Winter im Wald

Wie Tiere und Pflanzen in Wäldern sich gegen Kälte wappnen

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Ein Reh im "Winterwald": Kälte und Schnee stellen für die Tiere in den heimischen Wäldern kein Problem dar. 

Ein Reh im "Winterwald": Kälte und Schnee stellen für die Tiere in den heimischen Wäldern kein Problem dar. 

Foto: Jan Preller / Wald und Holz

An Rhein und Ruhr.  "Frostschutzmittel" bei Bäumen, Luft im Reh-Winterhaar: Experten vom NRW-Landesbetrieb Wald und Holz erklären die Tricks der Natur.

Winter, so richtig mit Kälte und Schnee, bedeutet für die Natur eine Ruhephase. "Was auf den Straßen und in Städten für Chaos sorgt, ist im Wald normal", sagt Michael Blaschke vom Landesbetrieb Wald und Holz gegenüber der Redaktion(10. Februar 2021). Zufahrten und Parkplätze sind in diesen Tagen ganz bewusst nicht geräumt.

Es gebe kein ausdrückliches Waldbetretungsverbot für die Landesforsten in Nordrhein-Westfalen. Aber: Besucher kommen an vielen Stellen schlicht nicht in den Wald, weil zu viel Schnee liegt. Tiere brauchen bei dieser Witterung ihre Ruhe. "Wenn ich als Spaziergänger jetzt ein Tier durch den Schnee stapfen sehe, ist das für mich schön", so Blaschke. Fürs Tier jedoch bedeute die Begegnung Stress.

Nährstoffe aus den Blättern zurückgezogen

In frühen Morgenstunden herrschen teilweise zweistellige Minusgrade in den Wäldern zwischen Rhein und Weser. Die Natur ist dafür gut gerüstet; bestes Beispiel sind Laubbäume, die bekanntlich ihre Blätter abwerfen und eine Art Winterschlaf halten. Die Nährstoffe haben die Bäume zuvor aus den Blättern zurückgezogen.

Diese Zuckerbindungen reichern sich in den Zellen der Bäume an, vor allem in Wurzeln, aber auch in Knospen. Dort wirken sie wie Frostschutzmittel und verhindern ein Platzen bei Kälte. „Waldbäume sind nicht so empfindlich. Sie treiben nicht beim ersten warmen Sonnenstrahl aus", erklärt Jan Preller vom Waldinformationszentrums Hammerhof im westfälischen Warburg (Kreis Höxter).

Igel senken Körpertemperatur auf fünf Grad

Andere Pflanzen benötigen eine Kälteperiode, zumindest Temperaturen um Null Grad, damit ihre Samen keimen können - so zum Beispiel der auch in Wäldern an Rhein und Ruhr verbreitete Bärlauch. Mit verschwenderisch vielen weißen Blüten gehört Bärlauch zu in wenigen Wochen (März/April) zu den ersten Blühern dort und verströmt den typischen Knoblauchduft.

Tiere haben eigene Tricks, um sich gegen Kälte zu wappnen. Vögel etwa plustern sich auf, die Luft im Gefieder isoliert. Erdkröte & Co. haben sich - wenn die Tage kürzer werden - rechtzeitig im Waldboden eingegraben. Sie verfallen in Winterstarre, ein radikales Energiesparprogramm. ums Energiesparen geht es auch beim Winterschlaf, den Fledermäuse und Igel halten. Igel senken dafür ihre Körpertemperatur von 36 auf fünf Grad.

Speckschicht und dickes Winterfell halten warm

Tiere wie Dachs oder Eichhörnchen ziehen sich ebenfalls zurück, halten aber lediglich Winterruhe. Eichhörnchen werden zwischendurch wach und gucken dann, ob sie ihre Futtervorräte wiederfinden. Rothirsche, Wildschweine und Rehe bleiben wach, sind aber weniger aktiv, um ebenfalls Energie zu sparen. Eine rechtzeitig angefressene Speckschicht hält bei Frost warm, gleiches gilt für ein dichtes Winterfell.

. Diese ist dunkel, sammelt Sonnenwärme und besteht unter den steifen Borsten aus dichtem und wärmendem Unterhaar. Rehe haben in ihrem grauen Winterhaar Luft eingelagert, die zusätzlich zum Fell isolieren soll. Und beim Rotwild werden äußere Körperpartien zum Energiesparen weniger durchblutet als das Köperinnere.

Borkenkäferlarven gehen bei Frost kaputt

Insekten verbringen den Winter meist als Eier, Puppen oder Larven im Boden, unter Laub oder Nadelstreu oder unter der Rinde von Bäumen. Die Umwandlung körpereigener Stoffe hebt die Frosthärte der Insekten und macht sie sehr robust. Das gilt zum Bedauern der Forstleute auch für Borkenkäfer, die - teils als erwachsene Tiere, teils als Larve - im Waldboden und unter der Fichtenrinde überwintern. Lediglich die Larvenstadien vertragen den Frost nicht.

Beim Landesbetrieb Wald und Holz ist man zuversichtlich, dass eine erhebliche Menge an Borkenkäferlarven durch den Frost kaputtgegangen ist. Hinzukommt, dass es in den Wäldern derzeit viel Wasser gibt. Bleibt das auch noch so, wenn das Wachstum der Bäume im Frühjahr wieder beginnt, so hilft das den Fichten, etwas robuster gegen die Schädlinge zu sein. , so Michael Blaschke vom Landesbetrieb Wald und Holz - aber zumindest etwas abgemildert.

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