Ulrich Erben

Für „Wanheimer Ort“: Der Maler Ulrich Erben bekennt Farbe

Hausbesuch im Museum DKM in Duisburg. Maler Ulrich Erben vor einem Bild aus seiner Reihe „Wanheimer Ort“.

Hausbesuch im Museum DKM in Duisburg. Maler Ulrich Erben vor einem Bild aus seiner Reihe „Wanheimer Ort“.

Foto: pla

Duisburg.   Mit Ulrich Erben im Museum DKM in Duisburg. Für ihn ein Heimspiel, hier hängt seine Reihe „Wanheimer Ort“. Bilder gegen ein graues Vorurteil.

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Ulrich Erben kommt ein paar Minuten zu spät. Er kurvt mit seinem japanischen Kleinwagen die Güntherstraße vor und zurück, um eine Parklücke zu finden. Willkommen im Dellviertel.

Dann – ein neugieriger Blick, ein interessiertes Lächeln und ein Handschlag alter Schule; sympathisch: An seinen Fingern klebt noch Farbe.

Ein Wink zum Werk: Farbe ist zum Markenzeichen seiner Malerei geworden. Wie solche Bilder aussehen, ist in der Dauerausstellung des Museum DKM zu sehen. Hier gehören seine Arbeiten zum Inventar.

Raum 2.11, zwischen dem japanischen Maler Tadaaki Kuwayama und dem chinesischen Konzeptkünstler Ai Weiwei. Weiße Wände, hohen Decken und ein Oberlicht, durch das gerade die Frühlingssonne strahlt.

„Der Raum war seit der Eröffnung des Museums für Ulrich Erben reserviert“, verriet einer der beiden Hausherren dem Autor mal. Klaus Maas kennt Ulrich Erben seit Anfang der 1970er Jahre. „Aus der ‘Galerie m’ in Bochum“, ergänzt der Künstler nun.

Der Erben-Raum ist zwar ein Durchgangszimmer, doch in der Mitte steht eine lange schwarze Holzbank. Deshalb ein gut gemeinter Rat: Unbedingt hinsetzen! Es lohnt sich – um endlich die Kunst des Ulrich Erben zu verstehen und einen anderen Blick auf die Stadt Duisburg zu bekommen.

Die Farben eines Stadtteiles

Wann er zuletzt im Haus war? „Immer mal wieder“, sagt Ulrich Erben. Das DKM liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Goch und Düsseldorf, zwischen seinem Atelier und seinem Zuhause.

Was den bald 80-Jährigen auf ewig mit Duisburg verbindet, hängt also hier an den Wänden. Fünf Bilder, gleich groß, in querformatigen 190 mal 270 Zentimetern. Ein Zyklus namens: „Wanheimer Ort“. Eine Kleinigkeit, doch nicht unwichtig, ist die künstlerisch freie Schreibweise des Stadtteiles.

Wenn nicht hier, wo dann, bitte, sollte diese Farbserie hängen? „Ich würde die Bilder gerne wiederhaben“, verrät ihr Maler und lächelt. „Am liebsten würde ich alle meine Bilder wiederhaben“, sagt er weiter und lächelt noch immer.

Wohl wissend, dass sie hier einen würdigen Platz gefunden haben. „Das Museum DKM ist ein besonderes Haus“, beginnt er zu schwärmen. „Hier gibt es noch Dinge zu sehen, die man sonst nirgendwo in Deutschland sieht.“

Zu den Linien stiller Schönheit, die die beiden Kunstsammler Dirk Krämer und Klaus Maas in ihrem öffentlichen Privatmuseum aus aller Welt zusammengetragen haben, und immer noch zusammentragen, gehört eben auch die Werkreihe „Wanheimer Ort“.

Es sind die vielleicht eigenwilligsten Duisburg-Bilder, die jemals gemalt wurden. Abstrakte Motive. Alles andere als grau, so wie das Image dieser Stadt. Ganz im Sinne des Künstlers, der Mitte der 1960er Jahre anfing, einen Ort und seinen Geist auf charakteristische Farben zu reduzieren.

Wanheimerort – oberflächlich betrachtet ist das bei ihm eine Mischung aus Blau, Gelb, Grün, Rot und Schwarz. Wer genauer und länger hinschaut, entdeckt die vielen Farbverläufe innerhalb der vermeintlich monochromen, sprich einfarbigen Flächen.

Braunrot, zum Beispiel. Ein Farbton, der durch die Arbeit auf der Kupferhütte im benachbarten Hochfeld in den Himmel geblasen wurde, und das Bild auch von diesem Stadtteil prägte.

Steht Gelb für die Sonne oder das Licht einer grellen Leuchtreklame? Ist Blau der Himmel oder der Rhein? „Der Rhein war damals nicht blau“, merkt Ulrich Erben schmunzelnd an.

Ganz anders als Düsseldorf

Es sind „Farben der Erinnerung“, die er einst mit Acryl auf die Leinwände brachte. In seinem ehemaligen Atelier mitten in Wanheimerort, in einer längst abgerissenen Schule an der Eschenstraße. Den Raum vermittelte ihm der damalige Kulturdezernent Konrad Schilling, weil er in seinem Stammatelier auf der Niederrheinstraße in Düsseldorf-Lohausen keine großformatigen Bilder malen konnte.

„Ich mag Duisburg, das Ruhrgebiet überhaupt. Die Industrielandschaft bietet viele Farben und Formen. Anders als in Düsseldorf, dort ist vieles oberflächlich fein.“ Von 1987 bis 1992 arbeitete Ulrich Erben hier und blickt fast wehmütig zurück. „Kaum jemand wusste davon. Es gab noch kein Handy. Ich konnte in Ruhe arbeiten.“

Letzte Frage: Wie würde sein Bild „Wanheimer Ort“ anno 2019 aussehen? „Gute Frage“, antwortetet, überlegt kurz – und sagt. „Ich müsste mal wieder hinfahren und gucken.“

>> INFO: Über das Museum DKM

Im Museum DKM, Güntherstraße 13-15, in Duisburg wird die Privatsammlung von Dirk Krämer und Klaus Maas gezeigt. In 51 Räumen auf fünf Etagen sind zeit­ge­nössische Kunst sowie Werken ältester mensch­licher Zivilisation zu sehen.

Eintritt: sa, so + feiertags + erster Freitag im Monat 12-18 Uhr, zwölf Euro. Sonderführung mit den Hausherren am 1. Mai, 15 Uhr. www.museum-dkm.de.

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