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Parookaville: Gastronomie leidet unter neuem Verkehrskonzept

Jens verkauft am Bahnhof in Weeze kalte Getränke an Besucher des Parookaville-Festivals. In diesem Jahr mit wenig Erfolg.

Jens verkauft am Bahnhof in Weeze kalte Getränke an Besucher des Parookaville-Festivals. In diesem Jahr mit wenig Erfolg.

Foto: Kai Kitschenberg

Weeze.   Getränkeverkäufer in Weeze profitierten im letzten Jahr vom Verkehrschaos beim Elektronik-Festival. In diesem Jahr läuft das Geschäft schleppend.

Mit einem weißen Schild in der Hand steht Jens gestern Mittag vor dem geöffneten Kofferraum seines schwarzen Kombis am Weezer Bahnhof. „Herzlich Willkommen“ steht auf seinem Plakat und zusätzlich der Hinweis, dass es bei ihm kalte Getränke aus einer Kühlbox gibt. Bier, Cola, Wasser - jeweils für drei Euro.

Die Zielgruppe für Jens, der aus der Nachbarstadt Kevelaer kommt, sind die Besucher von Parookaville, dem größten Festival für elektronische Tanzmusik in Deutschland.

Bis Sonntagabend bevölkern 80 000 Menschen einen stillgelegten Teil des Weezer Flughafens, um die besten DJs der Welt live zu erleben. Einige nutzen für die Anreise Shuttlebusse am fünf Kilometer entfernten Bahnhof, um zum Festivalgelände zu gelangen. Da kommt wieder Jens ins Spiel, der an Wartende seine Getränke verkaufen möchte.

„4000 Getränke habe ich noch“

„Bislang ist es für mich aber noch überhaupt kein Erfolg. Gestern habe ich beispielsweise gar nichts verkauft“, gibt er zu. Auch heute habe er bislang nur zwei, drei Dosen verkauft. Woran könnte das liegen? Vielleicht an der Konkurrenz, die ein paar Meter weiter steht? Svenja und Doris Spitzer haben eine große Kühlbox vor sich stehen - darin eine große Vielfalt an Getränken und Eiswürfel bis zum Rand.

„Bei den Temperaturen müssen wir immer wieder neues Eis nachschütten“, erzählt Svenja. Auch bei ihnen halte sich der Verkauf in Grenzen. „Ab und zu kommt einer vorbei, der noch ein Bier für den Weg zum Festival haben möchte, wir hatten uns aber etwas mehr erhofft“, sagt Doris. Die Verkaufsstände mussten offiziell bei der Gemeinde angemeldet werden.

Auch Martin Maas, nur einige Schritte weiter, hat ein ähnliches Problem. „5000 Getränke habe ich vorher besorgt, jetzt habe ich noch 4000“, sagt Maas, während er unter seinen blauen Pavillon hinter der Verkaufstheke steht.

Er vermutet, dass das Ausbleiben eines guten Geschäfts zum größten Teil daran liegt, dass die Veranstalter für dieses Jahr ein funktionierendes Verkehrssystem entwickelt haben.

Nächstes Jahr wahrscheinlich weniger Verkaufsstände

„2017 war hier im Ort ein unglaublich langer Stau, da waren die Festivalbesucher natürlich über jedes Getränk froh. In diesem Jahr wurde der Verkehr einfach am Ort vorbei geleitet“, bedauert Maas fast, betont aber, dass es für die Besucher des Festivals natürlich so viel angenehmer sei.

Vor dem schicken Bürgerhaus Weeze bietet Norbert Villings den Vorbeikommenden für kleines Geld Würstchen im Brötchen und Getränke an. Er ist sich sicher: „Nächstes Jahr mache ich das nicht mehr. Der Verkauf tendiert gen null und die Menschen rennen alle einfach zum Busshuttle durch.“

Falsche Vorstellungen von Weeze

Über jeden Einzelnen der bei ihm stehen bleibt, freut er sich aber umso mehr: „Es ist echt schön zu hören, wenn Menschen aus München oder von noch weiter weg hier nach Weeze kommen, auch wenn es nur für ein paar Tage ist.“ Viele könnten sich unter der Gemeinde schließlich nicht viel vorstellen.

Und recht hat Villings mit dieser Aussage. „Ich kenne Weeze eigentlich nur im Zusammenhang mit günstigen Ryanair-Flügen. Insgesamt hätte ich es mir auch ein bisschen anders, irgendwie größer vorgestellt“, sagt Florian aus Herford bevor er, bepackt mit einem großen Rucksack in einen Shuttlebus steigt.

Er habe Glück, einige seiner Freunde seien schon auf dem Campingplatz und haben sein Zelt bereits aufgebaut. Für sie sei der Donnerstag, wo die meisten Besucher angereist sind, mehr als unglücklich verlaufen.

Zu wenig Platz auf dem Campinggelände

Zwar funktionierte das Verkehrssystem des Veranstalters einwandfrei. Teilweise mussten die Festival-Gäste aber acht Stunden auf den Einlass zum Campingplatz warten. „Viele haben sich dabei einen schlimmen Sonnebrand geholt oder sind umgekippt“, berichtet beispielsweise Alina Schröder aus Düsseldorf.

Als sie dann abends mit ihren Freunden auf das Gelände konnte, war der Platz bereits komplett voll. Davon berichten auch andere Parookaville-Besucher in den sozialen Netzwerken. Der Veranstalter bat die Besucher daher, auf den Plätzen zusammen zu rücken.

Von all dem Trubel ist in Weeze nicht viel zu spüren. Nur in den Abendstunden könnte es dort etwas lauter werden. „Je nachdem wie der Wind steht, hören wir die Musik ziemlich gut“, erzählt Roland Jansen.

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