Prozess

Anklage: Tochter ersticht ihren pflegebedürftigen Vater

Justizwachtmeister führen Gordana M. an ihren Platz im Gerichtssaal. Sie soll ihren pflegebedürftigen Vater getötet haben.

Justizwachtmeister führen Gordana M. an ihren Platz im Gerichtssaal. Sie soll ihren pflegebedürftigen Vater getötet haben.

Foto: Bernd Thissen / FUNKE Foto Services

Dortmund.  Das Motiv ist unklar. Aber seit Mittwoch steht eine 47-Jährige aus Hamm in Dortmund vor Gericht. Sie soll ihren Vater getötet haben.

Sie sagt erst einmal nichts. Es ist auch nicht leicht zu erzählen, was die 47 Jahre alte Gordana M. aus Hamm gemacht haben soll. Laut Anklage vor dem Landgericht Dortmund hat sie ihren eigenen Vater, 75 Jahre alt und pflegebedürftig, in seiner Wohnung getötet. Totschlag wirft die Staatsanwaltschaft ihr am Mittwoch vor.

Das Motiv ist unklar, wird auch in der Anklage nicht erwähnt. Denn im gesamten Ermittlungsverfahren hat die aus Serbien stammende Frau geschwiegen. Auf Indizien beruhen die Vorwürfe gegen sie.

Am ersten Tag nur Anklageverlesung

Seit April sitzt sie in Untersuchungshaft, wird am Mittwoch in Handfesseln von Justizwachtmeistern auf ihren Platz in der Anklagebank geführt. Der Sitzungstag ist kurz, es wird lediglich die Anklage verlesen. Danach besuchte sie am 30. März ihren Vater in dessen Wohnung in einem Hochhaus in Hamm. Der gebrechliche Mann hielt sich zu diesem Zeitpunkt dort alleine auf. Seine Frau, Mutter der Angeklagten, hatte die Wohnung kurz zuvor verlassen, kam erst abends zurück.

Um 13.45 Uhr, in diesem Punkt ist die Anklage sehr genau, soll Gordana M. das Hochhaus betreten haben. In der Wohnung soll sie schnell in einen heftigen Streit mit ihrem Vater geraten sein. Dann muss sie ihre körperliche Überlegenheit ausgenutzt und ihn in die Badewanne getragen haben. Dort soll sie ihn übel misshandelt haben.

Keine Tatwaffen gefunden

Tatwaffen sind wohl nicht gefunden worden. Denn die Anklage lässt offen, wie dem 75-Jährigen die massiven Verletzungen zugefügt worden sind. Gordana M., so heißt es da, habe in Tötungsabsicht zunächst dem Vater mit einem stumpfen Gegenstand mehrmals auf den Kopf geschlagen. Danach soll sie mit einem spitzen Gegenstand, vielleicht einem Messer, auf ihn eingestochen haben. Gezielt habe sie dabei auf Kopf und Hals des Mannes.

Lange musste er offenbar nicht leiden. Er sei in der Badewanne gestorben, die Todesursache war Verbluten.

Ehefrau fand den Toten

Besonders schrecklich: Ahnungslos hatte abends um 18 Uhr die Mutter die Wohnung betreten. Dort entdeckte sie ihren blutüberströmten und leblosen Mann in der Wanne. Sie lief sofort zu ihren Nachbarn. Im Gegensatz zu ihrer Tochter, die sicher Deutsch spricht, hatte sie sprachliche Schwierigkeiten, ihnen zu erklären, was passiert war.

Die Ermittler hatten schnell die Tochter des Toten als mögliche Verdächtige ins Visier genommen. Einbruchspuren gab es nicht. Das Video von der Überwachungskamera im Eingangsbereich des Hochhauses zeigte zudem, wie eine weibliche Person das Gebäude betrat. Sie ähnelte der Tochter. Auch belastende DNA-Spuren soll es geben.

Angeklagte will sich später äußern

Rechtsanwalt Karsten Possemeyer, Verteidiger, erklärte nach Verlesung der Anklage, dass diese zunächst schweigen, sich aber zu einem späteren Zeitpunkt äußern werde.

Richter Thomas Kelm, Vorsitzender des Dortmunder Schwurgerichtes, gab eine vorläufige Bewertung der Beweismittel bekannt. Zu Beginn des Ermittlungsverfahrens sei die Angeklagte mehrmals vernommen worden. Was sie dabei gesagt habe, werde die Kammer aber voraussichtlich nicht verwerten. Denn offenbar sei der Verdacht der Polizei gegen die Tochter damals schon stark gewesen. Sie hätten dennoch darauf verzichtet, sie als Beschuldigte zu belehren und auf ihre Rechte in dieser Rolle hinzuweisen. Verteidiger Possemeyer dankte dem Gericht für diese Offenheit. Wann ein Urteil kommt, ist noch nicht abzusehen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben