nicht gestanden.“ Eineinhalb Jahre habe es gedauert, bis das Gebäude der Strand-Gastronomie dann stand. Die erstem vier Jahre seien allerdings nicht so gut gelaufen, um die schlechteren Wintermonate zu überbrücken. Mittlerweile richtet der Restaurantbetreiber in seinem Lokal viele Hochzeiten und Veranstaltungen aus. Sogar aus Australien sei letztes Jahr ein Hochzeitspaar an den Silbersee gekommen, um sich hier vermählen zu lassen. Eine Trauung direkt am Strand: „Da kullern sogar bei unseren Mitarbeitern manchmal ein paar Tränchen.“

In sein Spiel versunken ist gerade der dreijährige Henry: Er schüttet Sand in einen Eimer, dann kommt Wasser hinterher, er pfeift dabei fröhlich vor sich hin. Papa Heiko Stephan sitzt daneben und hilft seinem Sohn bei seiner Arbeit.

Neuer Bebauungsplan für das Gelände

„Früher war ich selbst mal mit meinen Eltern hier“, erinnert Heiko Stephan sich. Er findet es gut, dass es einen abgesperrten Bereich für Kinder gibt und die DLRG direkt vor Ort ist. „Das gibt einfach ein gutes Gefühl“, sagt Heiko Stephan. „Fertig“, ruft Henry laut, steht auf und stiefelt den Strand entlang zu Oma und Opa, die in einer Strandmuschel auf ihn warten und ihm zuwinken.

Für die Zukunft sei am Silbersee noch einiges geplant, weiß Helmut Kuchel. Der Regionalverband Ruhr (RVR) als zuständiger Beitreiber hat gemeinsam mit der Stadt Haltern einen neuen Bebauungsplan für das Gelände erstellt. „Mit diesem Plan könnten wir in Zukunft größere Veranstaltungen machen, die bisher so nicht möglich waren.“ Verträumt schaut Helmut Kuchel raus aufs Wasser, als er sich vorstellt, dass hier bald große Konzerte stattfinden könnten. „Das wäre natürlich auch ein tolles Zeichen für die Stadt“, findet er.

Verträumt ist gerade auch Elke Niehues. Im Neoprenanzug steht sie mit den Füßen im Wasser, die Hände in die Hüfte gestemmt. Sie beobachtet ihren Mann dabei, wie er auf sein Surfbrett steigt. „Ein besseres Revier als hier können wie gar nicht haben“, schwärmt die 60-Jährige. Vor fünf Jahren habe das Ehepaar eine neue Sportart ausprobieren wollen, „mal was anderes als im Fitnessstudio“, erklärt Birgit Niehues. Einmal auf dem Brett im Silbersee gestanden, seien sie beim Surfen hängengeblieben. „Hier gibt es nur mich und die Naturgewalten“, versucht Michael Nieheus seine Begeisterung zu erklären. Seine Frau ergänzt lachend: „Vom Trubel am Strand bekommt man auf dem Wasser nichts mit.“

Einen Moment Ruhe gönnen

Diese Ruhe weiß auch Helmut Kuchel zu schätzen. Tagsüber steht er oft unter Strom: hier eine Lieferung, da ein wichtiger Anruf, im nächsten Moment neue Gäste begrüßen. Das Schönste an seinem Job sei es für Helmut Kuchel deswegen, „mich früh morgens, wenn noch keiner da ist, mit einem Kaffee auf die Terrasse zu setzen und fünf Minuten aufs Wasser zu gucken.“

Urlaubs-Feeling – das wünscht sich auch Janina Schötz. Sie ist heute aus dem Sauerland mit ihren beiden Söhnen hierher gekommen, „weil Urlaub einfach so furchtbar teuer ist.“ Mit Schwimmflügeln ausgestattet rennt der fünfjährige Jano die ganze Zeit zwischen Mama und Wasser hin und her. „Hier haben wir wenigstens für einen Tag das Gefühl, im Urlaub zu sein“, freut Janina Schötz sich. „Ich will auch noch was sagen“, wirft der vierjährige Moritz ein. Überrascht schaut seine Mutter ihn an: „Was denn?“ Stolz hebt Moritz seinen Schwimmring in die Luft, er grinst genauso wie die darauf abgebildeten Hunde aus einer Kinderserie: „Ist der nicht cool“, fragt er und rennt mit seinem Bruder zusammen zurück zum Wasser.

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