Verkehr

Warum Bus- und Bahn-Tickets in NRW teurer sind als anderswo

Der ADAC hat Ticketpreise für den Nahverkehr verglichen. Im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr sind sie zum Teil deutlich teurer als andernorts außerhalb von NRW.

Der ADAC hat Ticketpreise für den Nahverkehr verglichen. Im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr sind sie zum Teil deutlich teurer als andernorts außerhalb von NRW.

Foto: Martin Gerten/DPA

Wer mit dem ÖPNV in NRW unterwegs ist, muss im Vergleich zu anderen Bundesländern mehr bezahlen. ADAC und Pro Bahn fordern mehr Investitionen.

An Rhein und Ruhr. Fahrkarten für Bus und Bahn sind in NRW deutlich teurer als in anderen Bundesländer. Zum Teil zahlen Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs 78 Prozent mehr als anderorts. Das geht aus einem Preisvergleich unter 21 deutschen Städten mit mehr als 300.000 Einwohnern hervor, den der ADAC am Mittwoch veröffentlichte. Bei vier der sieben relevanten Ticketarten im jeweiligen Stadtgebiet sind NRW-Städte Spitzenreiter.

In München kostet eine Monatskarte für Bus und Bahn beispielsweise 55 Euro, in Düsseldorf sind schon 77 Euro fällig, in Köln 98 Euro. „Den Bürgern ist ein Umstieg auf den ÖPNV nicht zu vermitteln, wenn die Preise dafür so hoch sind. Alle Anstrengungen für eine Verkehrswende in den Städten werden so Zunichte gemacht“, sagt Thomas Müther vom ADAC zur Lage in NRW.

Einzelfahrt für Kinder gilt im gesamten VRR-Gebiet

Der Automobilclub beobachte seit langer Zeit eine kontinuierliche Preisentwicklung nach oben. Um jährlich zwei bis vier Prozent stiegen die Preise in den vergangenen Jahren an Rhein und Ruhr. Besonders unverständlich sei unter anderem, dass die Mitnahme eines Fahrrads teilweise 3,60 Euro zusätzlich kostet: „Das widerspricht dem Mobilitätsgedanken, dass Pendler mit dem Rad zur Bahn fahren, es dort mit hinein nehmen und dann für den restlichen Weg bis hin zum Arbeitsplatz nutzen“, kritisiert Müther.

Dino Niemann vom VRR weist diesen Vorwurf entschieden zurück: „Wir haben verschiedene Angebote, unter anderem das Ticket 2000 oder das YoungTicket Plus, in denen eine Fahrradmitnahme inklusive ist. Kauft sich eine Person das Zusatzticket ist es außerdem im gesamten VRR-Gebiet gültig.“ Das Gleiche gelte auch für eine Einzelfahrt für Kinder. Diese kostet beim VRR 1,70 Euro. Im Vergleich dazu verlangt Leipzig mit 1,20 Euro den niedrigsten Preis. „Auch hier gilt, mit dem Ticket kann ein Kind durch das gesamte Gebiet fahren, theoretisch also von Hagen bis nach Kleve“, sagt Niemann.

Attraktivere Preisgestaltung gefordert

Generell ist für die höheren Bahnpreise in NRW das Finanzierungsmodell der ÖPNV-Betreiber verantwortlich: Während der VRR und VRS (Verkehrsverbund Rhein-Sieg) vor allem auf eine Kostendeckung durch die Kunden setzt, werden Tickets in anderen Städten deutlich bezuschusst. „Daher ist auch der Preisvergleich mit anderen Bundesländern schwierig. Dort erhalten die Verkehrsbetriebe von den Städten zum Teil höhere Subventionen“, sagt Dino Niemann vom VRR. Die Bahnpreise bleiben dort niedriger, die Steuerzahler werden aber stärker eingebunden.

Dem Fahrgastverband Pro Bahn ist bewusst, dass viele Städte in NRW finanziell nicht in der Lage sind, hohe Summen in den ÖPNV zu investieren: „Trotzdem ist es wichtig, dass die Ticketpreise für die Bahnkunden attraktiver gestaltet werden und gleichzeitig die Infrastruktur verbessert wird“, sagt Detlef Neuß von Pro Bahn. Für die Verkehrsbetriebe hieße eine höhere Kundenzahl schließlich auch höhere Einnahmen. Der ADAC setzt in diesem Punkt nach: „Notwendig sind ein Anstieg der Kapazitäten, mehr Qualität und eine flexiblere Taktung, damit noch mehr Personen auf die Bahn umsteigen. Ganz wichtig ist aber auch eine gute Preisgestaltung“, so Thomas Müther.

Zumindest was die Infrastruktur betrifft, investiert der Bund momentan eine hohe Summe. 1,6 Milliarden Euro sind bis Ende 2020 für Großprojekte wie den Rhein-Ruhr-Express (RRX) geplant. Pro Bahn bezweifelt trotzdem, dass die Bahn das selbstgesteckte Ziel erreicht, die Anzahl der Fahrgäste bis 2030 zu verdoppeln: „Schon jetzt sind die Kapazitäten in der Rush Hour völlig ausgelastet. Es müssen auf jeden Fall noch weitere Investitionen in den Schienenverkehr folgen“, so Neuß.

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