Gerichtsprozess

Vom Loverboy zum Menschenhändler: Rocker steht vor Gericht

Alexander M. und Christian K. (hinten von links nach rechts) stehen wegen der sogenannte „Loverboy-Masche“ und des Menschenhandels vor dem Landgericht Düsseldorf.

Alexander M. und Christian K. (hinten von links nach rechts) stehen wegen der sogenannte „Loverboy-Masche“ und des Menschenhandels vor dem Landgericht Düsseldorf.

Foto: Lukas Schulze / FUNKE Foto Services

Düsseldorf.  Alexander M. soll einer Prostituierten ein anderes Leben versprochen und sie dann verkauft haben. Er und zwei weitere Verdächtige sind angeklagt.

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Eine junge Prostituierte hofft auf ein besseres Leben und vertraut dabei auf einen Mann, den sie in einer Kneipe kennengelernt hat. Was im Juli 2014 noch wie der Beginn einer romantischen Liebesgeschichte anmutet, endet rund fünf Jahre später in der bitteren Realität eines Gerichtssaals im Landgericht Düsseldorf.

Denn die junge Frau soll nicht nur auf die so genante „Loverboy-Masche“ hereingefallen sein, ihr vermeintlicher Freund Alexander M. soll sie im April 2016 auch noch an Christian K. und dessen Lebensgefährtin Manja R. verkauft haben.

Prostituierte musste wöchentlich 1000 Euro abgeben

Zunächst klang es für die junge Prostituierte wie ein gelungener Plan: Sie sollte weiterhin anschaffen gehen, um genügend Geld für eine gemeinsame Zukunft sparen zu können. Die beiden wollten eine Bar eröffnen, in der sie als Kellnerin arbeiten sollte.

Das zumindest soll Alexander M. der jungen Frau versprochen und sie im Laufe der Zeit dazu gedrängt haben, ohne Pause zu arbeiten und ihm wöchentlich 1000 Euro zu bezahlen. Ihr selbst blieben demnach am Ende maximal 20 Euro für Lebensmittel, zu ihrer Familie durfte sie nur telefonisch Kontakt halten.

Angeklagte sollen sich von den Hells Angels kennen

Im April 2016 schließlich verkaufte Alexander M. die Prostituierte laut Anklage für 10.000 Euro und zusätzliche 5.000 Euro Zinsen an Christian K., den er aus dem Rockermilieu der Hells Angels kannte. Daraufhin soll die junge Frau ihre Einnahmen an Christian K. und dessen Lebensgefährtin abgegeben haben müssen.

Am Montag sprachen die drei Angeklagten aus Düsseldorf erstmals über ihre jeweiligen Lebensläufe vor der Tat. Der 29-jährige Christian K. wirkte gefasst, erzählte ruhig von seinem Fachabitur und seinem beruflichen Werdegang vom Speditionskaufmann zum selbstständigen Unternehmer im Großhandel. Mit seiner ersten Inhaftierung 2015 bekam sein bürgerliches Leben erstmals einen Riss.

Angeklagter Christian K. steht mit Lebensgefährtin vor Gericht

Zu seinen Eltern und seiner fünf Jahre älteren Schwester habe Christian K. jedoch nach eigener Aussage noch immer ein „inniges Verhältnis“. Auch die Beziehung zu seiner langjährigen Lebensgefährtin Manja R. und deren Tochter sei gut.

Die 32-jährige Mitangeklagte dagegen habe ein schwieriges Familienleben gehabt, erklärte ihr Verteidiger. Daher sei sie stets froh gewesen über das gute Verhältnis zu den Eltern ihres Lebensgefährten. Derzeit befinde sich Manja R., die keinen Schulabschluss hat, auf Jobsuche.

Seine Kinder besuchen den Angeklagten Alexander M. in der JVA

Etwas aufgeregter dagegen schien der 33-jährige Alexander M., dessen Gesicht zahlreiche Tattoos zieren. „Er ist es nicht gewohnt, vor so vielen Menschen zu sprechen“, erklärte sein Verteidiger. „Er möchte es dennoch zum Teil selbst probieren.“ Und so erzählte Alexander M. von seiner Zeit auf der Förderschule, die er ebenso wie die sich daran anschließenden Berufsförderungsschulen ohne Abschluss verließ. Sein Verteidiger fügte hinzu: „Er hat, seit er 14 oder 15 Jahre alt ist, hart auf dem Bau gearbeitet.“

Zu seiner Familie habe Alexander M. keinen Kontakt, dagegen funktioniere die Beziehung zu seiner Ehefrau bereits seit 16 Jahren. Mit ihr hat er einen 15-jährigen Sohn und eine 10-jährige Tochter, die ihn vier Mal im Monat in der Justizvollzugsanstalt besuchen kommen. „Das ist besonders für die Tochter wichtig, die der plötzliche Kontaktabbruch getroffen hat“, betonte sein Verteidiger.

Fragen des vorsitzenden Richters Hans-Jörg Schmidt zu ihrem Bezug zum Rockermilieu wollten weder Christian K. noch Alexander M. beantworten. Am 7. Oktober geht der Prozess weiter, am 22. Januar wird ein Urteil erwartet.

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