Stiftung Lesen

Lesen verschafft Durchblick

Wie von unsichtbaren Wolkenhänden in den Himmel geschoben. Blick auf Burg Eltz, morgens.

Foto: Walter Koretz

Wie von unsichtbaren Wolkenhänden in den Himmel geschoben. Blick auf Burg Eltz, morgens.

Sophie Gräfin zu Eltz lebt auf Burg Eltz. Und hat ein Ziel: Jeder soll Zugang zum Lesen haben können. Aktionen dazu bald auch am Niederrhein.

Es war einmal eine sagenumwobene Burg mit vielen Türmchen, unzähligen Zimmern und prächtigen Wäldern drumherum. Und früh morgens, wenn der Nebel aus dem Burgtal aufstieg, versammelten sich die Menschen rings um die Burg, um sich das wunderbare Schauspiel anzusehen. Und es sah wirklich so aus, als würde die mächtige Burg von unsichtbaren Wolkenhänden jeden Morgen neu auf ihren Platz geschoben.

Frau Gräfin schmunzelt. Nunja, sie verzeiht die märchenhafte Phantasie. Die Familie ihres Mannes, Karl Graf von Eltz, also eigentlich Karl Graf und Edler Herr von und zu Eltz-Kempenich, genannt Faust von Stromberg, also dessen Familie ist hier zu Hause, seit Generationen schon. Genauer: seit mehr als 800 Jahren.

Was mögen sich hier nicht schon alles für Geheimnisse und Schicksale, Abenteuer und Skandälchen entwickelt haben? Gerade zu jedes Eckchen lädt dazu ein, sich mit einem Buch zu verschanzen, einzutauchen in die Welt der Phantasie, sich abzuschotten und Kapitel aufzuschlagen, die man nur aufgeschrieben erleben kann. Gibt es einen besseren Platz zum – Lesen?

Sophie Gräfin zu Eltz lächelt wieder dieses freundliche, verständnisvolle, sympathische Lächeln. Natürlich hat auch sie hier ihre Lieblings-Leseecke. Zeigt sie uns gleich, gewiss, nach dem Interview mit Kaffee und Geschichten, Nach dem Rundgang durch Rittersaal und Schatzkammer. Nie, das sei noch einmal eben erwähnt, ist diese Höhenburg im Tal der Elz (Gemeinde Wierschem, Rheinland-Pfalz) gewaltsam erobert worden. Dafür hat vielleicht der eine oder andere von Ihnen sie schon ‘mal in der Hand gehalten – die Burg zierte u.a. die Rückseite des alten 500-DM-Scheines – nunja, und auch die Vorderseite einer 40-Pfennig-Briefmarke.

Das gräfliche Ehepaar bewohnt die Burg inzwischen nur noch im Sommer – und freut sich an jedem, der Burg Eltz besucht. Schließlich muss das prächtige Teil aus dem 12. Jahrhundert an irgendeiner Stelle immer restauriert oder in Schuss gehalten werden – und da helfen die Eintrittsgelder mit. Karl Graf zu Eltz hat es sich zum großen Ziel gemacht, die Burg für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten, ihre Substanz zu sichern und sie an die 34. Generation weiterzureichen.

Seit einigen Jahren ist die Höhenburg zu einer besonderen Festung geworden, einer Art „Lese-Festung“

Seit einigen Jahren nun ist diese stolze Burg zu einer ganz besonderen Festung geworden, zu einer Art Lese-Festung. Gräfin Sophie zu Eltz setzt sich dafür ein, Menschen zu Lesern und Leserinnen zu machen. „Lesen“, sagt sie, „überwindet Grenzen. In der Welt, die uns umgibt genauso wie in unseren Köpfen. Wer liest, lernt dazu. Wer liest, steigert Wissen und Kompetenz, Kreativität und Fantasie, Empathie und Toleranz.“

Seit vielen Jahren ist die engagierte Frau Vorsitzende der Freunde der Stiftung Lesen. Vor allem Kinder und Jugendliche, so Sophie zu Eltz, müssen gefördert werden. „Deren Zukunftschancen hängen auch davon ab, ob sie sich als geübte Leserinnen und Leser Zugang zu Bildung verschaffen können, um ihren Platz in unserer Gesellschaft einzunehmen. Wie nie zuvor benötigen wir alle die Bildung und den Einfallsreichtum jedes Einzelnen.“ – „Und nie waren wir Menschen wohl mehr darauf angewiesen, an Bildung teilzuhaben, um nicht abgehängt zu werden.“

Im nächsten Jahr wird Sophie Gräfin zu Eltz auch am Niederrhein sein. Weil wir finden, gemeinsam lesen und gemeinsam leben ist eine tolle Sache – wir sind dabei.

Achja, ein Lieblings-Leseort der Gräfin, die wahnsinnig gern liest: die kleine Laube mit dem Blick ins Tal. Aber nur im Sommer...

Zusammen leben, zusammen lesen

Es fängt mit Lesen an - das ist das Motto der Stiftung Lesen. Die Stiftung setzt sich dafür ein, dass Lesen dafür ein, dass jedes Kind und jeder Erwachsene in Deutschland über die notwendige Lese- und Medienkompetenz verfügen und Lesefreude entwickeln kann.

Im Rahmen des Förderprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unterstützt die Stiftung Lesen so genannte Leseclubs.

In freizeit-orientierter Atmosphäre treffen sich dort Kinder im Alter von etwa 6 bis 12 Jahren regelmäßig, um gemeinsam zu lesen, zu spielen und mit Medien viele kreative Dinge auszuprobieren. Den Schlüssel zur Lesemotivation haben die pädagogisch geschulten Betreuer der Clubs. Mit großem, oft ehrenamtlichem Engagement führen sie spannende Aktivitäten mit den Leseclub-Mitgliedern durch.

Die Stiftung Lesen wird nun auch in der zweiten Förderphase von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ (2018-2022) einer von 32 Programmpartnern sein. In insgesamt rund 400 Leseclubs in allen Bundesländern werden bereits rund 10.000 Kinder regelmäßig erreicht, viele davon aus bildungsbenachteiligten Verhältnissen. Bis 2020 sollen 265 neue Clubs dazukommen. Online kann man sich darum bewerben. Seit 2013 konnte die Stiftung Lesen den Leseclubs bereits rund 350.000 Medien zur Verfügung stellen.

Weitere Informationen: www.leseclubs.de

>>> AKTIONEN AM NIEDERRHEIN

Lesen und lesen lassen – im kommenden Jahr werden wir gemeinsam mit der Stiftung Lesen eine ganze Reihe von Aktionen am Niederrhein starten. Wir werden an ungewöhnlichen Orten ungewöhnliche Bücher kennenlernen, wir werden einen Leseclub an Niederrhein gründen, wir werden VorleseVorlesennachmittage und -abende anbieten. Und auch Sophie Gräfin zu Eltz wird an den Niederrhein kommen. Wir freuen uns. Lesen Sie mit!

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