Hilfsorganisation

Tafeln an Rhein und Ruhr: Helfer brauchen dringend Hilfe

Essensausgabe bei der Oberhausener Tafel (Symbolbild).

Essensausgabe bei der Oberhausener Tafel (Symbolbild).

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

An Rhein und Ruhr.  Immer mehr Menschen sind auf die Hilfe der Tafeln angewiesen. Doch die Helfer haben große Sorgen: es fehlen Ehrenamtliche und Lebensmittel.

Deutschland ist ein reiches Land – trotzdem leiden offenbar immer mehr Menschen unter Hunger. Das zumindest ist der Eindruck, den die aktuellen Zahlen des Vereins Tafel Deutschland nahelegen. Die ehrenamtliche Hilfsorganisation, die auch an Rhein und Ruhr in zahlreichen Städten Nahrungsmittel ausgibt, verzeichnet rund zehn Prozent mehr Menschen, die regelmäßig Lebensmittelspenden von den Tafeln beziehen.

Besonders gravierend sei der Anstieg unter Senioren, so Jochen Brühl, Vorsitzender des Vereins. „Das ist ein großes Problem. Die Älteren kämpfen um ihre Renten, bei vielen wird es ganz knapp“, hat auch Helmut Stoffels, 2. Vorsitzender der Neukirchen-Vluyner Tafel beobachtet. Der ehrenamtliche Helfer und seine Mitstreiter gehen aktiv gerade auf Seniorinnen und Senioren zu, um das Angebot bekannter zu machen. „Es werden in den nächsten Jahren wahrscheinlich noch mehr Ältere, die zu uns kommen müssen“, befürchtet Stoffels, „wenn Leute, die jetzt noch arbeiten, auf ihren Rentenbescheid gucken, dann kippen die aus ihren Schuhen.“

Auch in Duisburg kommen deutlich mehr Menschen zur Tafel. „Wir erleben seit 2015 einen kontinuierlichen Anstieg“, sagt Geschäftsführer Günter Spikofski. Darunter auch viele Senioren. Grund dafür ist die gestiegene Altersarmut: „Das sind Entwicklungen, die wir seit einigen Jahren erleben.“ Viele Menschen kämen nicht mehr mit ihrer Rente zurecht und seien deswegen auf Hilfe von der Tafel angewiesen, schätzt Spikofski. Bei der Weseler Tafel ist die Zahl der Senioren hingegen noch relativ gering: „Wir wundern uns immer, dass nicht mehr Rentner zu uns kommen“, sagt Horst-Dieter Maiß, 1. Vorsitzender des Vereins. Er vermutet, dass viele aus Scham oder Angst den Gang zur Essensausgabe der Tafel meiden.

Tafeln brauchen dringend Ehrenamtlichen

Die Tafel verteilt größtenteils Lebensmittel, die von Händlern und Gastronomen gespendet werden. In Duisburg ist das Spendenaufkommen gut: „Damit kommen wir zurecht, seit wir die Lagerkapazitäten ausgebaut haben.“ Etwas schlechter sieht es da in Wesel aus. „Wir müssen schon gucken, wie wir über die Runden kommen“, sagt Maiß.

Es sind aber nicht nur Lebensmittelspenden, auf die die Tafeln angewiesen sind, sondern auch helfende Hände vor Ort. Die könnten überall gebraucht werden, sagt Helmut Stoffels aus Neukirchen-Vluyn: „Es ist immer wieder schwierig, neue Leute zu finden.“ Stoffels hatte zuletzt Glück: „Bei uns haben drei Ehrenamtliche aufgehört, aber wir haben neue Helfer dazu bekommen.“

In Duisburg hingegen fehlt es derzeit an Ehrenamtlichen. Dort kann der Mittagstisch samstags nicht mehr geöffnet werden, weil es nicht genügend Helfer gibt, sagt Geschäftsführer Günter Spikofski: „Wir haben uns mit der Entscheidung sehr schwer getan.“ Auch Fahrer würden dringend gesucht. Im Hinblick auf den nahenden Winter hofft Spikofski auf schnelle Unterstützung.

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