Astro-Fotografie

Hobby-Astrofotografen gelingt besonderes Sternen-Foto

Das Objekt wurde exakt 118,8 Stunden lang belichtet, mit verschiedenen Kameras aber immer mit 200 mm Teleobjektiv. Die Einzelbilder wurden addiert.

Foto: Ralf Kreuels, Stephan Küppers, Mark Schocke, Michael Kunze

Das Objekt wurde exakt 118,8 Stunden lang belichtet, mit verschiedenen Kameras aber immer mit 200 mm Teleobjektiv. Die Einzelbilder wurden addiert. Foto: Ralf Kreuels, Stephan Küppers, Mark Schocke, Michael Kunze

Am Niederrhein.   Vier Astrofotografen vom Niederrhein haben 120 Stunden lang ein Bild belichtet – das Ergebnis: Simeis, Spuren eines längst erloschenen Sterns.

Abgesehen von den hellen Objekten des Sonnensystems, wie Sonne Mond und Planeten, sind alle anderen Objekte nur dunkle, für das Auge schwer wahrnehmbare Funzeln im Weltall. Diese eh’ schon dunklen Objekte werden durch die künstliche Beleuchtung der Städte zudem extrem überstrahlt. Etwa 80 Prozent des Lichtes, welches wir in den Städten produzieren, geht nach oben in den Himmel. Und Aerosole aus Staub, Feuchtigkeit etc. reflektieren das Licht.

So wird der Himmel aufgehellt – und leider sind somit viele Gasnebel, Galaxien, etc. kaum mehr zu sehen – geschweige denn die Milchstraße. An dunklen Orten auf der Erde kann man die Milchstraße als strukturiertes und sehr gut sichtbares Band sehen, welches im Sommer auch bei uns am Himmel zu sehen wäre.

Die vier Hobby-Astro-Fotografen haben der Lichtverschmutzung ein Schnäppchen geschlagen

Um Himmelsobjekte fotografieren zu können, muss man lange belichten. Schießen wir ein normales Foto, so ist dieses im tausendstel Bereich belichtet. In der Astrofotografie muss man Stunden belichten.

Das erfolgt in vielen Einzelaufnahmen zu einigen Minuten, die dann am PC addiert werden können. Je länger belichtet wurde, umso mehr Details sieht man nachher am aufgenommenen Objekt. Die Astronomen sprechen dann von der Tiefe einer Aufnahme. Leider muss man aufgrund des vielen künstlichen Lichtes noch länger belichten als an Standorten, die dunkel sind.

Aus vielen, vielen Einzelaufnahmen wird dann das fertige Bild – und verblüfft mit seiner Tiefe

Vier Amateurastronomen vom Niederrhein haben sich zusammengeschlossen, um besonders tiefe Aufnahmen am lichtverschmutzten Niederrheinhimmel aufzunehmen. Mit gleicher bzw. ähnlicher Ausrüstung lassen sich so die Einzelaufnahmen gemeinsam addieren. Wir stellen heute zusammen ein Bild vor, welches von uns 120 Stunden (!) belichtet wurde. Diese Fotografie ist eine der tiefsten Aufnahmen, die es von dem Objekt gibt!

Das vom Team aufgenommene Objekt heißt Simeis 147 oder im Fachjargon Sh-2-240. Manche sagen auch gerne Spaghetti-Nebel dazu. Letzen Endes war es einmal ein Stern, der vor vielen tausenden Jahren explodiert ist. Was wir hier sehen, ist die Explosionswolke, die sich noch immer rasend schnell ausbreitet.

Man kann nun annehmen, dass dieses Foto durch richtig große Teleskope aufgenommen wurde und eine sehr hohe Vergrößerung gewählt wurde. Nein, es waren einfache 200 mm Teleobjektive. Das Objekt ist am Himmel so groß, dass der Vollmond ca. 30 Mal hineinpassen würde. Man könnte nun fragen, warum man dieses Objekt am Himmel nicht sehen kann. Es ist extrem lichtschwach und man benötigt 120 Stunden, um es sehr gut zu zeigen.

Das Objekt der Begierde: Simeis, ein Spaghettinebel, im Fachjargon: Sh-2-240

In dem Bild sieht man viele Farben. Mit bloßem Auge kann man am Himmel bei vielen Sternen unterschiedliche Farben sehen. Diese resultieren aus unterschiedlichen Temperaturen.

Rote Sterne sind alt und kühler als neue blaue Sterne. Wir kennen es aus dem Alltag. Die Kerze ist rötlich und kühler als ein Gasherd, der eine blaue Flamme hat und deutlich heißer ist. Da hört aber auch schon die Farbwahrnehmung des menschlichen Auges auf. Die Objekte sind alle so lichtschwach, dass das menschliche Auge alles in schwarz-weiß sieht.

Der ein oder andere fragt sich eventuell, ob er auch solche Aufnahmen machen kann. Im Prinzip nutzen wir handelsübliche Kameras. Doch müssen wir diese während der Aufnahme den Sternen nachführen. Ja, die Sterne, wie auch die Sonne und der Mond, wandern von Ost nach West am Himmel und legen 360 Grad in 24 Stunden zurück. Weil sich unsere Erde in etwa 24 Stunden einmal um sich selber dreht.

Die Bewegung der Sterne am Himmel muss also ausgeglichen werden. Wir nutzen eine Montierung, die auf den Nordpunkt am Himmel ausgerichtet ist und die so der Bewegung der Sterne am Himmel folgt, bzw. die Erdrotation kompensieren kann. Ohne diese Maßnahme wären alle Sterne und Objekte am Himmel nur Striche.

>>> Info:

Das Team der Astrofotografen: Stephan Küppers (Krefeld), Ralf Kreuels (Kempen), Michael Kunze (Rheurdt) und Mark Schocke (Oberhausen).
Für die Aufnahme oben reichte ein einfaches Teleobjektiv mit einer Brennweite von 200 mm. Das fotografierte Objekt ist sehr groß, ungefähr so groß wie ein Kinderluftballon, den man aus fünf Metern Entfernung fotografiert. Der Vollmond würde etwa 30 mal hineinpassen.
Stammtisch: Jeder erste Mittwoch des Monats. Ort: Krefeld-Uerdingen, Am Waldsee 29.
Eine Website gibt es auch: www.astrofototeam-niederrhein.de

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