Mobilisierung

Metropole Ruhr startet Werbekampagne für Europawahl

Europa zeigt in der Metropole Ruhr Flagge: 523 Mio Euro sind in den vergangenen Jahren aus den wichtigsten Fördertöpfen in die Region geflossen.

Europa zeigt in der Metropole Ruhr Flagge: 523 Mio Euro sind in den vergangenen Jahren aus den wichtigsten Fördertöpfen in die Region geflossen.

Foto: Getty

An Rhein und Ruhr.   „Meine Stimme für Europa“: Regionalverband Ruhr und Kommunen wollen für die Abstimmung am 26. Mai mobilisieren. Kampagne kostet 140.000 Euro.

Eine solche Kampagne hat es in der Region noch nicht gegeben: Im Vorfeld der Europawahl am 26. Mai macht das Ruhrgebiet für eine möglichst hohe Wahlbeteiligung mobil. Mit der Initiative „Meine Stimme für Europa“ werben Regionalverband Ruhr (RVR) und Kommunen dafür, dass die 3,8 Millionen Wahlberechtigten in der Region ihre Stimme abgeben.

„Wir können Europa mitgestalten“, erklärte RVR-Direktorin Karola Geiß-Netthöfel auf Nachfrage der Redaktion.Sie erinnerte an den EU-Vorläufer Montan-Union, der allen Mitgliedsländern Zugang zu Kohle und Stahl gab: „Die Europäische Gemeinschaft hat hier ihren Ursprung“, so Geiß-Netthöfel. Zudem stehe die Metropole Ruhr für eine Vielfalt an Menschen und Kulturen – „praktisch ein Europa im Kleinen“.

Besondere Bedeutung durch Brexit-Drama

Die 140.000 Euro teure Europawahl-Kampagne war von den Parteien im Ruhrparlament schon vor geraumer Zeit beschlossen worden. Durchs Brexit-Drama und mögliche Folgen eines drohenden „harten“ EU-Austritts der Briten bekomme sie besondere Bedeutung, heißt es beim RVR.

Für „Meine Stimme für Europa“ wurde ein eigener Internet-Auftritt konzipiert, der den Angaben zufolge u. a. zeigen soll, wie Europa in der Region gelebt wird. Ein Terminkalender weist auf Veranstaltungen in den einzelnen Städten hin wie zum Beispiel Podiumsdiskussionen, Europa-Kindertage, Vorträge, einen Sternmarsch, Workshops oder auch einen EU-Kneipenquiz.

Ein eigenes Kampagnen-Logo wurde entwickelt. Jede Kommune und jeder Kreis können es ihre Webseiten, E-Mail-Signaturen, Parktickets und Briefumschläge übernehmen. Ab Mai werden auch Straßenbahn-Linien der 302 der Bogestra mit dem Slogan „Meine Stimme für Europa“ zwischen Essen und Gelsenkirchen pendeln. Betont wird, dass sich weitere öffentliche Einrichtungen wie z. B. Hochschulen oder Kultureinrichtungen anschließen könnten.

Europa ist in der Region sehr präsent

Wichtig ist den RVR-Vertretern, dass Brüssel zwar drei Autostunden vom Ruhrgebiet entfernt liegt, die EU aber sehr wichtig sei für die Region – und sehr präsent. Rund 523 Millionen Euro seien in vergangenen Jahren aus den wichtigsten EU-Fördertöpfen ins Ruhrgebiet geflossen. Hier hätten sie Investitionen in die Infrastruktur, in Forschung und Sozialprojekte ermöglicht.

Wieviel Europa steckt in der Metropole Ruhr? Ein eigens für die Kampagne zusammengestellter Katalog listet mehr als 60 Projektbeispiele auf. Hier ist eine Auswahl:

  • Im Herzen des früheren Zechengeländes in Dinslaken-Lohberg haben sich Künstler und Unternehmen aus der Kreativbranche angesiedelt. Aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (Efre) flossen rund 2,8 Millionen Euro.
  • Als „Radrevier.Ruhr“ soll das Ruhrgebiet für Radtouristen attraktiver werden. Fördergelder dafür kommen aus Brüssel und die sind u. a. in das jetzt fertiggestellte Knotenpunktsystem geflossen.
  • In der St. Marien-Kirche in Bochum ist das Anneliese-Brost-Musikforum entstanden – ein ganz außergewöhnlicher Konzertsaal mit Platz für bis zu 900 Zuhörer. Aus dem Efre-Fonds kamen 6,5 Millionen Euro.
  • Am Nordrand des Ruhrgebietes entsteht ein neuer Premium-Wanderweg: Der 150 Kilometer lange Hohe Mark Steig soll Wesel und Olfen verbinden
  • . Die EU steuert 800.000 Euro bei und trägt damit die Hälfte der Realisierungskosten.
  • An der Volkshochschule Essen ermöglicht die EU Schulabschlüsse auf dem zweiten Bildungsweg. Das Geld kommt aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Das große Ziel: EU-weit soll die Quote der Schulabbrecher bis zum Jahr 2020 auf 10% eines Jahrgangs reduziert werden.
  • In Essen soll die Wasserforschung ein modernes Zuhause finden. Für

    den „Future Water Campus“ fließen aus Brüssel 8,8 Millionen Euro.

  • Für die Skaterbahn rund um den Kemnader See zwischen Bochum und Witten flossen 2,3 Mio Euro aus dem Regionalfonds Efre. Damit übernahm die EU etwa 80% der Gesamtkosten.
  • Der Grüngürtel Duisburg-Nord schirmt in den Stadtteilen Bruckhausen, Marxloh und Beeck Wohngebiete von der Industrie ab. Aus dem Europäischen Regionalfonds flossen 5,5 Mio Euro.
  • „Smart Service Power“: In Dortmund wird eine Online-Plattform entwickeln, die Senioren ein selbstbestimmtes Leben in ihrer Wohnung ermöglichen Sollen. Brüssel stellt für Projektpartner 1,4 Mio Euro bereit.
  • In der Euregio Rhein-Waal unterstützt die EU deutsch-niederländische Schüleraustausche. Davon profitieren auch das Gymnasium Rheinkamp in Moers und die Europa-Schule Kamp-Lintfort.
  • Promenade, Sitzstufen am Wasser, Gastronomie, Adventure-Golf: Der im Jahr 2010 an der Xantener Südsee fertiggestellte Hafen ist ein Touristenmagnet. Die EU hat für den Bau 1,2 Mio Euro aus ihrem Efre-Fonds beigesteuert.
  • Bodensure Eichenwälder mit Mooren und Heiden sind typisch für das Gebiet um Wesel, Hamminkeln, Hünxe und Schermbeck. Mit Hilfe aus Brüssel wurden gebietsfremde Kiefern, Fichten und Lärchen durch die heimischen Laubbäume ersetzt. Aus dem EU-Programm „Life“ flossen 1,58 Mio Euro.

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