Kinderbetreuung

Darum werden Waldkindergärten in NRW immer beliebter

Olivia (4) macht dem Namen des Waldkindergartens - „Matschzwerge“ in Bochum – alle Ehre.

Olivia (4) macht dem Namen des Waldkindergartens - „Matschzwerge“ in Bochum – alle Ehre.

Foto: Lars Heidrich / Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

An Rhein und Ruhr.  Die Kinder sind den ganzen Tag über an der frischen Luft: Viele Eltern schätzen das naturnahe Konzept der Waldkindergärten. Aber es gibt Kritik.

Jahr für Jahr steigt die Zahl der Waldkindergärten in Nordrhein-Westfalen. Waren es im Kindergartenjahr 2012/2013 noch 61, existieren aktuell 191. Ein Grund: Die Betreuungsengpässe in den Städten machen diese pädagogische Möglichkeit attraktiv. Kritik gibt es allerdings an der Finanzierung.

Waldkindergärten verfolgen ein spezielles pädagogisches Konzept. Die Kinder und Erzieher sind überwiegend draußen in der Natur unterwegs, spielen und basteln mit naturnahen Materialien. Nur bei ganz schlechtem Wetter steht der Rückzug in die Hütte oder in den Bauwagen an. Der konsequente Aufenthalt an der frischen Luft soll die Kinder gesünder und widerstandsfähiger machen, argumentiert der Bundesverband der Waldkindergärten.

Bauwagen und Hütten dienen als Unterschlupf

Doch Corinna Schön weiß auch um die Vorbehalte, die Eltern haben. So gebe es Befürchtungen, dass die Kinder, die eine Waldkita besuchen, in der Schule unkonzentriert seien oder schnell krank würden. Studien hätten laut Schön jedoch andere Ergebnisse geliefert.

Die zunehmende Beliebtheit dieser speziellen Waldkindergärten erklärt sich der Detmolder SPD-Landtagsabgeordnete Dennis Maelzer, der zur Finanzierung der Waldkindergärten eine Kleine Anfrage im Landtag gestellt hat, so: „Immer mehr Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder in einer zunehmend technisierten Welt mehr Natur erleben eine größere motorische Förderung.“

Angelika Nieling, Teamleitung beim Landschaftsverband Rheinland (LVR), der für die Genehmigung von Waldkindergärten verantwortlich zeichnet, bestätigt: „Das pädagogische Konzept stößt auf hohe Akzeptanz bei den Eltern.“

Angesichts von Flächenknappheit und Betreuungsengpässen in den Städten greifen auch die Kommunen gern auf diese Betreuungsmöglichkeiten zurück, bestätigen Corinna Schön und Angelika Nieling. Ein Waldkindergarten sei vergleichsweise kostengünstig zu errichten. Meist genügt eine einfache Hütte oder ein Bauwagen, der in etwa für rund 80.000 Euro zu haben sei, meint Schön. Sobald es einen Schlafraum für den Mittag oder einen Wickelbereich geben soll, brauchen die Kitas allerdings einen zweiten Raum.

Was Eltern zudem besonders schätzen würden sei der gute Betreuungsschlüssel, sagt Corinna Schön. Die Waldkindergärten müssen mehr Personal als Regelkitas vorhalten, weil der Aufenthalt in der Natur größeren Betreuungsaufwand bedeutet. Die Empfehlung lautet daher: Mehr Personal, kleinere Gruppen.

Verband beklagt: Zu wenig Geld für den Kitabetrieb

Grundsätzlich begrüßt der Landesverband Waldkindergärten diesen Betreuungsschlüssel, kritisiert aber, dass die Naturkitas im Vergleich zu Regelkitas bei der Finanzierung benachteiligt seien Durch die kleinen Gruppen und das Mehr an Personal stehe unterm Strich eine geringere Pauschale.

Der Landesverband rechnet vor: Ein Regelkindergarten mit 25 Kindern mit einer Betreuungszeit von 35 Stunden erhält pro Kind eine Pauschale von 6.705,92 Euro. Insgesamt stehen dem Regelkindergarten also 167.648,00 Euro zur Verfügung. Eine Waldkindergartengruppe erhält aufgrund der zum Teil um fünf Plätze reduzierten Gruppe bei derselben Kindspauschalhöhe nur 134.118,40 Euro und damit 33.529 Euro weniger. Dazu kommen noch die Personalkosten für einen weiteren Erzieher, für den der Landesverband Waldkindergärten 30.000 Euro annimmt.

Waldkindergärten haben allerdings die Möglichkeit, weitere Pauschalen jeweils in der Höhe von bis zu 15.000 Euro zu erhalten. Ob sie gewährt werden, entscheidet das jeweilige Jugendamt. Es sei auch möglich, dass geringere Zuschüsse gewährt würden, meint Maelzer. Eingruppige Waldkindergärten, die vor Februar 2007 in Betrieb gingen, haben die Möglichkeit, zwei Pauschalen bis zu 15.000 Euro zu beantragen. Das, meint der SPD-Abgeordnete Maelzer, sei aber nur eine geringe Anzahl. Die meisten Waldkindergärten seien erst später entstanden.

Die SPD fordert daher eine dynamische Anpassung dieser Pauschale. Mit allgemeinen Preis- und Gehaltssteigerungen steigen auch die Kosten für die Waldkindergärten – und die müssten ausgeglichen werden, meint Maelzer. Gleichzeitig solle das Land mehr Verantwortung übernehmen, sprich: die Finanzierung der Pauschale den Kommunen abnehmen. Maelzer hofft, dass die Anregungen in dem neuen Kinderbildungsgesetz (Kibiz) Niederschlag finden. Am 30. September steht die große Anhörung im Landtag auf dem Programm.

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