Organisierte Kriminalität

Millionen abgeschöpft: NRW-Polizei geht Banden ans Geld

Im Kampf gegen Organisierte Kriminalität gibt es immer mehr Ermittlungsverfahren mit Vermögensabschöpfung. Die Gewerkschaft der Polizei sieht die Polizei in NRW auf dem richtigen Weg, fordert aber noch mehr Finanzermittler.

Im Kampf gegen Organisierte Kriminalität gibt es immer mehr Ermittlungsverfahren mit Vermögensabschöpfung. Die Gewerkschaft der Polizei sieht die Polizei in NRW auf dem richtigen Weg, fordert aber noch mehr Finanzermittler.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

An Rhein und Ruhr.  Neues Lagebild des Landeskriminalamtes: 2018 schöpften Finanzermittler bei organisierten Kriminellen insgesamt 21,7 Millionen Euro ab.

Speziell ausgebildete Finanzermittler der Polizei in Nordrhein-Westfalen haben bei kriminellen Banden im Jahr 2018 Vermögen im Wert von insgesamt 21,7 Millionen Euro abgeschöpft, etwa 17 Millionen mehr als im Vorjahr. Das geht aus dem aktuellen Lagebild „Organisierte Kriminalität“ hervor, das das Landeskriminalamt (LKA) an diesem Mittwoch (18. September 2019) veröffentlicht hat.

Alleine 8,7 Mio Euro gingen auf ein Verfahren wegen betrügerischer Immobilienfinanzierung zurück. Und sogar 10,2 Mio Euro sicherten Ermittler bei einem Steuerhinterziehungsverfahren gegen Betreiber mehrerer Spielhallen in Hagen und anderen Städten. Das Spielhallen-Verfahren hatte damals hohe Wellen geschlagen. Neben Bargeld und Immobilien konnten auch neun Luxusautos (u. a. der Marken Ferrari und Lamborghini) sowie über 100 wertvolle Schmuckstücke gepfändet werden.

Immer mehr OK-Verfahren mit Vermögensabschöpfung

Ob und wieviel illegal erworbenes Vermögen abgeschöpft werden kann, hängt immer von den einzelnen Verfahren ab. Frank Schniedermeier, Mitglied im Landesvorstand der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sieht die Ermittler in NRW auf dem richtigen Weg. Im Kampf gegen Organisierte Kriminalität (OK) stieg die Zahl der Verfahren mit Vermögensabschöpfung von 19 im Jahr 2016 über 27 in 2017 auf jetzt 32 in 2018. Die Landesregierung will Kriminellen ans Geld und hat den Bereich der Finanzermittlungen verstärkt. „Wir benötigen aber noch weitere Fachleute“, sagte Schniedermeier gegenüber der Redaktion.

Drogenhandel, Autoschiebereien, kriminelle Clans, gewalttätige Rocker, Wirtschaftsdelikte: Insgesamt hatten es die Polizeibehörden in NRW laut Lagebild mit 77 Verfahren aus dem OK-Bereich zu tun, drei weniger als im Vorjahr. Die Ermittler identifizierten 1222 Tatverdächtige aus Deutschland und 60 weiteren Nationen. 115 von ihnen waren bewaffnet. OK-Verfahren sind aufwändig und binden Personal, die Verfahrensdauer lag im Schnitt bei 13,6 Monaten.

Große Kokainfunde in Leverkusen und im Siegerland

Beim Rauschgifthandel beobachten die Ermittler, dass neben der italienischen Mafia, gegen die es 2018 unter anderem im Ruhrgebiet eine große Razzia gab, zunehmend auch albanische Gruppierungen aktiv sind. So wurde beispielsweise einer Familienbande das Handwerk gelegt, die von den Niederlanden Kokain per Pkw-Transport über NRW, Süddeutschland und Österreich nach Italien schmuggelte.

Apropos Kokain: Seit 2015 gibt es landesweit einen deutlichen Anstieg der sichergestellten Mengen. Zwei Großfunde vermeldet das Lagebild – 400 Kilo wurden verborgen in einer Lieferung tiefgekühlter Hähnchenbrust aus Brasilien sichergestellt, die als Irrläufer bei einem Fleischverarbeiter im siegerländischen Netphen landete, und weitere 121 Kilo in einer Bananenladung aus Ecuador, die an einen Leverkusener Fruchthandel ging. Der Verkaufswert der beiden Großfunde liegt den Angaben zufolge bei 36,5 Millionen Euro.

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