Stahlbranche

Linke will Thyssenkrupp verstaatlichen, um Jobs zu retten

Stahlarbeiter im Duisburger Thyssenkrupp-Werk. Die Branche schwächelt wegen der Corona-Krise. Zehntausende Jobs sind in Gefahr.

Stahlarbeiter im Duisburger Thyssenkrupp-Werk. Die Branche schwächelt wegen der Corona-Krise. Zehntausende Jobs sind in Gefahr.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

An Rhein und Ruhr.  Corona trifft die Stahlbranche hart. Die IG Metall fordert eine Staatsbeteiligung. Die Linkspartei geht mit ihren Forderungen weiter.

Vor der Demonstration von Beschäftigten der angeschlagenen Stahlsparte von Thyssenkrupp am heutigen Freitag in Düsseldorf drängen die Gewerkschaft IG Metall und der Landesverband der Linkspartei auf einen staatlichen Einstieg bei Thyssenkrupp Steel Europe. Die Linkspartei fordert dabei den Aufbau einer milliardenschweren Industriestiftung, die gegebenenfalls auch Beteiligungen an anderen Unternehmen erwerben könnte.

Die Thyssen-Stahltochter ist wie andere Unternehmen in der Stahlbranche hart von der Corona-Krise getroffen. Der Mutterkonzern will die Stahlproduktion zwar zukunftssicher machen und sie dazu auf klimafreundlichere Verfahren umstellen. Das aber ist enormen Kosten verbunden. Bis 2050 könnten zehn Milliarden Euro anfallen. Das Geld in der Branche ist aber knapp.

27.000 Beschäftigte in der Stahlsparte

Die Linkspartei will deswegen einen staatlichen Einstieg bei Thyssenkrupp. „Beim Gesamtkonzern“, betont Landeschef Christian Leye. Mit der Teilverstaatlichung sollten die notwendigen Mittel für den Umbau der Produktion hin zu mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit ermöglicht werden, vor allem aber die Sicherung der Arbeitsplätze in der Region. In der Thyssen-Stahlsparte arbeiten 27.000 Menschen.

"Der Stahl ist und bleibt die Schlüsselindustrie für NRW. Wenn die Stahlsparte von Thyssenkrupp nicht zukunftsfest gemacht wird, verlieren nicht nur die dort angestellten Mitarbeitenden ihre Jobs. Am Stahl hängen 150.000 weitere Arbeitsplätze in der Region, die dann in Gefahr kommen“, betont Leye.

Industriestiftung mit bis zu 20 Mrd Kapital

Die Linken fordern den Aufbau einer staatlichen Industriestiftung mit einem Kapital von zwischen zehn und 20 Milliarden Euro. „Mit einer solchen Stiftung könnte nicht nur Thyssenkrupp Steel geholfen werden, sondern auch andere Industriestrukturen gehalten werden“, so Leye. Was die Linken keinesfalls wollen: milliardenschwere Staatshilfen ohne Mitspracherecht wie bei der Lufthansa.

Auf den Düsseldorfer Rheinwiesen werden der Thyssen-Stahlsparte zu einer Kundgebung erwartet. Aufgerufen hat die IG Metall, die bereits seit längerem staatliche Hilfe für den Fall fordert, dass das Unternehmen in Bedrängnis gerät. Ein genaues industriepolitisches Konzept gebe es dazu noch nicht, so Gewerkschaftssprecher Mike Schürg.

Auch Thyssenkrupp-Chefin offen für Staatsbeteiligung

Man erwarte aber von der Landesregierung eine Zustimmung zu einer Staatsbeteiligung, so Schürg, schließlich habe Ministerpräsident Armin Laschet die Stahlbranche als „systemrelevant“ bezeichnet. Die IG Metall strebe jedoch keine Beteiligung am Gesamtkonzern an, sondern nur an der Stahlsparte.

Auch Thyssenkrupp-Vorstandschefin Martina Merz hatte sich jüngst offen für eine Staatsbeteiligung gezeigt. Dies sei eine „Option“ sagte sie am Montag bei einem Spitzentreffen mehrerer Konzerne zum Thema Wasserstoff mit der Landesregierung. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der ebenfalls an diesem Treffen teilgenommen hatte, hält bislang wenig von der Idee. Eine Staatsbeteiligung sei „nicht prioritär“, stattdessen brauche es finanzielle Unterstützung

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