Erdgas

Kraftakt: Gasleitung Zeelink unterm Niederrhein eingezogen

Da geht es rüber:  Der schwere Düker (links im Bild) war im Rheinvorland bei Rheinberg-Wallach vorbereitet worden. Per Spezialgerät wurde er unterm Fluss eingezogen.        

Da geht es rüber:  Der schwere Düker (links im Bild) war im Rheinvorland bei Rheinberg-Wallach vorbereitet worden. Per Spezialgerät wurde er unterm Fluss eingezogen.        

Foto: OGE

Am Niederrhein.  Ein 1050 Tonnen schwerer Düker wurde bei Rheinberg unterm Rhein eingezogen – eine ganz wichtige Etappe beim Bau der Erdgasleitung Zeelink.

Ein Meilenstein für den Bau der Zeelink-Pipeline: Die Fernleitung, die ab dem Jahr 2021 Nordrhein-Westfalen mit Erdgas versorgen soll, hat an diesem Mittwoch (16. Oktober 2019) den Rhein im Kreis Wesel gequert. Ein 525 Meter langer und 1050 Tonnen schwerer, sogenannter Düker wurde zwischen Rheinberg und Voerde unterm Fluss eingezogen.

Die Passage in bis zu elf Metern Tiefe unter einer von Europas meist befahrenen Wasserstraßen galt als besondere Herausforderung beim Pipelinebau. „Alles muss passen, nachher sind keine Korrekturen möglich“, hatte Thomas Groß von der für die Beton- und Wasserarbeiten zuständigen Firma Hülskens zuvor erklärt. Vom Ufer in Voerde aus zog die Linearwinde eines niederländischen Spezialunternehmens die schweren, betonummantelten Stahlrohre Stück für Stück in eine vorbereitete Rinne im Flussbett. Für den Schiffsverkehr war der Fluss dabei in zwei Etappen je zur Hälfte gesperrt.

Vier Stunden später stand fest: Es hat alles gepasst – auch wenn technische Probleme beim Seilzug dafür sorgten, dass der Einbau etwas später startete als zunächst geplant.

Echte Verzögerungen kann sich das insgesamt 216 Kilometer lange Pipeline-Projekt zwischen Aachen-Lichtenbusch und dem münsterländischen Legden nicht erlauben. Zeelink soll Erdgas mit höherem Brennwert, sogenanntes H-Gas, zu Bürgern und Industrie in NRW bringen und die bisherige Versorgung mit L-Gas (niedriger Brennwert) ablösen, weil dessen Vorkommen in den Niederlanden und Deutschland weitgehend zur Neige gehen.

Oberverwaltungsgericht wies Klagen auf Rechtsschutz ab

Die neue, insgesamt 850 Millionen Euro teure Pipeline schafft Anschluss an die belgischen Leitungen und ein großes Terminal im Hafen von Zeebrügge, ebenso macht sie aber über die Verbindungen im Münsterland eine Versorgung mit norwegischem oder russischem Erdgas möglich. Geplant wird Zeelink seit 2015, Bauarbeiten laufen seit April 2019.

Trotz langem Genehmigungsvorlauf und viel Informationsarbeit sind längst nicht alle Sorgen und Bedenken entlang der Trasse ausgeräumt. Klagen von Anwohnern aus dem Kreis Wesel und aus dem Münsterland auf einstweiligen Rechtsschutz hatte das Oberverwaltungsgericht Münster in den vergangenen Tagen abgewiesen. Die Richter hatten deutlich gemacht, dass sie zunächst keine dringenden Sicherheitsbedenken gegen den Bau sehen.

Entscheidungen im Hauptverfahren stehen freilich noch aus. „Wir können weiterbauen, das ist wichtig für die Versorgungssicherheit“, stellte Jörg Bergmann, Chef des Betreibers Open Grid Europe, vor Ort in Rheinberg im Gespräch mit der Redaktion heraus. Neben Open Grid Europe (75%) ist Thyssengas (25%) zweiter Projektträger von Zeelink.

Allein der Bau des Dükers kostete vier Millionen Euro

Mittlerweile fertiggestellt sind bereits 34 Kilometer Pipeline. Gebaut wird aktuell in drei Bereichen: im Großraum Aachen, bei Krefeld und Tönisvorst – und eben am Rhein im Kreis Wesel. Hochwasser- und Vogelschutz bedingten dort besondere Auflagen. Die reine Bauzeit des alleine rund vier Millionen Euro teuren Dükers betrug zwei Monate – von August bis Oktober. Gut 220 Menschen waren auf der Baustelle rechts und links des Rhein tätig.

Für das beteiligte Weseler Unternehmens Hülskens ist es der bisher zweitgrößte errichtete Düker – nach einer Weichselquerung in Polen. Geschäftsführer Groß betonte die Sicherheitsaspekte. Eine 18 Zentimeter dicke Betonschicht schütze die Rohre. Der Düker sei unterm Fluss stets von mindestens dreieinhalb Meter Kies bedeckt. Das soll verhindern, dass die Leitungen im Falle der Notbremsung eines Schiffes beim Ankerwurf verletzt werden.

„Narben in der Landschaft“ werden Zeit brauchen

Zum Düker-Einzug waren rund 100 Vertreter aus Politik, Behörden und von den beteiligten Unternehmen eingeladen. Rheinbergs Bürgermeister Frank Tatzel erinnerte an die Kritik von Anwohnern und Landwirten. „Wir waren nicht immer einer Meinung, wie das Projekt zu planen und umzusetzen sei“, sagte Tatzel. Der Düker-Bau bedeute einen tiefen Eingriff in die Landschaft – „die Narben werden einige Zeit brauchen, um zu heilen“, meinte der Rathauschef.

Ausdrücklich lobte Tatzel aber die gute Kommunikation mit den Zeelink-Planern und -Bauverantwortlichen. Und ebenso ausdrücklich bekannte er sich zum Ziel des Vorhabens, die Versorgung der Bevölkerung mit Erdgas auch in Zukunft sicherzustellen. Den Baufortschritt konnten die Rheinberger Bürger in den vergangenen Wochen und Monaten verfolgen. Der Düker war im Rheinvorland bei Borth auf seine schließlich 525 Meter gewachsen, jeden Tag ein Stück. Spaziergänger und Sportler schauten vorbei – auch Bürgermeister Tatzel: „Meine Joggingstrecke verläuft hier.“

Mitarbeiterin taufte Düker auf den Namen „Sarah“

Der Düker-Einzug erfolgte termingerecht bei bestem Herbstwetter. Die Taufe des Düker-Bauwerks nahm die Zeelink-Mitarbeiterin Sarah Moshövel vor, die eine Flasche Sekt auf dem Betonmantel der Rohre zerschellen ließ. Entsprechend trägt das Bauwerk den Namen „Sarah“. Die junge Mitarbeiterin fühlte sich geehrt. „Für mich ist das hier nicht nur mein Beruf, es ist Leidenschaft“, erklärte Moshövel.

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