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Zoo Krefeld muss Tiere durch Security vor Besuchern schützen

Symbolbild. Das Pinguin-Gehege im Zoo Krefeld ist begehbar. Manche Besucher versuchen Tieren noch näher zu kommen, sie zu füttern oder sie zu ärgern.

Symbolbild. Das Pinguin-Gehege im Zoo Krefeld ist begehbar. Manche Besucher versuchen Tieren noch näher zu kommen, sie zu füttern oder sie zu ärgern.

Foto: Pascal Conrads / FUNKE Foto Services

Krefeld.  Aggressive, leichtsinnige und uneinsichtige Besucher machen dem Zoo Krefeld zu schaffen. Er setzt inzwischen auf Security-Personal.

Personal in Zoos beschränkte sich bis dato vor allem auf Tierpfleger und Verwaltungsmitarbeiter. Der Zoo Krefeld setzt inzwischen auch Security-Personal ein - um seine Tiere vor Besuchern zu schützen.

„Immer mehr Menschen halten sich nicht an unsere Hausordnung“, beklagt Zoo-Sprecherin Petra Schwinn. Darauf angesprochen, würden Besucher zunehmend respektlos und gar aggressiv reagieren. „Vielen scheint die Fähigkeit abhanden gekommen zu sein, ihr Verhalten zu reflektieren“, hat Schwinn beobachtet, die auch Zoo-Führungen macht.

Vater warf Schuh in Seelöwen-Becken - zum Apportieren

Jüngstes Beispiel sei ein Vater, der im August einen Schuh seiner Tochter in das Becken der Seelöwen geworfen hatte. Als die Tiere den Schuh nicht apportierten wollten, habe der Vater sich bei der Zoo-Verwaltung beschwert und sogar gefordert, der Zoo möge ihm den Schaden ersetzen. Beim Zoo erntete der Mann nur Kopfschütteln. „Seitdem liegt der Schuh auf der Insel im Becken“, sagt Schwinn. Einen Pfleger dorthin zu schicken sei „viel zu gefährlich“.

Tiere nicht füttern, nicht streicheln, nichts in Gehege werfen: „Menschen meinen offenbar, wir wollten ihnen Vergnügen nehmen“, sagt Schwinn. Ob Egoismus, Ignoranz oder einfach nur Dummheit: Besuchern fehlt es nicht selten an Empathie und Verständnis im Umgang mit den Tieren, beobachtet man nicht nur in Krefeld.

„Früher hatten Leute ein gewisses Schuldbewusstsein“

„Das rangniedrigste Tier in einem Gehege zu füttern, führt zu heftigen Problemen in einer Tiergruppe“, erklärt Schwinn. Dass Besucher das nicht wissen, „ist normal“, meint Schwinn. „Früher hatten Leute bei eigenem Fehlverhalten aber ein gewisses Schuldbewusstsein“, meint sie. Heute würde auch das Zoopersonal attackiert, das sich Sätze anhören müsse wie: „Sie haben meinem Kind gar nichts zu sagen!“

Insgesamt über drei Monate waren je zwei Sicherheitskräfte im Zoo Krefeld unterwegs, in den Sommerferien täglich. 2018 wurden sie erstmals eingesetzt. Sie sind vor allem da, wo Besucher Tieren besonders oft zu nah kommen: Im Schmetterlingshaus waren schon Insekten zerdrückt worden. In den Affenhäusern „werden Tiere von Besuchern häufig geärgert“, sagt Schwinn. Die Lage habe sich dank der Security gebessert. Aber im kommenden Sommer „werden wir sie wohl wieder einsetzen“.

Umgang miteinander „ist ruppiger geworden“

„Es gibt immer mal wieder Probleme in einzelnen Zoos. Von einem flächendeckenden Problem lässt sicher aber nicht sprechen“, sagt Sebastian Scholze, Sprecher vom Verband der Zoologischen Gärten, der 71 Zoos in vier Ländern, davon zwölf in NRW vertritt. Security-Personal als Reaktion darauf, ist in Zoos jedoch noch selten.

Im „Zoom“ in Gelsenkirchen „haben wir kein Sicherheitsproblem“, sagt Sprecherin Nataly Naeschke. Aber auch dort würden sich Besucher schon mal daneben benehmen. Im Zoo Wuppertal mag man die Erfahrungen in Krefeld ebenfalls nicht bestätigen. „Security-Kräfte haben wir nicht“, sagt Sprecher Andreas Haesar-Kalthoff. Er sieht es als „ein gesamtgesellschaftliches Problem, dass der Umgang miteinander ruppiger geworden ist“ und mit unter respektlos: „Diese Entwicklung macht auch vor dem Zoo nicht Halt“.

Krefelds Zoo-Sprecherin Petra Schwinn betont bei allen negativen Erfahrungen mit Besuchern: „Wir reden über Ausnahmen. 90 Prozent unserer Gäste verhalten sich vernünftig.“ Der Zoo Krefeld zählte zuletzt jährlich etwa 350.000 Besucher mit Tageskarte. (dae)

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