NRZ-Klimaserie

Nachhaltig einkaufen: Regional, saisonal und am besten bio

In der Obst- und Gemüseabteilung im Supermarkt ist man oft schon mit (zu) viel Verpackung konfrontiert.

In der Obst- und Gemüseabteilung im Supermarkt ist man oft schon mit (zu) viel Verpackung konfrontiert.

Foto: Jens Büttner/dpa

An Rhein und Ruhr.   Wie funktioniert klimafreundlicher Einkauf im Supermarkt? Welche Tücken gibt es? Dazu Tipps vom Experten anhand einiger Beispiele.

Nachhaltig und klimafreundlich Lebensmittel einkaufen - angesichts der vielen bedrohlich klingenden Nachrichten über den Zustand unserer Erde möchten das viele. Doch ist das im Alltag so einfach? Und worauf muss man achten? Wir sind zusammen mit Philip Heldt, Nachhaltigkeitsexperte bei der Verbraucherzentrale NRW, einen ganz normalen Wocheneinkauf im Supermarkt anhand einiger Beispiele durchgegangen.

Die erste Gewissensfrage stellt sich in der Obstabteilung: Lieber loses Obst und Gemüse aus konventionellem Anbau kaufen oder in Plastik verschweißtes Bioobst?

„Eine ganz schwierig zu beantwortende Frage, weil das von sehr vielen Faktoren abhängig ist, die sich für Verbraucher so schnell gar nicht nachvollziehen lassen“, sagt Heldt.

Bei Bio-Obst werden keine Pestizide eingesetzt, andererseits muss man die Plastikverpackung als Negativfaktor gegenrechnen. Deswegen kein eindeutiges ja oder nein.

Eine komplizierte Gegenrechnung

Anschlussfrage: Wenn man jetzt im März Äpfel kauft - lieber eingelagerte Äpfel aus Deutschland oder frische aus Neuseeland? Auch hier müsste man eine komplizierte Gegenrechnung anstellen, weil die deutschen Äpfel seit ihrer Ernte energieintensiv im Kühlhaus gelagert werden und je nach Länge der Lagerung gegenüber den eingeflogenen Äpfeln keine bessere Co2-Bilanz aufweisen. „Ganz extrem wird es, wenn Sie im Juni oder Juli deutsche Äpfel kaufen, die dann schon ein dreiviertel Jahr in der Kühlung liegen.“ Als Verbraucher sollte man sich am besten an die Leitlinie „saisonal, regional und möglichst bio halten“, sagt Philip Heldt, Experte der Verbraucherzentrale NRW. Sehr nützlich könne dabei ein Saisonkalender sein, der anzeigt, welches Obst und Gemüse gerade reif ist. Was in der Konsequenz hieße: im Juli auf Äpfel ganz zu verzichten und stattdessen lieber Kirschen zu essen.

Philip Heldt ist Nachhaltigkeitsexperte bei der Verbraucherzentrale NRW. Foto: Ralf Rottmann Und die dünnen Plastiktütchen zum Verpacken sollte man links liegen lassen? Unbedingt. „Genauso wie die Papiertüten, denn ihre Ökobilanz ist in der Herstellung nicht viel besser“, so Heldt. Und was ist mit den Mehrwegnetzen, die man jetzt in vielen Supermärkten kaufen kann? Sicher eine deutlich bessere Alternative, wenn man sie auch tatsächlich mehrfach verwendet, zumal man sich solche Netze aus Gardinenresten auch selbst basteln könne, wie der Verbraucherexperte rät. Noch besser sei allerdings, die Waren gar nicht zu verpacken und nach dem Bezahlen beispielsweise in einer mitgebrachten Tupperdose zu transportieren.

Ist der Kauf beim Bauern eine Alternative? Ist in jedem Fall eine gute Möglichkeit, regional einzukaufen, „ist aber ökologisch spätestens dann nicht mehr sinnvoll, wenn man allein dafür im SUV 30 Kilometer hin- und herfährt“, so Heldt.

Wurst oder Käse? Von beidem nur wenig kaufen!

Bioeier oder Eier aus Freilandhaltung? „Bio“ sagt Heldt. Gerade bei tierischen Produkten sei bio die bessere Wahl. Allerdings sollte man auch dort darauf achten, dass die Eier aus der Nähe kommen und nicht durch halb Deutschland gefahren wurden.

Wir sind jetzt an der Frischetheke angekommen: Lieber Wurst oder Käse kaufen? „Grundsätzlich von beidem nur wenig,“ so der Experte. Bei hoch verarbeiteten tierischen Nahrungsmitteln wie Wurst und Käse würde eine große Menge an CO2 und klimaschädlichen Gasen verbraucht. „Deswegen sollte man schauen, ob man nicht auch mal mit pflanzlichen Brotaufstrichen glücklich wird.“

Kommen wir zu den Getränken. Als leidlich bewusster Verbraucher kauft man das Mineralwasser in Mehrwegflaschen. Besser aus Glas- oder aus Plastik? „Beides tut sich von der Ökobilanz her nichts.“ Glas sei bei weiteren Transportwegen durch das höhere Gewicht aber energieintensiver. Aber auch bei Wasser sei es ratsam, auf Produkte aus der Region zurückzugreifen, so Heldt: „Aber warum muss es überhaupt Wasser aus der Flasche sein?“ Leitungswasser sei kostengünstig, am ressourcenschonendsten und in Deutschland durchgehend von hoher Qualität.

Müllvermeidung ist ebenso wichtig

Haben wir was vergessen? „Ja“, sagt Heldt, „das andere Ende der Kette.“ Nämlich das, was gekauft, aber letztlich nicht verbraucht wird, tage- bis wochenlang in der Küche vor sich hingammelt und schließlich im Müll landet, elf Millionen Tonnen sind das in Deutschland pro Jahr. „Müllvermeidung ist mindestens ebenso wichtig wie nachhaltiger Einkauf. Wer Lebensmittel wegwirft, sollte sich fragen, welche das sind, woran das liegt und wie sich das verhindern lässt.“ Was in der Praxis heißt: beispielsweise das angeschnittene Brot gar nicht erst herumliegen zu lassen, sondern eine Hälfte direkt einzufrieren. „Auch für solche Dinge sollte man sein Bewusstsein schärfen.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben