EM-Trikots

Paar ordert 113 Abos und verkauft Prämien, ohne zu bezahlen

Ähnliche Trikots verkauften Herner Betrüger im Internet.

Ähnliche Trikots verkauften Herner Betrüger im Internet.

Foto: dpa

Herne.   Ein Betrügerpaar aus Wanne stand vor Gericht, weil es 113 Abos orderte, die Prämien einstrich und Trikots verkaufte – ohne die Abos zu bezahlen.

Täglich muss der Paketbote im Spätsommer 2015 bei dem Wanner Pärchen geschellt haben. 113 EM-Trikots der deutschen Fußballnationalmannschaft hatten der 35-Jährige und seine 26-Jährige Lebensgefährtin als Geschenk für abgeschlossene Online-Abos einer großen deutschen Boulevardzeitung bekommen, diese dann neu verpackt und per Ebay weiter verkauft – mit falschem Namen und ohne die Abos im Wert von je 59 Euro jemals bezahlt zu haben.

Wegen gemeinschaftlichen Betruges musste sich das Pärchen deshalb jetzt vor dem Wanner Amtsgericht verantworten.

Pärchen nannte sich im Internet „Müller“

Im Netz nannten sie sich „Müller“ – mal bestellte Markus, mal war es Mareike. Auch bei einer Online-Apotheke funktionierte die Betrügerei: Schuppen-Killer-Shampoo, Diät-Drinks und gleich mehrere Schrittzähler wurden nie bezahlt. In der Wanner Wohnung muss es ausgesehen haben wie in einem Warenhaus, so heißt es zumindest im Durchsuchungsbericht der Polizei: Trikots von Größe S bis XXL, überall Kartons und der Schlafzimmerschrank voller Medikamente.

Ob die alle für den Eigenbedarf waren oder auch weiterverkauft wurden, bleibt unklar. „So viel Heiserkeit gibt es doch im ganzen Leben nicht“, sagt Richter Carsten Mergheim zu riesigen Halsschmerztabletten-Vorräten.

Angeklagter äußert sich schriftlich

Vor dem Amtsgericht äußert sich der angeklagte 35-Jährige wegen einer autistischen Störung nur schriftlich. Nachdem der gelernte Maler im Januar 2015 nach einer Operation seine Arbeit aufgeben musste, sei das Geld knapp geworden. Seinen beiden Kindern und der Lebensgefährtin habe er den gleichen Lebensstandard bieten wollen wie vorher.

Der Trikotverkauf habe das ermöglicht, so beschreibt es der Herner. „Ihnen wurde es aber auch sehr einfach gemacht“, sagt Richter Carsten Mergheim. „Bei 113 Online-Abos für die gleiche Adresse hätten bei dem Verlag doch alle Warnsignale angehen müssen.“

Dass die 26-Jährige Lebensgefährtin das einträgliche Geschäft in der gemeinsamen Wohnung nicht bemerkt haben will, nimmt ihr Richter Carsten Mergheim nicht ab. „Es ist ihr nicht verborgen geblieben“, sagt auch Verteidiger Michael Lewburg. „Aber Sie hat den Warenregen über sich ergehen lassen.“

Initiator sei 35-jähriger Freund gewesen

Initiator sei der 35-jährige Freund gewesen, der zurzeit in der JVA Bielefeld Kartoffeln verpackt. Die Haftstrafe: Folge eines ganz ähnlichen Betrugs mit Tierbedarf im Wert von knapp 33 000 Euro.

Für diese Gaunerei mit Medikamenten und den Trikots im Wert von insgesamt knapp 8000 Euro verurteilt das Gericht ihn zu einer zusätzlichen Freiheitsstrafe von zehn Monaten. Seine Lebensgefährtin kommt wegen einer guten Sozialprognose und den beiden Kindern mit einem Jahr auf Bewährung weg. Das Geld müssen die beiden zurückbezahlen – zusätzlich zu den anderen 30 000 Euro. Richter Carsten Mergheim ist sich sicher: „Damit werden sie noch Jahrzehnte zu tun haben.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben